Großaufgebot im Bayerischen Wald

Das Aufklärungsbataillon 8 aus Freyung stellte in den vergangenen Jahren regelmäßig eine gemischte Aufklärungskompanie für den MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali-Einsatz in Mali. Für eine adäquate Einsatzvorbereitung 2021 haben die Niederbayern nun Verbände aus der ganzen Republik zusammengebracht. So konnten die Angehörigen des künftigen Kontingents gemeinsam vorüben.

Militärische Fahrzeuge im Konvoi auf einer Straße
Bundeswehr/Jana Neumann

Die Übung Allied Recon

  • Warum? Einsatzvorbereitung für Mali

  • Wer? 500 deutsche und amerikanische Teilnehmer

  • Wo? Bayern

Dingo, Fennek, Fuchs und Stryker: Wegen der Übung Allied Recon 2020 prägten tagelang Militärfahrzeuge die Landstraßen zwischen Cham und Feldkirchen, zwischen Regen und Freyung. Über einen Zeitraum von zwei Wochen hatten beinahe 500 Teilnehmende ab Mitte Oktober einen Übungsraum von 120 Kilometern Nord-Süd-Ausdehnung und rund 90 Kilometern Ost-West-Ausdehnung genutzt, dessen gedachtes Zentrum das niederbayerische Regen war. Gesteuert wurde die Übung indes aus Freyung, der Garnisonsstadt des Aufklärungsbataillons 8. Dessen 3. Kompanie wird im Frühjahr 2021 den Nukleus einer gemischten Aufklärungskompanie für den UNUnited Nations-Einsatz MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali bilden.

Freyung – Nervenzentrum der Übung

Am Standort in der Kaserne am Goldenen Steig wurden der Kompaniegefechtsstand und das Joint Operation Center (JOCJoint Operation Center) des Kontingentführers nachgebildet. Hier liefen – ähnlich wie im Einsatz – die Nervenfasern aller Operationen zusammen. Insgesamt diente die Übung in jeder Hinsicht der Einsatzvorbereitung des Kontingents für Mali. Hier im Bayerischen Wald hatte die Truppe Gelegenheit, sich schon mit einigen Monaten Vorlauf kennenzulernen und Abläufe zu harmonisieren. Das soll später im Einsatzland eine möglichst reibungslose Zusammenarbeit der beteiligten Einheiten gewährleisten.

Deutscher Soldat und zwei US Soldaten vor den Fahrzeugen

Im Team: Deutsche und amerikanische Soldaten üben zusammen für den Einsatz in Mali

Bundeswehr/Jana Neumann
Zwei Soldaten mit Maske sehen auf eine Karte, die auf der Motorhabue liegt.

Mit Maske auch im Freien: Nur unter strenger Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln konnte die Übung stattfinden

Bundeswehr/Jana Neumann

Deutsche und Amerikaner üben gemeinsam

Das Teilnehmerfeld war vielfältig. Neben den Angehörigen des Aufklärungsbataillons 8 nahmen Soldatinnen und Soldaten des Versorgungsbataillons 4 aus Roding sowie ein LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung-Zug des Ausklärungsbataillons 7 an der Übung teil. Hinzu kamen Angehörige des Objektschutzregiments der Luftwaffe „Friesland“ und des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen. Beide Verbände stellen im Kontingent jeweils Personal für die Force Protection. Der für Mali eingeplante belgische Aufklärungszug konnte wegen der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie nicht zu Allied Recon anreisen. Dafür sprangen Kameraden der USUnited States Army in die Bresche. Sanitäter und Feldjäger vervollständigten das Bild.

Oberstleutnant Matthias Blaesing
...wir wollen natürlich, dass die Soldaten optimal vorbereitet in den Einsatz gehen und gesund zurückkommen.

Dass die Übung trotz der sich verschärfenden Pandemielage landkreisübergreifend stattfand, hat nicht allen gefallen. Doch dank eines aufwändigen Hygienekonzepts konnten die Operationen schließlich doch durchgeführt werden. Sehr zur Erleichterung von Oberstleutnant Matthias Blaesing, dem Kommandeur des Aufklärungsbataillons 8. Angesichts der in Mali lauernden Gefahren sieht er keine Alternativen zu einer gründlichen Einsatzvorbereitung. Verständnis für die Übung zeigte auch Rodings Bürgermeisterin Alexandra Riedl. Ihre Stadt ist der Garnisonsort des Versorgungsbataillons 4, von dem etwa 170 Soldatinnen und Soldaten nach Mali gehen werden. „Unser Verhältnis zur Bundeswehr ist traditionell sehr gut. Und wir wollen natürlich, dass die Soldaten optimal vorbereitet in den Einsatz gehen und gesund zurückkommen.“

von Markus Tiedke

Das Szenario

Bei der gemeinsamen Übung von Heer und Luftwaffe kommt es zu einem heftigen Feuergefecht. Es gibt Verwundete, die versorgt werden müssen – so unterstützen Heeresflieger die Truppe am Boden mit ihrem NHNATO-Helicopter-90.

  • Pilot im Cockpit eines Hubschrauber vom Typ NH90
    • Einsatzvorbereitung
    • Heer

    Rettung aus der Luft

    Bei der Übung Allied Recon unterstützen die Heeresflieger die Truppe am Boden mit ihrem NHNATO-Helicopter-90.

    • Freyung
  • Ein Soldat weist einen Hubschrauber ein. 
    • Einsatzvorbereitung
    • Luftwaffe

    Objektschutz – „Vampire Down“

    Vampire ist abgestürzt! Hutch ist auf der Übung ALLIED RECON in Freyung. Hier berichtet er vom Absturz des Evakuierungshelikopters.

    • Freyung

Im Interview: Kommandeur Matthias Blaesing

Oberstleutnant Matthias Blaesing ist der scheidende Kommandeur des Aufklärungsbataillons 8 aus Freyung. Zum Ende des Monats übergibt er den Verband an seinen Nachfolger. Die Durchführung der Übung Allied Recon war ihm eine Herzensangelegenheit – auch in Zeiten der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie. Im Interview erklärt er, warum das so ist.

Porträt von Oberstleutnant Matthias Blaesin
Oberstleutnant Matthias Blaesing
Wir kennen nun die Defizite und können sie gezielt angehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Truppe im März guten Gewissens in den Einsatz schicken können.

Eine landkreisübergreifende Übung mit beinahe 500 Teilnehmern aus der ganzen Republik – muss das angesichts rasant steigender Infektionszahlen sein?

Ja, das muss sein. Da gibt es keine zwei Meinungen. Allied Recon dient zu 100 Prozent der Einsatzvorbereitung für Mali. Und wenn wir unseren Männern und Frauen und deren Angehörigen künftig in die Augen sehen wollen, müssen wir die bestmögliche Ausbildung für den Einsatz bieten.

Was haben Sie zum Schutz der Teilnehmenden vor COVID-19Coronavirus Disease 2019 getan?

Dafür haben wir einen immensen Aufwand getrieben. Wir haben Schichtsysteme gefahren und vier strikt voneinander abgeschottete Kohorten gebildet. Dazu getrennte Unterkünfte sowie getrennte Verpflegung und sanitäre Versorgung auf dem Kasernengelände. Hinzu kamen Schnelltests, wo das nach Einschätzung der Sanitäter angezeigt war. Das hat in der Summe sicher 20 bis 30 Prozent der Arbeit für die Übungsvorbereitung ausgemacht. Aber es gab keine Corona-Fälle bei uns.

Wie haben Sie die Schwerpunkte der Einsatzvorausbildung festgelegt?

Die haben wir anhand der jüngsten Einsatzerfahrungen identifiziert. Unsere zweite Kompanie ist erst im Frühjahr aus Mali zurückgekehrt. Unsere belgischen und irischen Kameraden der gemischten Aufklärungskompanie sind dort allein drei Mal angesprengt worden. Sämtliche lessons learnt sind in die Planung der Übung eingeflossen.

Können Sie Beispiele nennen?

Wir wollten zum einen, dass sich die Angehörigen des Kontingents so früh wie möglich kennenlernen und miteinander arbeiten. Deswegen bin ich froh, dass wir die Kameraden von den Gebirgsjägern und der Luftwaffe dabeihaben, die in Mali die force protection bilden werden. Auch der LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung-Zug vom Aufklärungsbataillon 7 hat hier mit uns geübt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse. Im Einsatz muss die Kommunikation auf Englisch funktionieren. Deshalb haben wir unsere Kameraden von der USUnited States Army dazu gebeten.

Wie ist Ihr Fazit mit Blick auf die Übung?

Wir haben unser Ziel erreicht. Und das war eine ehrliche Bestandsaufnahme zu unseren Fähigkeiten. In vielen Bereichen sind wir schon weit gekommen, aber es gibt überall noch genug zu tun. Bis März bleibt noch viel Ausbildungsarbeit zu leisten. Wir kennen nun die Defizite und können sie gezielt angehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Truppe im März guten Gewissens in den Einsatz schicken können.

von Markus Tiedke