Invictus Games

Medientraining für Athleten und ein Appell an Journalisten

Medientraining für Athleten und ein Appell an Journalisten

  • Sport
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Warendorf
Lesedauer:
3 MIN

Die mediale Aufmerksamkeit rund um die Invictus Games 2022 steigt. In Den Haag wird sie ihren Höhepunkt erreichen. Es ist eine Herausforderung und häufig auch Belastung für Athletinnen und Athleten. Um sie besser darauf vorzubereiten, gibt es im Vorfeld der Spiele ein Medientraining. Der Dozent richtet auch einen Appell an die Journalistinnen und Journalisten.

Ein Athlet der Bundeswehr wird von einem Medienteam befragt

Wie ein Überfall: So fühlt es sich schnell für die Athleten an, wenn ein Medienteam direkt nach dem Wettkampf vor ihnen steht. Deswegen wird das Szenario unter Leitung von Fregattenkapitän Alexander Gottschalk im Trainingslager geübt.

Bundeswehr/Tom Twardy

Eine Minute Rudern mit voller Kraft. Die Schweißperlen laufen über das Gesicht, das Atmen der Athleten wird schneller und lauter. Die Minute ist um, die Muskeln zucken noch, der Athlet kommt gerade ein paar Sekunden zur Ruhe und schon steht ein Reporter neben ihm. Ein Kameramann fängt die Bilder ein, während der Sportler schon das Mikro vor dem Gesicht hat.

So könnte die Situation nach einem Wettkampf aussehen – auch bei den Invictus Games. Eine ungewohnte und vor allem auch belastende Situation für die Athletinnen und Athleten. Insbesondere für diejenigen mit einer psychischen Erkrankung.

Es geht um Menschen, nicht um Siege

Damit Athletinnen und Athleten einen Eindruck von dem bekommen, was sie bei den Spielen in Den Haag erwarten könnte, gab es ein Medientraining im letzten Trainingslager vor den Spielen. Dafür reiste Fregattenkapitän Alexander Gottschalk in Warendorf an. Der Stabsoffizier ist im Zentrum für Informationsarbeit der Bundeswehr in Strausberg leitender Dozent für die pressefachliche Ausbildung für Soldatinnen, Soldaten und Zivilbeschäftigte in der Bundeswehr. In Sachen Medientraining coachte er auch schon die Spitzensportler der Bundeswehr. Unter anderem auch einige derer, die bei den jüngsten Olympischen Winterspielen in Peking antraten.

Doch bei der Arbeit mit den Invictus-Games-Sportlern sind ganz andere Maßstäbe gesetzt. Denn bei diesen Spielen geht es nicht nur um Siege und Medaillen, sondern vor allem um eine Etappe auf dem Weg der Genesung. „Es geht nicht darum, dass sie die Marke Bundeswehr in der Öffentlichkeit vertreten oder Botschaften übermitteln, sondern es geht um sie als Menschen“, sagt Gottschalk und erklärt: „Wir möchten ihnen Mut machen, dass sie über ihre Schicksale sprechen.“ Im Fokus stehe also nicht das Sensibilisieren für Aussagen gegenüber den Medien, sondern darum, ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Und dafür bedürfe es viel Feingefühl. „Man muss erst einmal das Vertrauen der Sportler gewinnen und nicht mit der Tür ins Haus fallen“, betont Gottschalk.

Beim Medientraining in Warendorf hat er deswegen Einzelgespräche mit Athletinnen und Athleten geführt, bevor es zum journalistischen Gespräch vor laufender Kamera überging. Wichtig dabei: Die Sportler konnten sich freiwillig melden. Es gibt auch für das Großereignis in Den Haag keine Verpflichtungen für die Teilnehmer, mit den Medien zu sprechen. 

„Mit Druck funktioniert es nicht“

Knapp die Hälfte des Teams Germany habe das Medientraining angenommen. Jeder habe seine Geschichte sehr emotional und greifbar erzählt. „Ich war sehr beeindruckt davon“, so Gottschalk. Er sieht die mediale Aufmerksamkeit auch als Chance für die an Körper und Seele versehrten Frauen und Männer. „Sie können anderen Mut machen und eine Motivation sein.“ 

An Journalistinnen und Journalisten, die mit traumatisierten Menschen zu tun haben, appelliert er: „Einzelgespräche zu führen, ist wichtig. Erst einmal muss das Eis gebrochen werden. Es kann keinen festen Fragenkatalog geben, man muss sich auf Augenhöhe begegnen und das Gespräch einfach laufen lassen. Mit Druck funktioniert es nicht.“

von Amina Vieth