Sanitätsdienst

Patient spricht über seine Erfahrung mit COVID-19Coronavirus Disease 2019

Patient spricht über seine Erfahrung mit COVID-19Coronavirus Disease 2019

Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
3 MIN

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Man hat mir erzählt, ich wäre fast gestorben“, sagt Andreas Meier. Der 60-Jährige liegt auf einer Isolierstation im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und wird nach seiner schweren Covid-19-Erkrankung in Kürze als genesen entlassen.

Patient liegt im Bett und spricht mit der Redakteurin

Der ehemalige Soldat berichtet über seine Erkrankung mit Corona

Bundeswehr/Karl-Heinz Busche

Rund einen Monat wurde er stationär behandelt, knapp zwei Wochen ging es für ihn auf der Intensivstation um Leben und Tod. Die ersten eher harmlosen Symptome seiner Corona-Erkrankung zeigten sich am 28. März 2020. „Ich fühlte mich schlapp, hatte erhöhte Temperatur, auch etwas Husten“, sagt der ehemalige Zeitsoldat. Dass er am Coronavirus erkrankt sein könnte, daran hatte der gelernte Krankenpfleger zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht.

Patient gehört zur Risikogruppe

Am 30. März 2020 ließ er sich in die Notaufnahme am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg einweisen, um sich sicherheitshalber untersuchen zu lassen. Denn Andreas Meier zählt in mehrfacher Hinsicht zur Risikogruppe, zu seinen Vorerkrankungen zählen Diabetes, Asthma und Bluthochdruck. Die Wahl auf das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg fiel nicht nur aufgrund der nachbarschaftlichen Nähe, sondern weil der Oberfeldwebel a.D. früher dort gearbeitet hat und um die sehr gute ärztliche Versorgung weiß. „Die Behandlung ist exzellent, das Personal ist exzellent, deshalb wollte ich unbedingt ins Bundeswehrkrankenhaus Hamburg“, sagt Andreas Meier.

Dieser Beitrag wird nicht dargestellt, weil Sie X in Ihren Datenschutzeinstellungen deaktiviert haben. Mit Ihrer Zustimmung aktivieren Sie alle X Posts auf bundeswehr.de.

Die Röntgenaufnahme seiner Lunge, die am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg gemacht wurde, veranlasste die behandelnde Ärztin, ihn umgehend stationär aufzunehmen. „Ich erinnere nur noch, dass ich auf die Intensivstation kam, an ein Beatmungsgerät angeschlossen und ins künstliche Koma gesetzt wurde“, sagt Andreas Meier. Die Dramatik der folgenden Tage bekam der Hamburger auf diese Weise nicht mit, denn was nun folgte, war ein multiples Organversagen, das das Ärzteteam vor sehr große Herausforderungen stellte: Zunächst kollabierte fast die Lunge, dann bereitete das Herz Probleme und der Diabetes spielte verrückt.

Erwachen aus dem künstlichen Koma

Intensivstation im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg

Knapp zwei Wochen Andreas Meier auf der Intensivstation

Bundeswehr/Sandra Herholt

Die Leber baute ab und die Nieren haben nicht mehr gearbeitet. „Als ich nach zehn oder zwölf Tagen aus dem künstlichen Koma geholt wurde, hatte sich alles erst einmal seltsam angefühlt. Ich sah alles wie im Halbdunkel und ich hatte einen Schlauch im Mund“, sagt der 60-Jährige. Rückblickend hat er das Gefühl, dass immer jemand da gewesen sei, der oder die sich um ihn gekümmert habe – genau könne er dies aber nicht sagen, weil er immer wieder in Schlaf fiel. Grundsätzlich kann er sich nicht an alle Einzelheiten erinnern, die vor oder nach dem künstlichen Koma passiert sind – eine der Nachwirkungen des Komas.

Eine Cola auf das Leben

Woran er sich jedoch genau erinnert, ist ein Gespräch mit einem behandelnden Arzt, kurze Zeit, nachdem er wieder bei Bewusstsein war. „Wir haben uns unterhalten, über ganz verschiedene Dinge. Irgendwann sagte ich ihm, dass ich so gerne eine Cola trinken würde. Der Arzt sagte, dass er jetzt eine Woche nicht im Dienst sei, aber dass wir zusammen eine Cola trinken würden, wenn ich in einer Woche noch auf der Station läge. Und das haben wir eine Woche später dann auch gemacht. Die Unterhaltung war so menschlich und hat mich total aufgebaut“, sagt der gebürtige Hannoveraner. In positiver Erinnerung ist ihm auch das Gespräch mit dem katholischen Militärseelsorger Ludger Nikorowitsch: „Es ging nicht um Gott oder Kirche, sondern einfach um das Miteinander reden, das hat sehr gut getan“, sagt der Oberfeldwebel a.D.

Keine Angst vor dem Tod

Angst vor dem Tod hatte Andreas Meier nicht, als er auf der Intensivstation lag, obgleich er unter Alpträumen litt. „Ich denke, das Leben hat noch etwas für mich, deshalb bin ich da, um das zu erleben. Oder, um das zu tun, was ich noch erledigen soll“, sagt der Hamburger. Seine wichtigste Erkenntnis nach seiner schweren Covid-19-Erkrankung lautet: „Es gibt Dinge, die sind wichtiger als Geld. Für mich sind Freunde wichtiger geworden“, sagt der gelernte Krankenpfleger. In den nächsten Wochen will Andreas Meier wieder körperlich fit werden und nach dem langen Krankenhausaufenthalt Muskulatur aufbauen, gemäßigt Sport treiben. Sein Rat an alle lautet:

„Keiner sollte Covid-19 auf die leichte Schulter nehmen. Aus meiner Sicht ist der öffentliche Umgang mit der Corona-Pandemie zu locker. Eine Gefahr sollte man nicht locker sehen.“

von Ulla Matthes

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.