Von Böcken, Pferden und Bären: Maskottchen beim Militär

Von Böcken, Pferden und Bären: Maskottchen beim Militär

  • Geschichte
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
2 MIN

Wenn es beim Antreten wiehert, blökt und bellt, sind die Soldaten nicht von Sinnen, sondern sie haben einen tierischen Kameraden in ihren Reihen: ein Maskottchen. Der erste seiner Art in der Bundeswehr war Kuno, ein Mufflonbock. Er war im Jahr 1958 ein Geschenk der Stadt Bonn an das Wachbataillon.

Ein Soldat hält einen Ziegenbock an der Leine

Ziegenbock Josef war das letzte Maskottchen der Bundeswehr

dpa/Oliver Krato

Damit wurde die lange Tradition der Militärmaskottchen in Deutschland wieder zum Leben erweckt. Auf Kuno folgten noch zahlreiche Tiere, die das Soldatenleben in den Kasernen begleiteten. Einer von ihnen war der afrikanische Zwergesel Fridolin. Die Marineunteroffiziersschule in Plön kaufte 1957 das zwei Jahre alte Tier vom Tierpark Hagenbeck. Fridolin hatte sogar einen eigenen Pfleger. Das Huftier wurde bis zum „Oberseewebel“ befördert. 1969 starb Fridolin, bleibt aber unvergessen: Er wurde bei der Marineunteroffiziersschule begraben. Sein Gedenkstein ist immer noch zu sehen.

Obergefreiter auf vier Beinen

Mit 1,80 Meter Größe war Lippenbär Alfred das imposante Maskottchen einer Fallschirmjägereinheit in Bergzabern. Ab 1961 zählte das Tier zur Einheit. Er wurde zum Obergefreiten befördert und war dreimal bei Manövern der Fallschirmjäger in Frankreich dabei.

Nach einem Staffelaustausch in der Türkei im Jahr 1958 schenkten die Gastgeber den deutschen Soldaten zwei Esel – Ay (Mond) und Yildiz (Sternchen). Die Deutschen nahmen die Tiere mit in ihren Fliegerhorst Nörvernich. Sie wurden zu den Geschwader-Maskottchen. Esel zieren auch das Staffelwappen der 1. Fliegenden Staffel. Die Esel leben nicht mehr. Dafür hat die 1. Staffel später eine Patenschaft für Esel in einem nahe gelegenen Tierpark übernommen.

Schwarz-Weiß-Aufnahme: Marinesoldaten laufen mit einem Esel einen betonierten Weg entlang

Maskottchen Fridolin begleitet die Soldaten der Marineunteroffizierschule Plön. Die Aufnahme entstand im Jahr 1962.

Bundeswehr/Hans H. Siwik
Schwarz-Weiß-Aufnahme: Soldaten mit Waffen hocken und liegen um einen Bären

Lippenbär "Obergefreiter Alfred" beim Waffenappell

Militärhistorisches Museum

Pferdestärken in Augustdorf

In Augustdorf setzte man auf Pferdestärken. Die damaligen Panzerbataillone 213 und 214 hielten sich Ponys und kleine Pferde. Die Ponys Ramses und Geisha waren die ersten. Sie waren im Jahr 1963 ein Geschenk des damaligen Kantinenwirts an das Panzerbataillon 213. Die 214er erhielten das Pferdchen Atze. Im Laufe der Zeit gab es Nachwuchs, es kamen noch andere Pferde hinzu – es entstand eine Zucht. Doch die Kosten wurden zu hoch. Um beispielsweise Tierarztrechnungen zu begleichen, musste regelmäßig in die Offizierskasse gegriffen werden. Alle Bundeswehr-Maskottchen mussten eigenständig und auf eigene Kosten der jeweiligen Einheit versorgt werden.

Die Tiere waren in das Bataillonsleben eingebunden und unter anderem bei Appellen und diversen Veranstaltungen dabei. Die letzten Ponys des Panzerbataillons 213 waren Hannes und sein Nachwuchs Willi. Sie blieben bis zur Auflösung des Bataillons im Jahr 1992 in der Einheit. Danach habe sie auf einem Hof ein neues Zuhause erhalten. Im Panzerbataillon 214 war mit Pferd Else in den 1970er-Jahren Schluss.  

Ein Ziegenbock- und ein Löwe-Präparat steht in einem Museum

Ziegenbock Erwin begleitete lange Zeit das ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrbataillon 7. Jetzt ist er im Militärhistorischen Museum in Dresden zu sehen.

Militärhistorisches Museum

Erwin und Josef – die letzten ihrer Art

Der letzte in der Tradition der Bundeswehr-Maskottchen war Josef. Der Ziegenbock war im ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrbataillon 7 zu Hause, bis er 2011 aus dem Dienst ausschied und eine neue Heimat bei einer Familie fand. Mit zunehmenden Aufgaben und mehr Auslandseinsätzen sei es nicht mehr zeitgemäß, ein Maskottchen in der Kaserne zu halten, begründete der damalige Kommandeur, Oberstleutnant Patrick Gaisbauer, die Entscheidung, sich vom letzten Maskottchen der Bundeswehr zu trennen.

Josefs Vorgänger, Ziegenbock Erwin, der mehr als zehn Jahre an der Seite der Soldaten war, ist heute noch im Militärhistorischen Museum in Dresden zu sehen.

von Amina Vieth