Interview

Im Militärrabbinat wird die Jüdische Militärseelsorge aufgebaut

Im Militärrabbinat wird die Jüdische Militärseelsorge aufgebaut

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Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
1 MIN

Am Bundeswehr-Standort in Berlin in der Oberspreestraße entsteht seit Sommer 2021 das Militärrabbinat, zuständig für die Jüdische Militärseelsorge. Im Interview beschreibt Dienststellenleiterin Dr. Angelika Günzel die Aufgaben und den Aufbaufortschritt der neuen Dienststelle.

Eine Frau auf einem Porträtbild

Dr. Angelika Günzel leitet seit Sommer 2021 das Militärrabbinat.

KS/Doreen Bierdel

Frau Dr. Günzel, seit Juni 2021 leiten Sie auf der Ebene der Militärgenerale das Militärrabbinat in Berlin-Niederschöneweide. In den letzten Monaten war es vor allem der Aufbau, der Sie beschäftigt hat. Was stand auf Ihrer Agenda?

Wichtigste Aufgabe war natürlich, die Arbeitsfähigkeit unserer Dienststelle herzustellen und viele Kontakte zu knüpfen. Parallel lief der Aufbau der geplanten Außenstellen in Hamburg, Köln, Leipzig, München und Potsdam/Schwielowsee. Dazu gehörte neben der Raum- und Personalsuche beispielsweise auch, jede Einheit mit den wichtigsten jüdischen Kultgegenständen und einer kleinen Bibliothek mit Büchern insbesondere zum jüdischen Recht auszustatten, damit wir unsere Pflicht, den jüdischen Soldatinnen und Soldaten das im Judentum so wichtige religiöse Lernen zu ermöglichen, erfüllen können. Das Planungsamt unterstützt uns intensiv, dafür sind wir sehr dankbar.

Zehn Militärrabbinerinnen und Militärrabbiner sollen unter anderem deutschlandweit eingestellt werden, wie läuft die Personalsuche, wo sind die Herausforderungen?

Die Suche nach geeignetem Personal, von den Militärrabbinern und Militärrabbinerinnen, über den Kraftfahrer und den ITInformationstechnik-Verantwortlichen bis hin zu den konfessionsgebundenen Leitungsstellen in der Verwaltung im Militärrabbinat ist gerade eine der wichtigsten Aufgaben. Inzwischen haben wir einen ersten Militärrabbiner für die Außenstelle in München gefunden und schreiben weitere konfessionsgebundene Referatsleiter- und Referentenstellen aus. Die Ausschreibungen finden Sie unter dem Stichwort "Militärseelsorge" hier: https://bewerbung.bundeswehr-karriere.de/erece/portal/index.html Die Stellenangebote für Außenstellen in Hamburg, Köln und München sollen in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Welche Aufgaben hat das Militärrabbinat, wie fügt es sich in die Militärseelsorge der Bundeswehr ein und welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Die Seelsorge für unsere jüdischen Soldatinnen und Soldaten und ihre Angehörigen – am Dienstort und im Auslandseinsatz – ist natürlich unsere wichtigste Aufgabe. Wir sind wie die anderen Militärseelsorgen auch seelsorgerische Ansprechstelle für alle Soldatinnen und Soldaten, kümmern uns um die religiöse Lehre, führen Lebenskundlichen Unterricht durch, organisieren die Aus- und Fortbildung für die neuen Militärrabbiner und -rabbinerinnen sowie die Rabbinatshelferinnen und -helfer und beteiligen uns am interreligiösen Dialog. Hierfür die inhaltlichen Grundlagen und Konzepte zu entwickeln, das ist besonders wichtig in nächster Zeit. Ganz wesentlich ist dabei zum Beispiel auch die Organisation koscheren Essens. Daneben sind wir natürlich für alle Interessierten Ansprechpartner zu Fragen des Judentums.

Im Juni 2021 wurde Rabbiner Zsolt Balla in der Leipziger Synagoge durch den Zentralrat der Juden in Deutschland in sein Amt als Militärbundesrabbiner eingeführt. Wie sind die Aufgaben zwischen Ihnen verteilt?

Als Militärbundesrabbiner ist Rabbiner Balla der religiöse Leiter des Militärrabbinats, trifft die religiösen Grundsatzentscheidungen und führt die religiöse Dienstaufsicht über die Militärrabbiner und Militärrabbinerinnen. Er ist aber – wie die Militärbischöfe der Evangelischen und der Katholischen Militärseelsorge – nicht Angehöriger der Bundeswehr, sondern der zuständigen Religionsgemeinschaft, also des Zentralrats der Juden in Deutschland. Das Militärrabbinat nimmt die zentralen Verwaltungsaufgaben der Jüdischen Militärseelsorge wahr und ist, im Rahmen der Richtlinien des Militärbundesrabbiners, im Alltag für die Verwaltung und nachgeordnete religiöse Fragen zuständig.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte für die nächsten Wochen und Monate?

Ziel ist es, unsere Außenstellen von den Räumlichkeiten über die Personalsuche bis zur Vervollständigung der erforderlichen Kultgegenstände so schnell wie möglich arbeitsfähig zu machen. So wollen wir in diesem Frühjahr die erste Reisethorarolle, die extra für das Militärrabbinat geschrieben werden wird, in Auftrag geben. Ferner werden wir ein durch den Militärbundesrabbiner Balla konzipiertes Feldgebetbuch für jüdische Soldatinnen und Soldaten und ein Gebetbuch für das gemeinsame Gebet mit nichtjüdischen Soldatinnen und Soldaten erstellen.

Seit einigen Monaten sind Sie Angehörige der Bundeswehr und mit dieser besonderen neuen Aufgabe betraut. Was bedeutet das für Sie?

Für mich persönlich ist es eine erfüllende Aufgabe, jüdischen Soldaten und Soldatinnen durch den Aufbau des Militärrabbinats die Religionsausübung in der Bundeswehr zu erleichtern und diese neue Institution gestalten zu können. Vieles, was in der Jüdischen Militärseelsorge zur Zeit geschieht, ist eine historische Weichenstellung. Das enorme Interesse der nichtjüdischen Soldatinnen und Soldaten am Judentum und am Militärrabbinat hat mich positiv überrascht. Ich erinnere mich sehr gerne an die Beiträge, die das Militärrabbinat bereits zur Politischen Bildung leisten konnte, und an die interessierten Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die Räume im Planungsamt der Bundeswehr auf der Oberspreestraße in Berlin sind ja eine Interimslösung. Wann steht der Umzug an?

Wir hoffen natürlich, sobald wie möglich an den neuen Standort des Militärrabbinats in die Johannisstraße in Berlin-Mitte umziehen zu können. Dort soll als Teil unserer Dienststelle ein Zentrum für gemeinsames Lernen und Beten entstehen, in dem wir auch einige unserer religiösen Feiertage begehen werden. Hierzu laden wir auch immer mal wieder Angehörige der anderen Militärseelsorgen ein.

von Cornelia Riedel  E-Mail schreiben