Feldgottesdienste mit Feldharmonium

Feldgottesdienste mit Feldharmonium

  • Katholische Militärseelsorge
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin

Soldatinnen und Soldaten sind oft draußen im Gelände, beispielsweise im Einsatz oder auf dem Truppenübungsplatz. Deshalb feiern sie auch Gottesdienste gerne draußen, als sogenannte Feldgottesdienste.

Ein Militärpfarrer neben einem Birkenkreuz und ein Soldat am Feldharmonium beim Gottesdienst im Freien

Feldgottesdienst an der Enning-Alm

Bundeswehr

Da kommen schon einmal hundert Kameradinnen und Kameraden zusammen, die mit Liedern und Gebeten Gott loben. Damit es dann auch gut klingt, haben sich die Militärseelsorger etwas einfallen lassen.

Mit wenigen Griffen klappen zwei Soldaten eine Holzkiste auf, die sie gerade angeschleppt haben, und stellen sie auf zwei Füße. Zwei Holzteile werden noch mit Haken befestigt und schon steht das Feldharmonium, das eben noch eine Kiste war, an seinem Platz auf dem Rasen. Eine Klaviatur mit schwarzen und weißen Tasten und darüber eine Ablage für die Noten.

Eine Soldatin oder ein Soldat begleitet den Gottesdienstgesang auf dem Instrument. Es klingt wie eine Orgel, braucht keinen Strom, nicht viel Platz, ist transportierbar und in wenigen Minuten einsatzbereit. Damit passt es perfekt zur Bundeswehr.

Vor vielen Jahrzehnten wurden solche Feldharmoniums für die Militärseelsorge gebaut und angeschafft. Heute werden sie noch vereinzelt benutzt, nicht nur, weil sie schon ein wenig in die Jahre gekommen sind. Zwar ist so ein Feldharmonium im verlässlichen Melodiespiel unschlagbar, doch manchmal ist die Gitarre das handlichere Instrument, das außerdem zu vielen Liedern besser passt.

Doch egal, ob Gitarre oder Harmonium: Musik macht Freude und fördert Talente. Manchmal ist einfach eine Gelegenheit wie ein Feldgottesdienst nötig, um sich als Musikerin oder Musiker zu outen. Das Instrumentenspiel bereichert den Gottesdienst und sorgt für positive Stimmung. Der Dank der Kameradinnen und Kameraden ist den Musizierenden danach sicher.

Alt – und doch kein altes Eisen!

Das Evangelische Militärpfarramt Mittenwald hat bei einem seiner Feldgottesdienste auf altbewährte Technik zurückgegriffen. Seit Jahrzehnten gibt es hier – wie auch an anderen Standorten – ein Feldharmonium. Doch durch den Einsatz moderner E-Pianos wurde es in vielen Dienststellen ausgemustert.

„Coronabedingt bieten wir aktuell hauptsächlich Feldgottesdienste an“, berichtet Militärpfarrer Markus Linde. „So auch in der letzten Woche an der Enning-Alm. Dort haben wir keinen Strom für unserer E-Piano und die Gitarre ist nicht immer laut genug. Da hat sich das alte Feldharmonium bewährt.“

Dass es überhaupt eingesetzt wurde, ist dem Einsatz von Pfarrhelfer Christian Kögler zu verdanken. Er hat sich des Instruments angenommen, es auf der Dienststelle sprichwörtlich ausgegraben und probeweise aufgebaut. „Er hat mich immer wieder gedrängt, es auch einmal im Gottesdienst zu spielen“, berichtet Linde lachend. „Als wir dann den Gottesdienst an der Enning-Alm planten, gab es kein Zurück mehr. Mein Pfarrhelfer baute das Feldharmonium auf und dann musste ich es spielen. Die Herausforderung besteht darin, dass man während des Spielens mit beiden Füßen den Blasebalg bedienen muss. Sobald man damit aufhört, erklingt auch kein Ton.“

Bei den Soldaten, die den Gottesdienst besuchten, kam es ebenfalls gut an. Das Harmonium war überall gut zu hören und sein Klang wurde durchaus als angenehm beurteilt. „Es war sicherlich nicht das letzte Mal, dass wir das alte Feldharmonium eingesetzt haben“, urteilte der Militärpfarrer. Sein Pfarrhelfer freut sich darüber.

von Barbara Dreiling/Markus Linde