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Neues Flugzeug für die Fallschirmjäger: Erste Sprünge aus der Skytruck M28

Zweibrücken, 07.08.2017.
Kurze Start- und Landeintervalle, enorme Steigrate: Die polnische Skytruck M28 soll die Lücke zwischen der betagten Transall und dem für das Absetzen von Fallschirmjägern noch nicht zugelassenen Airbus A400M schließen. Der Leasing-Vertrag der Bundeswehr über zwei M28 läuft über vier Jahre.

Skytruck M28 auf dem Flugplatz

Die Kabine der M28 ist zwar eng und niedrig, dennoch überzeugen die Vorteile. (Quelle: Bundeswehr/Schindler)Größere Abbildung anzeigen

Das Fallschirmjägerregiment 26 hat vom 10. bis 14. Juli das taktische Gleitfallschirm-Springen und das Springen der besonderen Sportausbildung aus der M28 geübt.

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Ziviles Flugzeug, zivile Piloten

Spezialisierte Kräfte des Fallschirmjägerregiments sprangen aus dem kleinen zivilen Kurzstrecken-Transportflugzeug des polnischen Herstellers PZL Mielec. Geflogen wurde die Maschine von zivilen Piloten – und landete nach der Übung auf einem zivilen Flugplatz bei Zweibrücken.

Im Juni war mit der M28 der automatische Fallschirmsprungdienst auf dem Heeresflugplatz Altenstadt in Oberbayern trainiert worden.

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Freifaller und Automatenspringer

„Unser jetziger Brigadekommandeur verlangt den Automatiksprung mit der Rundkappe als Voraussetzung für den Gleitfallschirm-Sprung“, erläutert Stabsfeldwebel Achim Schütze auf dem Flugplatz bei Zweibrücken. „Das ist aber keine allgemeine Bedingung.“ Der 45-Jährige ist Fallschirm-Prüffeldwebel beim Fallschirmjägerregiment 26.

Die sogenannten Freifaller kommen zuerst zum Einsatz. Sie springen aus großer Höhe von bis zu 10.000 Metern, meistens in der Dämmerung oder nachts, um nicht aufgeklärt zu werden. Ihr Flächenschirm ist steuerbar und immer in einer Vorwärtsbewegung mit eigener Sinkrate. Sie haben den Auftrag, das Gelände in der Tiefe aufzuklären und für die Masse der Automatenspringer mit der Rundkappe vorzubereiten. Die springen im Anschluss als Einsatzverband“, beschreibt Schütze die Unterschiede zwischen den beiden Einsatzarten der Fallschirmjäger.

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Verschiedene Absetzverfahren

Die Freifaller springen nach verschiedenen Absetzverfahren: im Einzel-, Reihen- oder Truppsprung. Beim Einzelsprung erhält jeder Einzelne ein Kommando des Absetzers, dem Kommandogeber. Beim Reihensprung gibt der Absetzer nur dem ersten Springer das Kommando.

Die anderen springen in Reihe sofort hinterher. Die Freifaller springen entweder kopfüber mit dem Blick nach draußen oder rückwärts mit dem Blick ins Luftfahrzeug.

Fallschirmspringer landen bei Nacht auf eienr Wiese

Das Fallschirmjägerregiment 26 übte mehrere Tage das Springen aus der M28. (Quelle: Bundeswehr/Schindler)Größere Abbildung anzeigen

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Heckrampe und Ankerseil

„Wir absolvieren die verschiedenen Pflichtsprünge für unsere Lizenz, etwa Nachtsprünge mit Nachtsichtgeräten, mit und ohne Gepäck, aus verschiedenen Höhen, in den diversen Absetzverfahren“, erläutert Schütze.

„Bei der M28 ist der Hecksprung bei Turbulenzen zum Glück sicherer als der normalerweise seitliche Ausgang bei zivilen Maschinen“, führt Schütze aus. „Wir können dank Ankerseil in der M28 drei Varianten für das Auslösen des Schirms anwenden: manuelles, teilautomatisches und vollautomatisches Öffnen. Allerdings können wir keine taktischen Hochwertsprünge mit der M28 machen. Das Flugzeug ist zu klein. Wir können kaum Spezialausrüstung im Flugzeug anlegen“, bedauert er.

Die Kabine der M28 ist eng und niedrig. Zwei Absetzer und fünf bis sechs Springer mit Vollausrüstung passen halbwegs komfortabel hinein. Nur jeder zweite Klappsitz wird belegt. Die Soldaten können nur gebeugt darin stehen. Das strengt an, geht aufs Kreuz bei dem Gewicht, das sie tragen müssen. Ihre volle Ausrüstung wiegt an die 80 Kilogramm: auf dem Rücken der Fallschirm, seitlich die Waffe, auf der Brust das taktische Zusatzgepäck für den Hauptauftrag am Boden.

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„Der Flieger ist gut”

Doch die Vorteile überwiegen. So ist ein weiteres großes Plus der M28 ihre flexible Einsetzbarkeit. Sie kann auf praktisch jedem Untergrund landen und starten, sogar auf Gras und Steppe dank ihres robusten Fahrwerks und der Niedrigdruckreifen.

Hinzu kam bei der Transall zuletzt die Unsicherheit, ob sie überhaupt einsatzbereit war. Bei der M28 müssen die Soldaten nicht um ihre Sprunglizenz bangen. Mit ihrer hohen Fluggeschwindigkeit kann die M28 mehrmals am Tag die Fallschirmjäger schnell und zuverlässig für ihre diversen Pflichtsprünge von jedem Flugplatz in die Luft bringen.

Für vier Jahre hat die Bundeswehr zwei M28 geleast, mit kostengünstigeren Flugstunden als bei den Militärflugzeugen. „Der Flieger ist gut: Wir können springen“, lautet Schützes abschließende Gesamtbewertung.

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Technische Daten

Skytruck

Länge

13,1 Meter

Höhe

4,9 Meter

Kabinenbreite

1,74 Meter

Kabinenlänge

5,26 Meter

Spannweite

22,06 Meter

Besatzung

14 Fallschirmspringer oder 19 Soldaten, 2 Piloten

maximale Startmasse

7.500 Kilogramm

maximaler Tankinhalt

2.280 Kilogramm

Dienstgipfelhöhe

7.620 Meter (Absprunghöhe: 6.200 Meter)

Triebwerke

2 x Turboprop B&W-PT6A-65B mit je 820 kW (1115 PS) an Fünfblatt Propellern

Höchstgeschwindigkeit

355 km/h

Reichweite

1.500 Kilometer

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Stand vom: 30.11.17 | Autor: Gabriele Vietze


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