Sanitätsdienst
Fortbildung im Ausland

Vom Bundeswehrkrankenhaus nach Johannesburg

Vom Bundeswehrkrankenhaus nach Johannesburg

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Datum:
Ort:
Afrika
Lesedauer:
3 MIN

Der Austausch von Wissen ist essenziell in der Medizin und wird weltweit durch unzählige Projekte vorangetrieben. Ein solches brachte die Chirurgin Oberfeldarzt Christine J. nach Südafrika. Auf der Trauma-Station des Chris Hani Baragwanath Academic Hospital in Johannesburg konnte sie viele, teilweise nervenaufreibende Erfahrungen sammeln.

Das vom Bundeswehrkrankenhaus Berlin durch Oberstarzt Dr. Huschitt und Oberfeldarzt Dr. Hauer initiierte Programm wurde vor einigen Jahren ins Leben gerufen, um den Erfahrungsschatz von Ärztinnen und Ärzten in schwierigen Situationen zu erweitern. Nach einer pandemiebedingten Unterbrechung wurde das Programm im November 2021 fortgesetzt: „Wir erhielten eine Genehmigung für das dreimonatige sogenannte Fellowship-Programm“, berichtet Oberfeldarzt J.

Feste Tagesstruktur in der Ferne

Jeden Morgen begann um 7 Uhr im Schockraum „Resus“ die Schichtübergabe. Nach einer kurzen Besprechung mit allen Ärztinnen und Ärzten sowie Famulantinnen und Famulanten, folgten typische wiederkehrende Termine eines Klinikums: Morgen- und Mittagsvisiten bis zu 90 Patientinnen und Patienten, Meetings zwischen den Abteilungen sowie interne Weiterbildungen. Parallel kümmerte sich das Schockraum-Team in einer 24-Stunden-Schicht um Notfälle, Operationen, diagnostische Maßnahmen sowie um die Intensivbetreuung.

28-Stunden-Schichten in 1.500 Metern Höhe

Eine Ärztin sitzt auf einer Trage und arbeitet an Dokumenten

Lange Arbeitstage und wenig Schlaf ist der Alltag

Privat

„Die Dienste sind oft lang und es ist normal, keinen oder nur wenige Stunden Schlaf zu bekommen“, beschreibt Oberfeldarzt J. den herausfordernden Alltag. Den Großteil der 28 Stunden andauernden Schicht verbringen die Ärztinnen und Ärzte auf den Beinen. Hinzu kommt, dass Johannesburg auf etwa 1.500 Metern Höhe liegt und es einige Zeit dauert, bis sich der Körper daran gewöhnt hat. Daher rät sie Interessierten an diesem Programm, bereits vor der Ankunft in Johannesburg an der eigenen Fitness zu arbeiten. Eine weitere Herausforderung sei es gewesen, dass die Notaufnahme vor Ort aufgrund eines schweren Brandes geschlossen war. Zusätzlich löste die COVID-19Coronavirus Disease 2019 Pandemie große Patientenanstürme aus.

Weg vom Gewohnten

J. empfiehlt möglichen Interessierten weiterhin, sich auf die neue Umgebung und Situation einzulassen und von gewohnten Abläufen in Deutschland zu lösen. Das Arbeitsumfeld, die Regeln, Eigenarten, Einstellungen und Standards seien in Südafrika eben andere. Auch Englischkenntnisse sollten zuvor noch einmal aufgefrischt werden, da dies die gemeinsame Sprache vor Ort ist. Insgesamt gibt es in Südafrika neun verschiedene Amtssprachen.

Unterschiede zu Deutschland

Im Vergleich zu Deutschland sei das Verständnis von Hygiene in Südafrika anders. Dazu kämen Unterschiede in der Länge der Schichten, dem Arbeitstempo und dem Verhältnis von Patienten zu Personal. Gerade letzteres sei ein großer Unterschied, da Intensivplätze knappe Ressourcen seien.  Das führe dazu, dass auf Grundlage von wissenschaftlichen Studien und speziellen Verfahren nach den besten Überlebenschancen priorisiert werden müsse – denn nicht jeder bekäme immer sofort ein Intensivbett.

Oberfeldarzt J. bezeichnet diese Prozesse als „fremd“ und „hart“. Sie seien jedoch der Lage geschuldet und notwendig. „Man sollte versuchen, die einzelnen Menschen aufgrund solcher Unterschiede und Gegebenheiten nicht zu verurteilen.“ Die Auswirkungen von übermäßigem Alkoholkonsum und täglicher Gewalt seien für sie besonders einprägend gewesen.

Herausfordernd, aber interessant

Eine Chirurgin arbeitet an einem Patienten der auf einem OP Tisch liegt

Besonders die Behandlung von komplexen Trauma-Verletzungen ist intensiv

Privat

Während des Aufenthalts könnten Ärztinnen und Ärzte ihre praktischen Fähigkeiten bei der Behandlung von komplexen Trauma-Verletzungen intensivieren. Unter den besonderen Herausforderungen in einem fremden System bestünde für sie die Möglichkeit zu lernen, wie sie sich auf neue Situationen schnell einstellen können. Für Christine J. war es nebenbei interessant zu erleben, wie ein Schwellenland mit der Corona-Pandemie umgeht.

Vielfältige Kultur

Während des dreimonatigen Aufenthalts musste sich Oberfeldarzt J. auf das Land und das Leben vor Ort einlassen. Sie sei viel auf sich selbst gestellt gewesen. Es gäbe aber viele Parallelen zum Leben in Deutschland. Besonders das Freizeitangebot in Johannesburg habe es J. angetan: Neben vielfältigen Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen gäbe es etliche Museen, Galerien, Theater, Musikveranstaltungen und die größte Bücherei der südlichen Hemisphäre zu sehen. Südafrika als solches sei darüber hinaus sehr vielseitig und werde „nicht umsonst die Regenbogennation genannt“, betont die Ärztin.

von Vivian Lewark und Marcel Bockisch-Ernst