Sanitätsdienst

Intensivmediziner: Einfach beatmen reicht nicht

Intensivmediziner: Einfach beatmen reicht nicht

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Datum:
Ort:
Ulm
Lesedauer:
2 MIN

Die Bundeswehr hat am 28. und 29. März schwerstkranke Covid-19-Patienten aus Norditalien und Frankreich nach Deutschland geflogen. Oberfeldarzt Dr. Björn Hoßfeld war Teil der medizinischen Crew der „fliegenden Intensivstation“, die von Bergamo nach Deutschland flog. 

Der einsatzerfahrene Mediziner vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm zeigte sich nach dem Transport sichtlich bewegt: „Sechs beatmete Patienten von Bergamo nach Deutschland zu fliegen, klingt im Vergleich zu den Langstreckentransporten aus Afghanistan erst einmal nicht nach einer Herausforderung. Aber wenn Sie den italienischen Kollegen in die Augen schauen, dann sehen Sie, wie fertig die sind.“

Ein Mann steht vor einem Flugzeug

Oberfeldarzt Dr. Björn Hoßfeld war Teil der medizinischen Crew auf dem Airbus A310 MedEvacMedical Evacuation

Bundeswehr/Dr. Björn Hoßfeld

Für Hoßfeld war es nur ein Vorgeschmack auf das, was unser medizinisches Personal in Deutschland erwarten wird. Und dieser macht dem 50-jährigen etwas Angst. „Ich habe schon viele schwer- und schwerstverletze beziehungsweise erkrankte Patienten gesehen, aber heute war ich froh, dass ich nur zwei Patienten betreuen musste.“ Hoßfeld spricht von einer sehr anspruchsvollen medizinischen Aufgabe. 

Schwierige Beatmung

Schon in weiser Voraussicht plante die medizinische Führung des Fluges mit drei statt der üblicherweise zwei Anästhesieteams. Hoßfeld musste bei der Schwere der Schädigung der Lunge erkennen, dass es mit einer einfachen Beatmung der Patienten nicht getan ist. Immer wieder musste er die Einstellung der Beatmungsgeräte individuell anpassen. Was ihn besorgt ist der Umstand, dass nicht jedes Beatmungsgerät für die Behandlung schwersterkrankter COVID-Patienten geeignet ist.

„Einen Notfallrespirator, wie wir sie auf einem Rettungswagen haben, reicht in diesem Fall nicht.“

Die Lunge der Covid-Patienten ist durch die Infektion derart geschädigt, dass mit genau auf die jeweiligen Patienten abgestimmten Drücken und Atemfrequenzen, die verbleibenden funktionierenden Lungenareale optimal genutzt werden müssen. Nur so können die Patienten noch mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. In Erinnerung ist ihm aber auch die Dankbarkeit der italienischen Ärzte geblieben. „Ich denke, es ist eine wichtige europäische Botschaft, dass wir uns gegenseitig helfen.“

Hintergrund:

Die Bundeswehr hat an diesem Wochenende gleich mehrfach besonders schwer erkrankte Patienten zur Behandlung nach Deutschland geholt. Dafür flog ein als „fliegende Intensivstation“ eingerüsteter Airbus A310 der Flugbereitschaft zweimal nach Italien, ein ebenfalls für medizinische Evakuierungs-Operationen (MedEvacMedical Evacuation) vorbereitetes Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M nach Frankreich. Die Patienten wurden auf zivile Kliniken und auf die Bundeswehrkrankenhäuser Koblenz, Ulm, Hamburg sowie Westerstede verteilt.

von Uwe Henning

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