Sanitätsdienst

Krank trotz Corona-Impfung?

Krank trotz Corona-Impfung?

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
1 MIN

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In den letzten Wochen berichten Medien vermehrt von Impfdurchbrüchen – also von Fällen, in denen Menschen trotz einer vollständigen Impfung gegen SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2 erkrankten oder positiv auf das Virus getestet wurden. Bedeutet dies nun, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe geringer ist, als bisher vermutet oder dass man doch einfach auf die Impfung verzichten kann? Die Antwort ist ganz klar: Nein.

Oberfeldarzt Dr. Svenja Liebler ist Referentin für Infektionsschutz im Verteidigungsministerium und sagt, dass man sich zum einen die einzelnen Fälle genau anschauen muss, die als Impfdurchbruch bezeichnet werden. Zum anderen muss man sich klarmachen, was die Aussagen über die Wirksamkeit der Impfstoffe aus den Zulassungsstudien bedeuten.

von Claas Gärtner

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4 Fragen an Oberfeldarzt Dr. Svenja Liebler

Dr. Svenja Liebler im Portrait
Bundeswehr/Patrick Grüterich

Was hat es denn nun mit den Impfdurchbrüchen auf sich?

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Schauen wir zuerst auf die Fälle, in denen es zu einem Impfdurchbruch gekommen ist. Hierzu ist zuallererst zu sagen: Die Impfungen besonders mit den mRNA-Impfstoffen sind hochgradig wirksam, aber auch eine Impfung bietet keinen 100%igen Schutz. Dies wissen wir auch von anderen Impfungen, wie zum Beispiel der Impfung gegen Hepatitis B, bei denen manche Menschen einfach keine ausreichenden Antikörper bilden. Darüber hinaus können Antikörper-Spiegel mit der Zeit auch wieder absinken, so dass sich die Schutzwirkung abschwächen kann. Auch dies kennen wir von anderen Impfungen, die in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden müssen. Von daher war es zu erwarten, dass es trotz Impfungen bei wieder steigenden Infektionszahlen in Deutschland auch zu Infektionen trotz Impfung kommt.

Also sind Impfungen jetzt wirksam oder nicht?

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Die Frage, die sich dabei stellt, ist, wie schwer Infektionen nach einer Impfung verlaufen. Dabei zeigt sich, dass die Impfung sehr effektiv vor einem schweren oder tödlichen Verlauf schützt, wie aktuell auch eine Studie aus Israel belegt, bei der knapp 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines großen Krankenhauses wiederholt und zusätzlich schon bei geringen Erkältungssymptomen mittels PCRPolymerase-Ketten-Reaktion getestet wurden. In 39 Fällen kam es zu einem Impfdurchbruch, wobei diese Personen niedrigere Antikörper-Spiegel aufwiesen als ihre nicht-infizierten Kolleginnen und Kollegen. Alle diese Fälle verliefen aber asymptomatisch oder mit nur milden Symptomen, in keinem Fall war eine Krankenhausaufnahme erforderlich. Hinzuzufügen ist noch, dass sich diese Mitarbeiter in 87% entweder bei ungeimpften Kolleginnen und Kollegen ansteckten oder bei ungeimpften Angehörigen des eigenen Haushalts.

Durch das RKI erfasste Zahlen bestätigen das der Anteil der Impfdurchbrüche sehr gering ist: In der Altersgruppe der 18- bis 59-jährigen beträgt der Anteil lediglich 1,8 Prozent. Nur 0,7 Prozent der stationär behandelten Fälle in dieser Altersgruppe war bereits vollständig geimpft, in absoluten Zahlen waren es 263 Fälle.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass Impfungen die Einzelperson und das Umfeld schützen, richtig?

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Ja. Die Schutzimpfung gegen COVID-19Coronavirus Disease 2019 hat mathematischen Modellierung zufolge bisher rund 706.000 Meldefälle, 76.600 stationäre und etwa 19.600 intensivmedizinische Fälle sowie mehr als 38.300 Sterbefälle verhindert – beachtliche Erfolge der Impfkampagne.

Etwas komplexer ist die Bewertung der Wirksamkeit anhand von Studiendaten. Hier würden viele die Daten zur Wirksamkeit, die beispielsweise mit 90 Prozent angegeben werden, so verstehen, dass 10 von 100 Geimpften schwer erkranken. Dies ist jedoch nicht korrekt, denn der angegebene Wert hängt zum einen vom Studienprotokoll ab hinsichtlich dessen, was konkret untersucht wurde. Dies kann die Vermeidung schwerer oder tödlicher Verläufe sein oder auch die Vermeidung jeglicher symptomatischen Infektion. Dann errechnet sich der Wert aus dem Vergleich der jeweiligen definierten Fälle in den beiden Studiengruppen, von denen die eine nur ein Placebo und die andere den echten Impfstoff erhalten hat. Es wird also zum Beispiel errechnet, wie viele symptomatische Infektion in der Impfgruppe weniger auftreten als unter den Ungeimpften.

Was heißen diese Zahlen für die Herbstzeit?

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Mit der 4. Welle steigt auch wieder die Zahl der Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Insgesamt lässt sich die Wirksamkeit der Impfkampagne bereits hier erkennen, da der Anteil der Hospitalisierung, also der im Krankenhaus behandelten Fälle, bezogen auf die Inzidenz um den Faktor 3 niedriger ist als in den bisherigen Wellen. Erschreckend ist aber, dass aktuell die 35- bis 59-Jährigen, gefolgt von den 15- bis 34-Jährigen den größten Anteil der im Krankenhaus behandelten Patienten ausmachen – die 4. Welle trifft also besonders Altersgruppen, in der nahezu jeder Dritte noch nicht oder nicht vollständig geimpft ist. Um in dieser Gruppe von Menschen, die mitten im Leben stehen und in der Regel beruflich wie privat eine Vielzahl von Kontakten haben, ist Impfen der beste Weg aus der 4. Welle – zum Eigenschutz aber auch zum Schutz unserer Familien sowie unserer Kameradinnen und Kameraden und Kolleginnen und Kollegen.

Quellen: