Startschuss für die Vorbereitungen VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023

Startschuss für die Vorbereitungen VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Frankenberg
Lesedauer:
1 MIN

Mit verschiedenen Übungen, wie dem Kalten Wettiner, bereitet sich die Brigade auf ihren NATO-Auftrag vor und legt damit wichtige Grundlagen, um bald als digital vernetzter multinationaler Gefechtsverband einsatzbereit zu sein. Wir sprechen mit dem Brigadekommandeur, Oberst Alexander Krone, über den Stand der Dinge.

Herr Oberst Krone, was ist die Übung Kalter Wettiner?

Ein Soldat steht vor einem Banner mit einem sächsischen Wappen.

Oberst Alexander Krone ist Kommandeur der VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Brigade.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Die Übung Kalter Wettiner ist Teil der traditionellen Übungsreihe der Brigade. Sie kommt in einer Phase, in der die Panzergrenadierbrigade 37 an der Nahtstelle zur Vorbereitung für die Very High Readiness Joint Taskforce (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) steht. Mit dem Kalten Wettiner wollen wir die Grundlagen für die nationale Vorbereitung im nächsten Jahr legen und damit den Einstieg in die VJTFVery High Readiness Joint Task Force schaffen. Zunächst sollten die Truppenteile der Brigade sowie deutsche Truppenteile anderer Verbände, die zur VJTFVery High Readiness Joint Task Force gehören werden, in einem Aufmarsch und letztlich in einer großen Übung zusammengeführt werden. Auf verschiedenen Übungsplätzen, im Schwerpunkt im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) Altmark, wurden wichtige Grundlagen für den Einstieg in die VJTFVery High Readiness Joint Task Force gelegt. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Übung flexibel abgewandelt worden, sodass der große Aufmarsch im Brigaderahmen sowie auch die Feldeinsatzübung des Versorgungsbataillons in der Form nicht stattfand. Dadurch hat sich insgesamt die Teilnehmerzahl reduziert.

Trotz Corona

Zwei Soldaten mit Warnwesten stehen neben einem Eisenbahnwaggon, auf dem ein Schützenpanzer aufgefahren ist.

Ohne großen Aufmarsch: Wegen Corona wurde die Übung auf das Wesentliche reduziert und große gemeinsame Marschbewegungen vermieden.

Bundeswehr/Carl Schulze

Wir konzentrierten uns auf die taktische Ausbildung in bundeswehreigenen Einrichtungen, also auf Truppenübungsplätzen, Standortübungsplätzen und im Gefechtsübungszentrum (GÜZ). Natürlich gab es Marschbewegungen zu den Übungsplätzen. Die wurden jedoch so gering wie möglich gehalten, um den Kontakt zwischen der übenden Truppe und der Bevölkerung zu vermeiden. Der Rahmen Kalter Wettiner blieb dabei erhalten, wenngleich in veränderter und damit dann auch in verringerter Form.
Im Vorfeld ist eine Menge Planungsarbeit investiert worden. Deswegen bleiben zurückgestellte Übungsanteile in der Schublade, sodass wir unter besseren Bedingungen, Elemente der Übung wiederholen können. Dazu gehören die Themen Aufmarsch und Feldeinsatzübung für die Logistik. Sie spielen gerade bei der Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung eine große Rolle und müssen wieder intensiver, insbesondere auf Brigadeebene, geübt werden. Wir werden diese Inhalte im nächsten und übernächsten Jahr, abhängig von der Pandemielage, wieder miteinbauen.

Ein rotes Hinweisschild mit Corona-Regeln hängt an einer weißen Wand.

Während der Übung gelten strenge Corona-Regeln, deren Einhaltung kontrolliert wird.

Bundeswehr/Tom Twardy

Für die Übung Kalter Wettiner wurden voneinander unabhängig agierende Gruppen (Kohorten) gebildet und besondere Hygieneauflagen umgesetzt. Zudem haben wir aktuell etwa 600 Soldaten der Brigade in der Amtshilfe. Sie stehen für Ausbildung und Übung nicht zur Verfügung. Neben dieser zusätzlichen Kräftebindung sind einige meiner Soldaten selbst auch immer wieder von Quarantänemaßnahmen betroffen. Den somit eingeschränkten Spielraum gilt es dennoch bestmöglich für Übungsvorhaben zu nutzen – und das funktioniert auch. Denn die Frage war: Machen wir weiter wie bisher oder stellen wir uns flexibel auf die Pandemie ein? Wir entschieden uns für Letzteres. Wir hielten an der Übung fest und machten sie im Kern auf unserem eigenen Terrain, um dadurch die ganz großen Bewegungen zu reduzieren. Die Übungsvorhaben verliefen unter den bekannten AHA-Regeln. Sie wurden in Klietz, in Wildflecken aber auch im GÜZ in der Letzlinger Heide streng eingehalten und kontrolliert.

Zahlreiche weiße Zelte stehen am Rande eines Waldstückes.

Auflockerung: Wegen Corona wurden die Soldaten in mehr Zelten untergebracht.

Bundeswehr/Renzo Di Leo

Wir haben die Konzepte selbst erstellt und anschließend im Dialog mit der ÖRA, der Überwachungsstelle für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes-Ost, weiterentwickelt. Die ÖRA prüft die Konzepte fachlich mit und gibt uns dann Hinweise und Ergänzungen, wo wir als Truppe noch nachsteuern und unser Konzept verbessern können, sodass wir dann am Ende, im Einvernehmen mit der ÖRA, zu einem zielführenden Hygienekonzept kamen. Es ist dann der Maßstab für das Verhalten jedes Einzelnen. Und das Führungspersonal muss darauf achten, dass alle Regeln eingehalten werden. Dazu gehörte für uns die Bildung und Kennzeichnung von Kohorten. Jede Soldatin und jeder Soldat trug eine Armbinde, sodass jeder wusste, zu welcher Kohorte er oder sie gehörte. Wir achteten sehr darauf, dass sich diese Kohorten dann nicht durchmischten. Zudem galt wie überall: Abstand halten und Maske tragen. Wir nutzten zur Auflockerung die doppelte Anzahl an Zelten im Vergleich zu Übungszeiten vor der Pandemie. Dort, wo normalerweise in einem Typ 2 Zelt zehn Personen untergebracht werden, sind wir runter auf die halbe Belegung pro Zelt gegangen. Am Ende zeigten die Soldaten eine Menge Disziplin. Auch das GÜZ hat nach den vielen Durchgängen unter Corona-Bedingungen wertvolle Erfahrungen gesammelt. Man weiß nun, wie man eine solche Übung organisiert. So können wir trotz der schwierigen Voraussetzungen unsere Truppenausbildung auf einem sehr guten Niveau am Laufen halten. Und so sollte es auch sein.

Fünf Soldaten arbeiten an Rechnern im Gefechtsstandzelt, an der Wand leuchten digitale Tafeln.

Immer digitaler wird es im Gefechtsstand. Bei der Übung Kalten Wettiner wird bereits mit der neuen Führungssoftware Sitaware gearbeitet.

Bundeswehr/Renzo Di Leo

Irgendwann müssen wir ja den Einstieg wählen, um uns über die einzelnen und immer komplexer werdenden Ausbildungabschnitte bis zur Zertifizierung hochzuarbeiten. Wir haben im nächsten Jahr die Herausforderung, Soldaten anderer Verbände in die Brigade einzubinden. Und ein klassischer GÜZ-Durchgang ist immer gut, auch gerade im Hinblick auf den Auftrag Landes- und Bündnisverteidigung. Das alles muss unter dem Dach der Brigade stattfinden, in einer gemeinsamen Lage, mit einer gemeinsamen Zielrichtung. Wir haben noch immer den einen oder anderen Soldaten, der überwiegend durch die Stabilisierungseinsätze im Ausland geprägt ist, wie in Afghanistan. Grundlagenarbeit ist immer wichtig. Dazu gehören aber auch Übungsanteile jenseits des GÜZ-Durchganges, die auf anderen Übungsplätzen stattfanden, wie in Klietz oder auch in Wildflecken, mit den Themen Dienstpostenausbildung, Spezialgrundausbildung oder ähnlichem. Wirklich wichtig war zudem, dass wir beim Kalten Wettiner im Brigadegefechtsstand verstärkt das Führungsinformationssystem Sitaware genutzt haben.