Sportausbildung

Von der Turnriege zu Military Fitness

Von der Turnriege zu Military Fitness

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

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Die Anforderungen an den Soldaten von heute unterscheiden sich grundlegend von denen früherer Generationen. Sollte noch vor rund 150 Jahren mit der Sportausbildung einem „recht curiosem Anblicke“ entgegengewirkt werden, ist das Training heute einsatz- und auftragsorientiert. Ein langer Weg war es, dorthin zu gelangen.

Ein Mann macht Sport auf einem Sprungkasten, im Hintergrund stehen Männer und schauen zu

Soldaten beim Sport in der Freizeit in Sonthofen 1958. Sport außerhalb der Dienstzeiten war erwünscht.

Bundeswehr/Hans Siwik

„Frisch, fromm, fröhlich, frei ist die deutsche Turnerei“, so lautete der Wahlspruch des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn (1778 bis 1852), des Initiators der Turnbewegung in Deutschland. Er hatte dabei aber nicht nur die sportliche Ertüchtigung der Turnenden im Sinn. Eher ging es ihm darum, Männer fit zu machen für den Widerstand gegen Napoleon Bonaparte. Somit kann man den Übungen in den ersten Turnvereinen und Turnerbünden durchaus paramilitärischen Charakter unterstellen. Disziplin, Körper- und Selbstbeherrschung begriff man seinerzeit nach und nach als wichtige Tugenden für Soldaten, wollte man diese wehrhaft und leistungsfähig erhalten. In den 1860er-Jahren übernahm man das Turnen und die körperliche Ertüchtigung in das Ausbildungskonzept der preußischen Armee.

1912 etwa fand der Moderne Fünfkampf Eingang in die Riege der olympischen Sportarten. Schießen, Fechten, Schwimmen und Geländelauf waren und sind bis heute dessen eindeutig militärisch geprägte Disziplinen. Im deutschen Kaiserreich war man bestrebt – auch vor dem Hintergrund jederzeit möglich erscheinender kriegerischer Auseinandersetzungen – „dem Vaterlande tüchtige Söhne zu erziehen“. Die geistigen und körperlichen Kräfte der Rekruten sollten mittels Sport und Turnen in diesem Sinne gefestigt werden. Im Ersten Weltkrieg verwundete Soldaten wollte man mittels sportlicher Übungen befähigen, wieder arbeiten zu können.

Schwarz-Weiß-Aufnahme: ein Mann beim Kugelstoßen

Seit jeher ist das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens Bestandteil der sportlichen Anforderungen. Die verschiedenen Disziplinen, wie hier das Kugelstoßen, gaben messbare Werte zur Beurteilung des Leistungsstandes.

Bundeswehr
Schwarz-Weiß-Aufnahme: Mehrere Männer machen Sport in einer Sporthalle

Turnübungen in der Sporthalle im Jahre 1961. Damals war die Sportausbildung noch turnerisch geprägt.

Bundeswehr/Mackus

In der Bundeswehr

Die Sportausbildung war von Anfang an Bestandteil der Lehr- und Dienstpläne der Bundeswehr. In den Anfangsjahren glich der Dienstsport noch in weiten Teilen den erwähnten Turnübungen, wenngleich im Sinne der Inneren Führung der Tonfall der Ausbilder humaner war. Dem folgte ein für die damalige Zeit sehr moderner Ansatz: Mit geeigneten Sportarten sollten die Soldaten dafür begeistert werden, sich auch außerhalb des Dienstes fit zu halten. Aber auch an den Bedingungen zum Deutschen Sportabzeichen, an Leistungsmärschen und bei Schießübungen mussten sich Soldaten jeder Teilstreitkraft und Truppengattung viele Jahre messen lassen. Das Gemeinsame Ausdauertraining (GAT), Physical Fitness Test (PFT), Basis-Fitness-Test (BFTBasis-Fitness-Test), Kleiderschwimmen und einige andere Disziplinen kamen im Laufe der Jahre hinzu und bildeten weitere Parameter zur Feststellung der körperlichen Leistungsfähigkeit der Truppe.

Die Auftragslage der Bundeswehr hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt. Aus der reinen Verteidigungsarmee im Bündnis entwickelte sich in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts zunehmend eine Armee im Einsatz, während aktuell die Landes- und Bündnisverteidigung wieder an Bedeutung gewinnt. Die Soldatinnen und Soldaten müssen heute mehr und unterschiedlicheren Herausforderungen gewachsen sein, als es die Gründerväter der Bundeswehr im Amt Blank, der Vorläuferorganisation des heutigen Verteidigungsministeriums, im Sinn hatten. Der weltweite Einsatz unter teilweise extremen klimatischen Bedingungen stellt hohe Anforderungen an die körperliche und physische Leistungsfähigkeit der Soldatinnen und Soldaten.

Ein Soldat hebt einen schweren Kanister über eine Mauer

Soldaten nehmen im Feldanzug an der Sportausbildung unter freiem Himmel teil. Sie absolvieren die Übungen auch mit Geräten des täglichen Dienstgebrauchs.

Bundeswehr/Marco Dorow

Gestiegene Anforderungen

Ziel ist die Befähigung zum Kampf. Aus den Aufgaben der Bundeswehr resultieren allgemein militärische, körperliche Anforderungen. Eine Soldatin oder ein Soldat muss in der Lage sein, grundlegende militärische Fertigkeiten abzurufen – unabhängig von Alter, Geschlecht, Truppengattung, Dienstgrad oder Dienstposten. Sport bildet weiterhin die Grundlage, doch halten moderne Trainingsmethoden Einzug in die Ausbildung. Ebenso wird der verminderten körperlichen Robustheit der heutigen Jugend Rechnung getragen und bereits in der Grundausbildung entgegengewirkt. Sport steht den Bundeswehrangehörigen zu, und zwar mindestens zweimal in der Woche für 90 Minuten, so die Vorschrift.

Übe, wie du kämpfst

Military Fitness Training (MilFit) ist ein hochmoderner Ansatz der Sportausbildung. Er schließt die Lücke zwischen sportlichem Grundlagentraining und der militärischen Ausbildung. Konzipiert als fordernder Dienstsport soll MilFit die körperliche Einsatzfähigkeit und -bereitschaft von Soldatinnen und Soldaten unter verschiedenen Anforderungen sicherstellen. Auf Basis sportwissenschaftlicher Grundsätze werden geeignete Inhalte und Methoden ausgewählt. MilFit ist ein systematisches, strukturiertes und zielgerichtetes Training. Die Fähigkeit, trotz oder während einer hohen körperlichen Belastung koordinativ handlungsfähig zu bleiben und militärische Grundfertigkeiten zu erfüllen, ist ein Kernaspekt der Ausbildung.

Wo immer möglich, wird während des MilFit-Trainings militärische Ausrüstung getragen. Dazu gehören der Feldanzug, der Gefechtsrucksack, die Schutzweste, der Gefechtshelm und Waffen. Der Umgang mit der eigenen Ausrüstung wird so gezielt in den Trainingsprozess integriert.

von Ralf Wilke  E-Mail schreiben

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