Bündnisverteidigung

Fast Griffin – Jäger der Bundeswehr aus Torgelow trainieren für den Schutz Litauens

Fast Griffin – Jäger der Bundeswehr aus Torgelow trainieren für den Schutz Litauens

Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Es ist ein kalter Morgen auf dem Übungsplatz nahe Rukla in Litauen. Die Morgensonne taucht die herbstlich gefärbten Bäume in ein sanftes Licht. Vier Geländewagen der litauischen Husaren wühlen sich entlang einer Baumreihe durch den sandigen Boden. Plötzlich zerreißen Maschinengewehrsalven die Stille. Die Aufklärer haben den Feind gefunden.

Deutsche Soldaten stehen in Schützenlöchern mit ihren Gewehren in Stellung und zielen

Feuer frei: Auf dem litauischen Übungsplatz nahe Rukla haben die Jäger aus Torgelow ideale Übungsbedingungen

Bundeswehr/PAO eFP


„Wir üben hier zum ersten Mal gemeinsam mit den litauischen Kameraden“, erklärt Oberstleutnant René Ochs, während vor ihm deutsche Radpanzer Boxer und Waffenträger Wiesel zur Unterstützung der Litauer in Stellung gehen. Der 48-Jährige ist Kommandeur des Jägerbataillons 413 aus Torgelow.

Anfang Oktober hat er sich mit gut 220 Soldatinnen und Soldaten sowie rund 50 Fahrzeugen auf den Weg nach Litauen gemacht. Sein Jägerbataillon gehört zur Panzergrenadierbrigade 41, die als enhanced Vigilance Activity Brigade Litauen (eVAenhanced Vigilance Activities Brig LTU) die Verteidigung des baltischen Landes und NATO-Partners unterstützen soll. 

Vorgeschobener Gefechtsstand in Rukla

Dafür hat die Brigade Anfang September ihren vorgeschobenen Gefechtsstand nach Rukla verlegt. Die rund 35 Soldatinnen und Soldaten von diesem Forward Command Element (FCE) organisieren und koordinieren gemeinsame Ausbildungs- und Übungsvorhaben mit den litauischen Kameradinnen und Kameraden – wie die aktuelle Übung Fast Griffin.

„Wir leisten hier Pionierarbeit“, sagt Brigadegeneral Christian Nawrat. Er ist Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41 und damit auch der erste Kommandeur der enhanced Vigilance Activity Brigade Litauen. Dauerhaft in Litauen stationiert ist nur das FCE. Der Rest der Brigade bleibt in Deutschland in Bereitschaft. 

Ein Soldat im Porträt
René Ochs, Oberstleutnant Bundeswehr/PAO eFP
"Das Verlegen mit einer Fähre ist für uns einmalig. Das hat es seit Bestehen meines Verbandes nicht gegeben."

Verschiedene Wege nach Litauen 

Die Einheiten der Brigade würden in Zukunft regelmäßig zum Üben nach Litauen verlegen, so Nawrat. Die Übung Fast Griffin sei der erste Aufschlag hierzu. Man habe bewusst verschiedene Wege gewählt, um die Soldatinnen und Soldaten mit ihren Fahrzeugen nach Litauen zu bringen.

„Eisenbahn- und Landtransport kennen wir aus Deutschland“, sagt Ochs. Die gut 50 Fahrzeuge der verstärkten Kompanie für Fast Griffin rollten deshalb auf eigenen Rädern bis Kiel. Dort ging es aufs Schiff nach Klaipeda. „Das Verlegen mit einer Fähre ist für uns einmalig. Das hat es seit Bestehen meines Verbandes nicht gegeben.“ Zudem flogen Soldatinnen und Soldaten des Jägerbataillons mit einem Transportflugzeug der Luftwaffe nach Litauen. 

Gepanzerte Fahrzeuge fahren auf einem Truppenübungsplatz. Staub liegt in der Luft.

Gemeinsam stärker: Die deutschen Jäger üben gemeinsam mit litauischen Husaren. Die übernehmen mit ihren Geländewagen die Aufklärung.

Bundeswehr/Marc Tessensohn
Deutsche Soldaten beim Absitzen aus einem GTK Boxer

Mächtiges Gefährt: Die Soldatinnen und Soldaten des Jägerbataillons 413 sind mit ihren Transportpanzern Boxer schnell und gut geschützt

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden 

„Wir als Brigade lernen gerade sehr viel darüber, was strategisches Verlegen bedeutet“, bestätigt auch Nawrat. Aus knapp 5.500 Soldatinnen und Soldaten besteht seine Panzergrenadierbrigade 41. Dazu kommen noch rund 150 Schützen- und Transportpanzer und mehr als 1.000 LkwLastkraftwagen. Damit diese in Zukunft innerhalb von zehn Tagen auf dem Weg nach Litauen sein können, wie Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in Rukla zusagte, sei noch viel Vorarbeit nötig.

„Die Litauer machen gerade sehr viel, um ihre militärische Infrastruktur zu erweitern“, erklärt Nawrat. Ohne eine Vorstationierung von Teilen der Ausrüstung werde es auch nicht gehen, ist sich der Kommandeur sicher. Er ist bereits zum fünften Mal in Rukla: „Das ist ein ständiges Rein und Raus.“ 

Nächste Übung ist bereits in Planung

Auf dem litauischen Übungsplatz bei Rukla greift die verstärkte Jägerkompanie den Feind  inzwischen über beide Flanken an. Schüsse aus Maschinenkanonen und schweren Maschinengewehren hämmern, die abgesessenen Infanteristen gehen im Wald vor. „Hier üben wir unser Kerngeschäft, aber der Schwerpunkt ist für uns das Verlegen“, fasst Ochs zusammen.

Er ist zufrieden mit den Möglichkeiten vor Ort. Seine Soldatinnen und Soldaten werden nicht das letzte Mal in Litauen gewesen sein. Die nächste Übung der eVAenhanced Vigilance Activities Brigade Litauen ist bereits in Planung. 

von Björn Lenz

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