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OP-Roboter daVinci: Sprung in die moderne Medizin

OP-Roboter daVinci: Sprung in die moderne Medizin

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Datum:
Ort:
Ulm
Lesedauer:
4 MIN

Zu Gast im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm. Wir treffen den Leiter der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Oberstarzt Professor Dr. Roland Schmidt und seinen Kollegen, Oberfeldarzt Dr. Hartmut Dippel für ein Interview zum Thema Robotik in der Medizin. Im Video erklären Schmidt und Dippel die Arbeit mit dem Assistenzsystem daVinci.

Am Bundeswehrkrankenhaus Ulm einer der weltweit modernsten OP-Roboter, der daVinci, eingesetzt. Der Patient wird weiterhin durch den Chirurgen operiert, allerdings sitzt der Operateur an der Konsole und operiert mit Hilfe des Roboters.

Interview mit Prof. Dr. Schmidt und Dr. Dippel

Können Sie uns bitte daVinci kurz vorstellen?

Schmidt: „daVinci ist weltweit der modernste OP-Roboter. Im Prinzip besteht der Roboter aus drei Einzelteilen: dem Mechanismus am Patienten, der Konsole, an der der Chirurg sitzt und operiert, und dem Endoskopieturm, auf dem das Equipment steht. Der Patient wird weiterhin durch den Chirurgen operiert, allerdings sitzt der Operateur an der Konsole und operiert mit Hilfe des Roboters.“

Dippel: „Der richtige Begriff ist eigentlich Telemanipulationsgerät. In Deutschland arbeitet ein Roboter nach Definition selbstständig. daVinci ist nicht in der Lage, eigenständig zu arbeiten. Er macht nur das, was der Operateur ihm vorgibt, ist also der verlängerte Arm des Arztes.“

Sie haben viele technische Neuerungen am Bundeswehrkrankenhaus begleitet. Wie haben Sie die Einführung von daVinci erlebt?

Schmidt: „Das war für uns ein Quantensprung. Wir haben beide schon lange minimalinvasiv operiert. Ich glaube das ist auch eine gewisse Voraussetzung, um den Sprung zur Robotik zu machen, weil es gewisse Ähnlichkeiten gibt. Der Unterschied für uns zwischen konventioneller Operation und robotischer Operation ist so groß wie zwischen Mittelalter und Gegenwart: Das Handling und die Sicht sind bes- ser. Es ist einfach ein sehr schönes und präzises Operieren.“

Gab es Vorbehalte unter den Kollegen bei der Einführung von daVinci?

Zwei Ärzte sitzen nebeneinander in Sesseln

Oberstarzt Prof. Dr. Schmidt (re.) und Oberfeldarzt Dr. Dippel operieren am Bundeswehrkrankenhaus in Ulm mit dem Assistenzsystem daVinci. Es wird in der Prostata-, der Nieren-, der Viszeral-, der Tumor- und in der Thoraxchirurgie eingesetzt.

Bundeswehr/Timo Rosenbohm

Dippel: „Ja, natürlich, auf vielen Ebenen und fächerübergreifend. Der Operateurskreis ist durch die spezifische Schulung auf daVinci kleiner geworden und für viele, wie Pflege und Anästhesie, war die Robotik Neuland. Für uns änderte sich nur das Gerät, doch für die Narkoseabteilung war vieles neu: Der Patient wird anders gelagert und ist nicht mehr wie vorher für die Narkoseärzte zugänglich, weil der Roboter vielleicht im Weg steht. Das war ein langer Prozess des Lernens und des Aufbaus von Vertrauen.“

Schmidt: „Es gibt auch eine Vielzahl von Patienten, die mit dem Wunsch kommen sich mit dem Roboter operieren zu lassen. Wenn die Indikation da ist, dass man mit daVinci arbeiten kann, dann greifen wir natürlich auf das bestmögliche Mittel zurück. Angekommen ist der Roboter auch dahingehend, dass wir beginnen andere Kollegen an die Robotik heranzuführen.“

Warum hat sich die Bundeswehr für daVinci entschieden?

Schmidt: „Die Bundeswehr ist im medizinischen Bereich ein Macher. Die Entscheidung den Roboter zu beschaffen war aus meiner Sicht richtig, denn den Sprung in die moderne Medizin zu verpassen wäre ein großer Fehler gewesen. Wir können eine High-End-Chirurgie anbieten. Wir sind ganz vorne dabei aber verlieren dabei auch nie unsere Ausbildungspflicht aus den Augen.“

Was sind die Vorteile der Operationen mit daVinci für den Patienten?

Dippel: „Durch die schonende und präzisere Operation gibt es kleinere Schnitte. Die Patienten können das Krankenhaus früher verlassen und sind seltener auf den Intensivstationen. Insgesamt kommt es zu weniger Komplikationen durch diese Art der Operation und somit tragen die Patienten

auch weniger Folgen einer Behandlung davon.“

Wo liegen die Vorteile für den Chirurgen?

Schmidt: „Es ist ein innovatives Operationsverfahren und die Chirurgen sind ja Leute, die gerne mit moderner Ausstattung arbeiten möchten. Sie haben als Operateur eine perfekte Sicht auf das Geschehen und das dreidimensional und hochaufgelöst – besser, als wenn sie am offenen Bauch operieren. Man sieht Strukturen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Auch das leichte und natürliche Zittern eines Operateurs filtert der Roboter raus.“

Dippel: „Wir haben zwei Konsolen für daVinci, die anteilig Instrumente bedienen könnten. Bei uns operiert ein Chirurg aktiv, während ein weiterer Kollege an der zweiten Konsole lernt. Zudem kann der Arzt an der zweiten Konsole den Operateur unterstützen, indem er zum Beispiel Hinweise auf dem Bildschirm platziert. Es findet eine Interaktion und ein Lernen statt. So können wir Ausbildung – eine Hauptaufgabe der Bundeswehrkrankenhäuser – viel besser betreiben, als wenn ein Auszubildender nur Beobachter ist.“

Welche Risiken gehen von einer Operation mit daVinci aus?

Schmidt: „Aus meiner Sicht gibt es bei der roboterassistierten OP keine anderen Risiken als bei jeder anderen Operation. Es gibt zwar eine gewisse Technikabhängigkeit, aber die kann man bei diesem Produkt vernachlässigen. Wir haben am Bundeswehrkrankenhaus Ulm schon einige hundert Operationen durchgeführt, aber es ist noch nie passiert, dass wir aussteigen mussten, weil die Technik versagt hat. Man verursacht mit dem Roboter keine anderen Schäden als bei einer offenen Operation.“

Dippel: „In der Ausbildung lernt man mit der fehlenden Haptik umzugehen. Es gibt eine visuelle Haptik. Sie achten nicht auf Ihre Hände und ob es einen Widerstand gibt, sondern Sie schauen sich das Gewebe an und sehen wie es zum Beispiel auf Bewegungen oder Zug reagiert.“

Wie stellen Sie sich die Zukunft der Robotik in der Medizin vor?

Schmidt: „Noch mehr minimalinvasiv als gegenwärtig, noch feinere Instrumente, noch weniger Zugänge mit kleineren Schnitten. Ich denke, das wird die Zukunft sein. Dass wir noch nicht am Ende der Entwicklung sind, das ist selbstverständlich.“

Dippel: „Es wird keine Umkehr der Entwicklung mehr geben. Und das aufgrund der technischen Überlegenheit von daVinci. Durch die Dreidimensionalität und die zehnfache Vergrößerung ist es ein medizinischer Quantensprung. Die Instrumente haben die gleiche Beweglichkeit wie die menschliche Hand. All das wird nicht aufzuhalten sein.“

Vielen Dank für das Gespräch!

von Björn Albrecht und Timo Rosenbohm

Weitere Informationen

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