Abschiedstour

Schwerer Abschied aus GAO - Teil 2

Schwerer Abschied aus GAO - Teil 2

  • Einsatz
  • Katholische Militärseelsorge
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

Abschied von der katholischen Schule

Am 31. Januar 2022 war es so weit: Es war der Tag, an dem der katholische Militärpfarrer Norbert Sauer zum letzten Mal die katholische Schule in Gao besuchte. Denn in gut zwei Wochen wird sein Einsatz als katholischer Seelsorger bei den deutschen Soldatinnen und Soldaten in Gao (Mali), in Niamey und Tillia (Niger) im Rahmen der UNUnited Nations-Mission MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali und der EUTMEuropean Union Training Mission-Mission enden. Mitte Februar wird er dann nach mehr als vier Monaten Einsatz nach Mittenwald zurückkehren. 

Die Schule in GAO

Das Schulgebäude in Gao

Bundeswehr

Die katholische Schule, die nur einen Steinwurf vom Gelände der katholischen Gemeinde entfernt liegt,  kennt Militärpfarrer Sauer seit 2019, wie auch den Rektor der Schule, David Douyon, der ihn und die Soldaten bereits freudig erwartete. Die Schule besteht noch gar nicht so lange, sie wurde erst im Jahre 2001 mit großer finanzieller Unterstützung vonseiten katholischer Kirchen aus Ländern Europas gebaut.

Der malische Staat sei nicht in der Lage, für seine schulpflichtigen Kinder ausreichend staatliche Schulen zur Verfügung zu stellen, berichteten die Einheimischen. Deshalb übernehme er achtzig Prozent der jährlichen Kosten von privaten Schulen, zu denen auch die katholische Schule in Gao gehört. Die restlichen zwanzig Prozent müsse der Träger finanzieren. Die Schule gliedert sich in eine Grund- und eine Hauptschule mit insgesamt neun Jahrgangsstufen und sie genieße seit ihrem Bestehen bis heute einen guten Ruf in und um Gao.

Das liege zum einen an der für malische Verhältnisse breiten und tiefen Wissensvermittlung und an dem hohen Bildungsniveau, das an dieser Schule im Vergleich zu anderen staatlichen Schulen erreicht werde. Zum anderen werde in der katholischen Schule großer Wert gelegt auf gegenseitigen Respekt und Toleranz unabhängig von ethnischer Herkunft und religiöser Prägung. So gebe es auch eine lange Warteliste für die Aufnahme von Kindern, obwohl nur circa zwei Prozent der Kinder Christen sind und alle anderen überwiegend Muslime. 

Auch die katholische Schule blieb vor der Zerstörung der Islamisten nicht verschont. So wurde damals das Inventar der Schule weitgehend zerstört: Fenster, Türen und das Schulmobiliar. Erst ab 2014 konnte wieder klassenweise mit dem Schulunterricht gestartet werden. Eltern von Schulkindern hätten damals die Klassenräume notdürftig instandgesetzt, und durch Geld- und Sachspenden konnte notwendiges Inventar und Mobiliar angeschafft werden. Heute steht die katholische Schule im Vergleich zu den staatlichen Schulen vor Ort wieder gut da, auch wenn es noch in den Klassenräumen an vielem fehlt. 

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Einwohner der Gemeinde Tacharan bewundern ihre neue Schule, die während eines CIMICCivil Military Co-Operation-Projekts zum Schulausbau im Rahmen der Mission MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali in der Nähe von Gao/Mali erneuert wurde, am 15.08.2018.

2018 Bundeswehr/Andreas Schwarz

18 Klassenräume hat die Schule und 23 Lehrkräfte bei insgesamt 1300 Schülerinnen und Schülern. Nach Adam Riese liegt demnach die durchschnittliche Klassenstärke bei 72 Schülerinnen und Schülern. Das ist für deutsche Verhältnisse unvorstellbar. Dabei sind die Klassenräume nicht größer als in unseren vergleichbaren Schulen. Dicht gedrängt sitzen deshalb die Schülerinnen und Schüler nebeneinander.

Das hat Militärpfarrer Sauer wieder mit eigenen Augen gesehen, als er in die eine und andere Klasse ging, unter anderem in die Klasse, deren Schüler 2019 in der siebten Jahrgangstufe waren und die nun in der neunten und damit letzten Klasse sind. Sie erkannten Militärpfarrer Sauer sofort wieder und freuten sich über das Wiedersehen, genauso wie der Militärpfarrer. In englischer Sprache sagte er zu ihnen: „Bildung ist der Schlüssel für eure Zukunft, für eure berufliche Zukunft, für euren zukünftigen sozialen Platz in der Gesellschaft, für eure Zukunft im Leben.“ Und deshalb wünschte er ihnen einen guten Abschluss am Schuljahresende, viel Erfolg und Gottes Segen für ihren weiteren Lebensweg.

Von den 18 Klassenräumen verfügen elf Räume über Deckenventilatoren. In den anderen sieben Klassenräumen fehlen sie, weil kein Geld da ist. Darauf hatte der Rektor der Schule den Militärpfarrer schon bei seinem ersten Besuch Anfang November des vergangenen Jahres hingewiesen. Militärpfarrer Sauer nahm sich dieses Anliegen des Rektors zu Herzen und sorgte für die finanziellen Mittel von 2500 Euro. So ermöglichte er den Kauf von 42 Deckenventilatoren für diese sieben Klassenräume.

Die Freude war groß bei David Douyon, dem Rektor der Schule, und bei allen anderen. Denn nach den Wintermonaten mit für malische Verhältnisse „kühlen“ Tagestemperaturen um die 30 Grad Celsius geht nun das Thermometer wieder nach oben, und in wenigen Wochen werden die Temperaturen wieder an die 50 Grad Celsius herankommen. Bei solchen Temperaturen und bei Klassenstärken von über 70 Schülern tut ein wenig Wind durch die Deckenventilatoren den Schülerinnen und Schülern sehr wohl und erleichtert das gemeinsame Lernen auf engstem Raum enorm.

Militärpfarrer Sauer feiert den Gottesdienst in Gao

Bundeswehr

Auch hier fiel der Abschied allen schwer und doch gingen alle dankbar auseinander, die einen dankbar für die große Unterstützung, die sie erfuhren, die anderen dankbar dafür, dass sie helfen konnten. Für Militärpfarrer Sauer wird es nun in den kommenden Tagen Zeit, das „In“ seines Nachfolgers vorzubereiten. Die Übergabe der Aufgabe der seelsorgerlichen Begleitung in die Hände seines Nachfolgers geschieht dann im Sonntagsgottesdienst, wenn Militärpfarrer Sauer am Ende der Feier seine Stola, die er trägt, nimmt und diese seinem Nachfolger umhängt. Das ist eine sehr ausdrucksstarke Zeichenhandlung, die der einsatzerfahrene Militärpfarrer schon oft erlebte und durchführte. Spätestens dann bereitet auch er sein „Out“ vor und freut sich auf seine Rückkehr ins obere Isartal, wo er seit November 2010 zuhause ist. 

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