Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Aus der Truppe > Ausbildung Ungedienter

Ausbildung Ungedienter: Bundeswehr und Reservistenverband starten Pilotprojekt

Berlin, 11.04.2018, PIZ Streitkräftebasis.

Qualifizierte und motivierte Reservisten sind für die Bundeswehr unverzichtbar. Besonders in den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien der Streitkräftebasis gibt es einen hohen Bedarf an Mannschaftssoldaten.

Mehrere Soldaten haben bei einer Besprechung einen Halbkreis gebildet
Theorie und Praxis ergänzen sich in der Ausbildung (Symbolbild) (Quelle: Bundeswehr/Jane Hannemann)Größere Abbildung anzeigen

Erstmals startet der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. am 12. April ein Pilotprojekt zur Ausbildung Ungedienter in enger Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Ziel dieser Kooperation soll es sein, die aktive Truppe wirksam zu unterstützen und so im Rahmen der Ausbildung von Reservisten zu entlasten.

Die Aufgaben und Einsatzgebiete der Bundeswehr sind im Zuge sicherheitspolitischer Veränderungen stetig gewachsen, sodass der personelle Aufwuchs der Streitkräfte von essentieller Bedeutung ist. Neben dem Gewinn von qualifiziertem Personal für den aktiven Soldatendienst, gilt es zudem auch, Interessierte für den Reservistendienst zu gewinnen. Hauptsächlich erfolgt die personelle Regeneration der Reserve durch ausscheidende Soldaten. Daneben besteht die Möglichkeit die Reserve durch Ungediente zu ergänzen.

Dabei handelt es sich um Bewerber, welche keine Vordienstzeit als Zeitsoldat, Wehrpflichtiger oder Freiwillig Wehrdienstleistender (FWDL) haben. Die Bundeswehr stellt sich mit dem Angebot einer modularen Basisausbildung außerhalb eines Wehrdienstverhältnisses bestmöglich auf die Bedürfnisse der Bewerber ein. Eine zeitlich flexible Ausbildung zum Reservisten neben dem Beruf oder dem Studium – diesen Forderungen der angehenden Reservisten sowie der Arbeitgeber muss die Bundeswehr gerecht werden.

Pilotprojekt zur Entlastung der Truppe

Grundsätzlich müssen Ungediente zunächst die Allgemeine streitkräftegemeinsame soldatische Ausbildung für Reservisten außerhalb des Wehrdienstverhältnisses (ASSA) absolvieren, bevor weiterführende Ausbildungen in den unterschiedlichen Laufbahnen der Reserve erfolgen können. Dies erfolgt grundsätzlich durch die Organisationsbereiche bzw. in Verantwortung der Landeskommandos. Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw) hat der Bundeswehr angeboten, ergänzend zu der bereits bestehenden Ausbildung in der Bundeswehr die Erstausbildung von Ungedienten als Abholpunkt für weiterführende Ausbildungen und eine Beorderung in die Mannschaftslaufbahn der Reserve zu übernehmen. Ziel des nun anlaufenden Pilotprojektes ist es, herauszufinden, ob der VdRBw die Streitkräfte diesbezüglich wirkungsvoll unterstützen und entlasten kann.
 

Drei Soldaten blicken auf eine auf dem Boden liegende Karte
Natürlich gehört auch der Dienst im Gelände zur Ausbildung Ungedienter (Symbolbild). (Quelle: Bundeswehr/Thonig)Größere Abbildung anzeigen

Nach einer im Oktober 2017 durchgeführten Informationsveranstaltung für interessierte Bewerber startet die Ausbildung des VdRBw für 19 Ungediente am 12. April in Berlin. In enger Zusammenarbeit mit dem Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr erfolgt die Ausbildung durch die Landesgruppe Berlin des VdRBw. Die Ausbildung erstreckt sich über zwölf Wochenendveranstaltungen und soll nach derzeitiger Planung im Februar 2019 abgeschlossen sein.

Die einzelnen Ausbildungsmodule dieses Pilotprojektes werden flexibel durchgeführt. Ausbildungsabschnitte, die nicht das staatliche Gewaltmonopol betreffen, können als Verbandsveranstaltungen des VdRBw durchgeführt werden, ohne die Teilnehmer hinzuziehen zu müssen. Für die anderen Ausbildungsabschnitte, wie zum Beispiel Schießausbildung oder Gefechtsdienst müssen sich sowohl Ausbilder als auch Auszubildende im Soldatenstatus befinden.

Diese werden im Rahmen von Dienstlichen Veranstaltungen (DVag) gem. Paragraf 81 des Soldatengesetzes durchgeführt. Das Pilotprojekt findet einmalig unter dauerhafter Begleitung der Bundeswehr statt. Im Anschluss werden die gemachten Erfahrungen durch die Bundeswehr und den VdRBw ausgewertet.

Ausbildung Ungedienter durch die Organisationsbereiche

Die Streitkräftebasis bietet schon seit längerem eine Ausbildung für Mannschaften der Reserve außerhalb des Wehrdienstverhältnisses an – mit dem Ziel einer Beorderung in den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien. In Verantwortung des Inspekteurs der Streitkräftebasis haben bereits die Landeskommandos Bayern und Baden-Württemberg die Ausbildung Ungedienter durchgeführt. Die dort angebotene Ausbildung gliedert sich in vier Module, die jeweils aus einer Präsenz- und einer Fernstudiumphase bestehen. Die Präsenzzeiten erstrecken sich auf drei Wochenenden und finden ihren Abschluss in einem einwöchigen Truppenübungsplatzaufenthalt.

Zwischen diesen Wochenenden vertiefen die Ungedienten ihr militärisches Wissen mit bereitgestellten Lernmaterialen im Selbststudium. Der Regionalstab Süd in Bayern führt diese Ausbildung in Zusammenarbeit mit den beorderten Reservisten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien Schwaben und Oberbayern als Ausbilder durch. Anders als bei dem Pilotprojekt des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V., erfolgen alle Ausbildungsabschnitte im Soldatenstatus. Während das Ausbildungsprojekt in Bayern im Jahr 2018 bereits in die zweite Runde geht, konnte in Baden-Württemberg das erste Modul des ersten Ausbildungsdurchgangs erfolgreich abgeschlossen werden.

Sowohl die Ausbildungsinhalte des Pilotprojektes des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. als auch die Ausbildung Ungedienter durch die Landeskommandos Bayern und Baden-Württemberg entsprechen denselben von der Bundeswehr festgelegten Standards. Neben der Vermittlung von theoretischem Wissen über Innere Führung stehen auch zahlreiche praktische Ausbildungsinhalte wie die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit, militärische Sicherheit und Wachdienst, das Schießen mit Handwaffen, Gefechts- und Sanitätsdienst und Formaldienst auf dem Lehrplan.

Soldaten liegen im Halbkreis auf dem Boden während ihr Ausbilder ihnen die Lage erklärt.
Die ausgebildeten Soldaten sollen vor allem in den RSU-Kräften dienen (Symbolbild). (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Für die Zukunft der Reserve

Da die Ausbildung Ungedienter in erster Linie dem Aufwuchs von Mannschaftssoldaten in der Territorialen Reserve dienen soll, ist eine vorrangige Verwendung in den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien der Streitkräftebasis vorgesehen. Das Landeskommando Bayern konnte bereits 20 Absolventen ihrer Ausbildung auf freie Dienstposten in den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien beordern.

Wie viele Reservisten benötigt werden, orientiert sich an den aktuellen Aufgaben der Bundeswehr und dem daraus abgeleiteten Bedarf der Streitkräfte. Derzeit sind 28.000 Reservisten auf Dienstposten beordert. Der maximale Ergänzungsumfang der Bundeswehr liegt aktuell bei circa 62.000 Beorderungsdienstposten.

Langfristig kann die Ausbildung Ungedienter durch den Reservistenverband die aktive Truppe in der Erstausbildung entlasten. Die zeitlich flexible, modulare Ausbildung passt sich den individuellen Lebensumständen der Bewerber an, sodass im Anschluss an die Ausbildung eine langfristige Bindung an die Streitkräfte erzielt werden kann. Nach dem Abschluss und der gemeinsamen Auswertung der Ausbildung durch die Bundeswehr und den VdRBw wird zu entscheiden sein, ob dieses Beispiel der vertieften Kooperation Schule machen wird.


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 14.09.18 | Autor: Josephin Kaminski


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.aktuelles.aus_der_truppe&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB170000000001%7CAXQEE8366DIBR