Pöbeln, prügeln, plündern – Österreichische Jäger stemmen sich gegen den Mob

Pöbeln, prügeln, plündern – Österreichische Jäger stemmen sich gegen den Mob

  • Einsatzvorbereitung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Allentsteig
Lesedauer:
2 MIN

Friedenssichernde Missionen laufen nicht immer friedlich ab. Zum Fähigkeitsprofil der Truppe für Stabilisierungseinsätze zählt deshalb auch die Kontrolle über aggressive Menschenansammlungen. Bei der deutsch-österreichischen Evaluierungsübung im Waldviertel müssen österreichische Jäger zeigen, dass sie dem Mob entschlossen entgegentreten können.

Österreichische Solaten mit Schutzausrüstung vor feindlichem Mob

Österreichische Jäger in ungewohnter Situation: Mit Schutzausstattung und Schlagstöcken müssen sie sich einem feindlich gesinnten Mob entgegenstellen und Nerven bewahren. Solche heiklen Momente hat es schon bei vielen Einsätzen gegeben.

Bundeswehr/Jana Neumann

Bei der deutsch-österreichischen Evaluierungsübung in Österreich werden die Soldatinnen und Soldaten des Jägerbataillons 25 des Bundesheeres mit verschiedenen Lagen konfrontiert. Diese Szenarien orientieren sich unter anderem an den Einsatzerfahrungen der vergangenen 25 Jahre im ehemaligen Jugoslawien. Die dort stationierten Einheiten wurden in der Vergangenheit immer wieder mit aufgebrachten Menschenmengen konfrontiert. Ob eine Demonstration aus dem Ruder läuft oder verfeindete ethnische Gruppen voneinander zu trennen sind – alle eingesetzten NATO-Verbände müssen in der Lage sein, auch komplexe Situationen ohne tödliche Gewalt zu lösen.

CRC – Jederzeit Kontrolle über aggressive Mobs behalten

Crowd and Riot Control (CRC) lautet der Fachbegriff dafür im NATO-Jargon. Es geht also darum, die Kontrolle über aggressive Menschenansammlungen zu behalten. Auch die österreichischen Jäger müssen in der Vorbereitung auf ihren KFORKosovo Force-Einsatze nachweisen, dass sie die zugrundeliegenden Standard Operation Procedures (SOPStandard Operating Procedures) der NATO beherrschen. Das umfasst zunächst den richtigen Umgang mit der erforderlichen Ausrüstung wie Körperprotektoren, Schutzhelmen und -schilden sowie Schlagstöcken. Außerdem wird der Einsatz von Tränengas, die Zusammenarbeit mit den Soldatinnen und Soldaten der Psychologischen Kriegsführung (PsyOps) und das Stellen von Postenketten geübt.

Die aufgepeitschte Menschenmenge besteht aus Kameraden anderer Bataillone. Während der Übung heizt sich die Lage – planmäßig – immer weiter auf. Auf Beschimpfungen und Pöbeleien aus dem Mob folgen Wurfgeschosse und irgendwann blanke Gewalt durch die Demonstranten. Die Herausforderung für die Soldatinnen und Soldaten besteht darin, sich möglichst nicht provozieren zu lassen, gleichzeitig aber adäquat zu reagieren und keine Schwäche zu zeigen. Speziell ausgebildete Militärpolizisten werden in die Lage versetzt, Rädelsführer unter den Demonstrierenden aus der Menge zu greifen. Sinkt das Aggressionspotenzial der Menge wieder, müssen die militärischen Führer auch in ihren Reihen wieder deeskalieren.

Soldat mit Diensthund an der kurzen Leine

Speziell ausgebildete Diensthunde sind ein wichtiges Asset bei CRC. Der K-9-Zug des Fallschirmjägerregiments 26 war bei der Übung dabei. Auch wenn die Hunde nicht direkt eingreifen, ihre Präsenz allein hat bereits abschreckende Wirkung.

Bundeswehr/Jana Neumann

Internationale Teams beobachten und bewerten Leistungen

Internationale Evaluatoren aus verschiedenen Ländern beobachten die Österreicher während der Übung. Später werden die Leistungen anhand eines Punktesystems eingeschätzt. Die Ergebnisse fließen in die Bewertung des Jägerbataillons 25 ein und entscheiden mit darüber, ob die Einheit unterm Strich als „combat ready“ zertifiziert werden kann.

von Markus Tiedke

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