Gedenkstätte erweitert

Ehrenhain aus Masar-i Scharif in Deutschland wieder errichtet

Ehrenhain aus Masar-i Scharif in Deutschland wieder errichtet

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

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109 Namensplaketten erinnern an Menschen aus elf Nationen, die im Afghanistaneinsatz ihr Leben gelassen haben. Ihre Angehörigen, Kameradinnen und Kameraden haben im Wald der Erinnerung einen Ort des Gedenkens. Am 11. November wurde nun der Ehrenhain von Masar-i Scharif feierlich in Schwielowsee eingeweiht.

Ministerin Lambrecht spricht am Rednerpult vor einem Gedenkstein mit einer verhüllten Tafel.

"Das Gedenken an die Gefallenen und Verstorbenen der Bundeswehr ist eine gesellschaftliche Aufgabe", so Verteidigungsministeriun Lambrecht anlässlich der feierlichen Einweihung des Ehrenhains aus Masar-i Scharif

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Es ist still am Wald der Erinnerung. Dann beginnt mit dem Musikstück „Halleluja“ von Leonhard Cohen, gespielt vom Blechbläserquintett des Stabsmusikkorps der Bundeswehr, die feierliche Einweihung des Ehrenhains aus dem Camp Marmal bei Masar-i Scharif.

Mit ihm ist der fünfte und letzte Ehrenhain aus Afghanistan zurückgekehrt nach Deutschland. Er schafft neben den Ehrenhainen aus Kabul, Kundus, Faisabad und vom OP-North einen weiteren Ort des Gedenkens für die Hinterbliebenen sowie Veteranen, Veteraninnen und aktive Angehörigen der Bundeswehr. Feierlich eingeweiht wird er von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, Generalleutnant Markus Laubenthal, dem Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, sowie Generalleutnant Bernd Schütt, dem Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr.

„Der emotionalste Ort der Bundeswehr“

Das ist die Gedenkstätte auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr für die Verteidigungsministerin. In ihrer Rede betont sie: „Das Gedenken an die Gefallenen und Verstorbenen der Bundeswehr ist eine gesellschaftliche Aufgabe, eine Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.“ Für die Truppe sei es wichtig, zu wissen: „Die Verstorbenen und Gefallen und ihre Hinterbliebenen werden niemals vergessen.“

Der Wald der Erinnerung im Einsatzführungskommando sei ein einmaliger Ort in der Bundeswehr. Er verdeutliche allen Bundestagsabgeordneten die Konsequenzen ihrer Entscheidungen, sei es bei den Mandaten für Einsätze oder bei der finanziellen Ausstattung der Bundeswehr. „Am Ehrenhain endet heute symbolisch die Rückverlegung aus Afghanistan. Was nicht endet, ist die Aufarbeitung des Einsatzes“, verspricht Lambrecht. Man müsse die richtigen militärischen und politischen Lehren aus dem Einsatz ziehen, das schulde man den in Afghanistan Verstorbenen.

Zuvor war die Ministerin durch ein Spalier von 109 Namensbandträgern geschritten. Jeder stand stellvertretend für einen Toten. Gemeinsam mit Generalleutnant Laubenthal enthüllt Lambrecht die Tafel am Gedenkstein aus Masar-i Scharif. Darauf steht „Zum Gedenken an unsere toten Kameraden – in Deine Hände befehle ich meinen Geist“. Ergänzt wird die deutsche Inschrift für die internationalen Truppen um die englische Formulierung „Lest we forget“, zu Deutsch „damit wir nicht vergessen“.

Eine Frau spricht am Rednerpult vor einem Gedenkstein mit einer verhüllten Gedenktafel.
Tanja Menz, ihr Sohn Konstantin fiel 2011 in Afghanistan Bundeswehr/Marc Tessensohn
„Für mich ist hier der Ort, an dem die Soldaten, die gemeinsam im Einsatz waren, dort gemeinsam gestorben sind, hier auch wieder vereint sind. Hier sind sie wieder zusammen und nicht mehr allein.“

Kameradschaft über den Tod hinaus

„Im Ehrenhain aus Masar-i Scharif wird aller im Afghanistaneinsatz Gefallenen und Verstorbenen gedacht. Deshalb hat er für die Hinterbliebenen, für Veteranen und Veteraninnen und die aktive Truppe eine besondere Bedeutung. Für Hinterbliebene ist er zudem ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und Verbundenheit“, erklärt die Hinterbliebenenbeauftragte des Verteidigungsministeriums, Gabriele König.

Stellvertretend für die Hinterbliebenen sagt Tanja Menz, die Mutter des 2011 am OP-North gefallenen Stabsgefreiten Konstantin Menz, in ihrer Rede: „Für mich ist hier der Ort, an dem die Soldaten, die gemeinsam im Einsatz waren, dort gemeinsam gestorben sind, hier auch wieder vereint sind. Hier sind sie wieder zusammen und nicht mehr allein.“

2007 wurde der Ehrenhain durch deutsche Kontingentangehörige in Afghanistan errichtet. Am 27. Mai 2021 überführten Kräfte des Logistikbataillons 172 mit dem 27 Tonnen schweren Gedenkstein das Herzstück des Haines nach Deutschland.

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Umfangreiche Gedenktradition

Für die Bundeswehr, aber auch für die Politik und die Zivilgesellschaft, ist das Gedenken der im Dienst ums Leben gekommenen Bundeswehrangehörigen von großer Bedeutung. Das spiegelt sich auch wider in der Liste der Gäste, die den Weg nach Schwielowsee gefunden haben. Botschafter und Vertreter befreundeter Nationen sind dabei, der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke, die Wehrbeauftragte Eva Högl, der Präsident des Verbands der Reservistenverbandes, Patrick Sensburg.

Der Wald der Erinnerung für die im Auslandseinsatz Gefallenen und Verstorbenen ergänzt die zentrale Gedenkstätte am Bendlerblock, das Ehrenmal der Bundeswehr. Schon 68.000 Besucher, darunter Hinterbliebene ebenso wie Veteranengruppen und militärische Einheiten, haben den Wald der Erinnerung besucht. Die Ehrenhaine aus den Auslandseinsätzen der Bundeswehr werden dort im verkleinerten Maßstab, aber mit hohem Wiedererkennungswert wieder aufgebaut.

Zugang haben alle Hinterbliebenen und Angehörigen, sowie Bundeswehrangehörige und die interessierte Öffentlichkeit. Wer die Gedenkstätte Wald der Erinnerung besuchen möchte, wendet sich bitte an +49 (0)33 27-50- 3874 oder per Mail an WaldderErinnerung@bundeswehr.org  

Der Zugang ist nach Anmeldung täglich von 10 bis 16 Uhr möglich. Ohne Anmeldung oder schriftliche Bestätigung ist aufgrund von Corona-Auflagen zurzeit ein Besuch nur bedingt möglich.

von Barbara Gantenbein

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