Trotz Corona: Ausbildung für die Einsätze geht weiter

Trotz Corona: Ausbildung für die Einsätze geht weiter

  • Ausbildung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Wildflecken
Lesedauer:
3 MIN

Die Einsätze der Bundeswehr gehen trotz der Corona-Pandemie weiter. Das Training findet im VNVereinte Nationen-Ausbildungszentrum in Wildflecken deshalb unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen statt.

Ein Soldat mit Zeigestab in der Hand steht neben einer großen Übungsskizze, zwei Soldaten (von hinten gesehen) hören ihm zu

Die immer wieder wechselnden Führer können sich bei ihrer Befehlsgebung auf umfangreiches Material zur visuellen Verdeutlichung des beabsichtigten taktischen Einsatzes ihrer Kräfte abstützen.

Bundeswehr/Detlef Schachel

Die Patrouille nähert sich entlang des Weges und kommt langsam zum Stehen. Frau Hauptmann Diana G.* und Oberfeldwebel Karsten J.* klettern aus einem der geschützten Fahrzeuge. Kurzer Blick ins Gelände: „Ich beginne links, Sie rechts“, sagt die Soldatin. Faustcheck. Dann beginnen beide, den Boden um das Fahrzeug nach Sprengfallen abzusuchen. Die anderen Besatzungen machen es ebenfalls. Zwei suchen, der Rest beobachtet. So entsteht um die Patrouille ein sicherer Raum, aus dem die Soldaten operieren können.

Lehrgang mit Social Distancing

Das Training auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken ist Teil der zweiwöchigen einsatzlandunspezifischen Ausbildung, kurz ELUSAeinsatzlandunspezifische Ausbildung. Die meisten Lehrgänge in der Bundeswehr wurden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. ELUSAeinsatzlandunspezifische Ausbildung nicht. Bevor es in den Auslandseinsatz geht, müssen alle Soldatinnen und Soldaten den Lehrgang absolvieren. „Wir sind uns der besonderen Verantwortung dieses Lehrgangs in Zeiten der Corona-Pandemie bewusst. Trotzdem wollen und müssen wir die Lehrgangsteilnehmer bestmöglich auf ihren Auslandseinsatz vorbereiten“, sagt Inspektionschef, Oberstleutnant Daniel Klein.

Einzelstuben, zusätzliche Bestuhlung in den Unterrichtsräumen oder Einzeltische im Speisesaal: Social Distancing, also voneinander körperlichen Abstand einzuhalten, ist Pflicht, um den Lehrgang überhaupt stattfinden zu lassen. Auch beim Antreten und Marschieren sind die Abstände größer. In den Fahrzeugen, wo ein engeres Zusammentreffen unvermeidlich ist, werden Gesichtsmasken oder die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutzmaske getragen. „Um die Sicherheit zu erhöhen, bilden wir bei diesem Lehrgang statt der üblichen zwei nur einen Hörsaal gleichzeitig aus“, sagt Klein.

Mehrere Soldaten mit Dreieckstuch vor Mund und Nase stehen im Gelände

Trainiert wird auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken – unter erhöhten Schutzmaßnahmen.

Bundeswehr/Detlef Schachel

Beschuss und Anschläge

Auch ohne Corona ist der Lehrgang für die Ausbilder in Wildflecken eine Herausforderung. Die Männer und Frauen kommen aus den unterschiedlichsten Teilen der Bundeswehr: Die Spanne reicht vom zwanzigjährigen Mannschaftssoldaten bis zum Stabsoffizier. Innerhalb kürzester Zeit muss die gemischte Gruppe zusammengeführt werden, damit sie als Team die Aufträge erfüllen kann. Das Spektrum der Trainingsinhalte ist vielfältig: Sicherung eines Feldlagers, Patrouille unter Beschuss oder das Betreiben eines Kontrollpunktes. Dazu werden Beschuss oder Anschläge mit anschließender Erste-Hilfe immer wieder in das Training eingebaut.

Der Erfolg der Ausbildung beruht auf einer bewährten Methodik: Theorieunterricht, Erklärung am Modell, praktische Ausbildung. Jede Ausbildungseinheit folgt diesem Schema. Die Lehrgangsteilnehmer werden in den unterschiedlichsten Szenarien immer neuen Führungspositionen zugeteilt, mal Zug-, mal Gruppenführer. Feedback gibt es unmittelbar am Ausbildungsort, bei Bedarf wird wiederholt. Doch trotz straffen Lehrplans legt Inspektionschef Klein auch Wert auf eine positive Lernatmosphäre: „Wichtig ist uns, dass die Ausbildung auch Spaß macht und die Lehrgangteilnehmer mehrfach am Tag lachen.“

„Man weiß nie, was passieren kann“

Nach Lachen ist Frau Hauptmann G.* gerade nicht zumute, als sie im Übungsszenario im Feuerkampf steht. Die 32-jährige Soldatin befehligt sonst eine Kompanie im ITInformationstechnik-Bataillon 381 im brandenburgischen Storkow. Bald wird sie für vier Monate in einem Stab im afrikanischen Mali eingesetzt. Es ist ihr zweiter Einsatz. Zuvor war sie bereits im Irak. Die Ausbildung in Wildflecken schafft Handlungssicherheit. „Hier wird keiner ins kalte Wasser geschmissen“, sagt die Berufssoldatin.

Oberfeldwebel Karsten J.* vom Logistik-Zentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven sieht das ähnlich. Der 30-Jährige kam 2017 als Quereinsteiger zur Bundeswehr. Er ist für den Einsatz in Nordafghanistan eingeplant. Dort soll er den Zustand von Material prüfen und katalogisieren. Es wird sein erster Auslandseinsatz. „Auch wenn meine dortige Arbeit eher im Feldlager stattfinden wird, weiß man ja nie, was passieren kann“, sagt er.

* Namen zum Schutz der Kameraden gekürzt.

von Detlef Schachel

Die ELUSAeinsatzlandunspezifische Ausbildung-Ausbildung in Bildern