Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Aus der Truppe > Neue „Leos“ für das Heer

Neue „Leos“ für das Heer

München, 12.12.2014, Bundeswehr aktuell.

Der neue Leopard 2 A7 ist ein beeindruckender Koloss. Gut 2,60 Meter hoch, fast vier Meter breit und circa 64 Tonnen schwer. Kürzlich hat der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) den Kampfpanzer in München an die Bundeswehr übergeben.

Soldaten und zivile Personen stehen vor einem ausgeleuchteten Leopard 2 A7
Großer Bahnhof für den neuen Leopard-Panzer (Quelle: Bundeswehr/Neumann)Größere Abbildung anzeigen

Frank Haun, Geschäftsführer von KMW, begrüßte die rund 160 zivilen und militärischen Gäste. Darunter Harald Stein, Präsident des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAIN), sowie Generalleutnant Rainer Korff, der stellvertretend für den Inspekteur des Heeres den neuen Kampfpanzer entgegennahm. „Das Projekt ist als positives Beispiel für die Rüstungskooperation zu sehen“, betonte Korff und wendete sich damit an die Adresse der kanadischen Botschafterin Marie Gervais-Vidricaire, die unter den Gästen war.

Afghanistan-Erfahrungen berücksichtigt

Aus gutem Grund: Deutschland und Kanada pflegen eine intensive Rüstungskooperation. Deutschland habe von den kanadischen Erfahrungen mit dem Leopard 2 im Einsatz in Afghanistan profitiert. Angriffe durch Minen und hohe Temperaturen im Einsatzgebiet stellten neue Herausforderungen dar, die auch Anpassungen der Waffensysteme notwendig machten.

„Mit dem Leopard 2 A7 bekommt die Bundeswehr einen überlegenen Kampfpanzer mit moderner Technologie“, so Korff. Der 59-Jährige fügt hinzu: „Das ist ein guter Tag für das Deutsche Heer.“ Insgesamt liefert KMW 20 Leopard 2 A7 an die Bundeswehr. Damit ist Deutschland die einzige Armee weltweit, die über den neuen Kampfpanzer verfügt.

20 Leopard 2 A6M lieh die Bundeswehr im Jahr 2007 für den ISAF-Einsatz den kanadischen Streitkräften. Die von KMW modifizierte Version Leopard A6 M CAN bewährte sich im Einsatz. Das bewog die Kanadier, den Leopard auch weiterhin zu nutzen. Nach der Rückgabe 2011 erwarben sie überzählige niederländische Leopard-Kampfpanzer und rüsteten diese auf. Im Zuge dieser Umrüstung wurden weitere Änderungen eingebracht, wodurch der neue A7 für die Bundeswehr entstand.

Zehn neue „Leoparden“ dieses Typs wurden bereits an das Panzerbataillon 203 nach Augustdorf geliefert, mit vier weiteren kann das Bataillon in den nächsten Wochen rechnen. Darüber hinaus werden vier Kampfpanzer an das Ausbildungszentrum Munster gehen, ein weiterer an die technische Schule nach Aachen. Einer bleibt als Referenzfahrzeug bei KMW.

Neuerungen in Sachen Führung, Kühlung und Munition

Wie bereits sein Vorgänger, zeichnet sich der neue Kampfpanzer durch besondere Schnelligkeit und Feuerkraft aus. Neu ist allerdings das integrierte Führungs- und Informationssystem (IFIS). Auf einem Tablet liefert das netzwerkbasierte System Echtzeitinformationen über die Lage der eigenen sowie der gegnerischen Kräfte. Informationen sind so einfacher auszutauschen und zu bearbeiten, zudem können sie schneller aktualisiert werden. Damit wird das Lagebild genauer. Die zu treffende Entscheidung beruht auf einer besseren Grundlage.

Weiterhin verfügt der A7 über eine Energieversorgungs- und Kampfraumkühlanlage mit Thermoschutznetz (EKKA). Sie beinhaltet eine externe Energieversorgung, einen Verbrennungsmotor mit Generator, welcher den Kampfpanzer ohne Einschalten des Haupttriebwerks mit Strom versorgt. Der Kampfpanzer ist dadurch erheblich leiser und kann schlechter aufgeklärt werden. Gleichzeitig werden die Batterien geschont und der Kraftstoffverbrauch verringert. Dadurch verfügt der A7 über eine höhere Durchhaltefähigkeit als sein Vorgänger, da er später betankt werden muss.

Die Kampfraumkühlanlage sorgt dafür, dass die Besatzung im wahrsten Sinne einen „kühlen Kopf“ bewahrt. In Wüstenregionen kann die Temperatur im Innenraum des Panzers leicht auf 70 Grad steigen. Die neue Kühlanlage wirkt dem Temperaturanstieg entgegen und kühlt Besatzung, Munition und Elektronik. Dadurch wird auch hier eine höhere Kampfkraft und Durchhaltefähigkeit erreicht.

Eine weitere Neuerung ist die einstellbare High Explosive (HE) Munition. Sie kann bis zu 5.000 Meter weit in den Modi „Aufschlag ohne Verzögerung“, „Aufschlag mit Verzögerung“ und „Luftsprengpunkt“ verschossen werden. Besonders wirksam ist sie gegen Bunker und befestigte Stellungen.

Nachdem der Rüstungskonzern Rheinmetall die Produktion der bisherigen Munition eingestellt hat, war die Weiterentwicklung des Leopard 2 A6 notwendig geworden, um neben der KE-Munition (Kinetische Energie) als Wuchtgeschoss gegen feindliche Panzer über eine wirksame Sekundärmunition zu verfügen. Einer der Hauptbedrohungen im Einsatz sind Angriffe durch Minen. Deshalb hat der A7 im Vergleich zum A6M einen erhöhten Minenschutz.

Die Bundeswehr verfügt über 225 Kampfpanzer. Derzeit laufen bereits die Planungen für die nächste Weiterentwicklung des Leopards 2, die eine erhebliche Kampfwertsteigerung darstellen soll. Dabei wird der Kampfpanzer die ursprüngliche Agilität des Leopards behalten. Des Weiteren sollen die Sichtsysteme verbessert werden.


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 15.12.17 | Autor: Alessa Weber/Patricia Franke


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.aktuelles.aus_der_truppe&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB170000000001%7C9RPCCV488DIBR