Eine Glocke für die "Little Church" in Rukla

Eine Glocke für die "Little Church" in Rukla

  • Katholische Militärseelsorge
  • Einsatz
Datum:
Ort:
Litauen

Pastoralreferent Martin Diewald ist als Militärseelsorger ein Teil der Betreuungsorganisation für die Soldatinnen und Soldaten der Mission Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence) in Litauen. Die Soldatinnen und Soldaten sind bis zu sieben Monate von ihren Familien und Freunden getrennt und benötigen hin und wieder eine Pause für das seelische Gleichgewicht. Hierzu gehört auch die „Little Church“, seit kurzem auch mit Glocke und Glockenturm.

Der Militärseelsorger steht im Feldanzug vor dem Altar der Kirche „Little Church“

Militärseelsorger Martin Diewald in der „Little Church“

Bundeswehr
Bogener Panzerpioniere bauen Glockenturm

Zentrum des seelsorgerischen Wirkens von Martin Diewald ist die „Little Church“ innerhalb der Training Regiment Barracks in Rukla. „Zu einer richtigen Kirche gehört auch eine Glocke“, so Pastoralreferent Diewald. Die hat bislang in der in einem Containermodul eingerichteten „Little Church“ gefehlt.  Hier haben der Militärseelsorger vom Katholischen Militärpfarramt Erfurt und sein Unterstützungsfeldwebel Christoph E. einen Weg gefunden, dieser Unvollständigkeit abzuhelfen. Die Glocke wurde vom Militärseelsorger zum Teil aus Spenden finanziert.

Der Erzbischof weiht mit seinem Aspergill die Glocke in ihrem hölzernen Gestell

Erzbischof Grušas weiht die Glocke bei der Little Church in Rukla

Bundeswehr

Inzwischen ist die Glocke in Litauen angeliefert worden. Die deutschen Pioniere des Panzerpionierbataillons 4 aus Bogen haben dazu einen kleinen Glockenturm aus Holz errichtet, damit die Glocke einen würdigen Platz findet und ihr Geläut über das Gelände erklingen kann. Der Erzbischof von Vilnius, Gintaras Grušas, als Vorsitzender der litauischen Bischofskonferenz der höchste geistliche Würdenträger der katholischen Kirche Litauens, hat die Glocke nach einem Feldgottesdienst feierlich geweiht. Erzbischof Grušas ist zugleich Militärbischof des Landes und hat daher eine enge Verbindung zur Garnison Rukla.

Ein Angebot für die Soldaten im Einsatz

Der Militärseelsorger im Einsatz versteht sich als Brückenbauer: Unter den Soldatinnen und Soldaten, zu den Angehörigen und Freunden zu Hause und auch zur eigenen Seele. „Als Seelsorger sehe ich nicht den Soldaten oder die Soldatin, ich sehe den Menschen“, sagt Martin Diewald und ergänzt: „Was kann ich tun, dass der Mensch in der Uniform nicht komplett dahinter verschwindet?“ Ein Einsatz bringt für die Betroffenen Belastungen mit sich, ganz gleich ob in Afghanistan, Mali oder eben in Litauen bei der NATONorth Atlantic Treaty Organization Mission Enhanced Forward Presence.

Militärseelsorger Martin Diewald im Ornat beim Feldgottesdienst

Militärseelsorger Martin Diewald beim Feldgottesdienst

Bundeswehr

Die räumliche Entfernung von Familie und Freunden, die durch den Einsatz bedingte Fernbeziehung mit dem Lebenspartner oder -partnerin und die Umstände vor Ort mit der räumlichen Enge, dem Verlust von Privatsphäre und den überschaubaren Freizeitmöglichkeiten sind für jeden eine Herausforderung. Zur Milderung dieser Umstände bietet die Militärseelsorge ein Angebot an. Neben dem klassischen Gottesdienst in der „Little Church“ steht Militärseelsorger Diewald, der auch im Coaching tätig ist, für Einzelgespräche und bei Bedarf auch in Gruppengesprächen zur Verfügung. „Zuhören und dabei andere sprachfähig zu halten, ist unerlässlich.“

Der Militärpfarrer untersteht keiner militärischen Hierarchie und ist zum Schweigen verpflichtet. Dies schafft ein hohes Maß an Vertrauen und lässt den Militärseelsorger zu einem gefragten Gesprächspartner werden. „Das ist mein Ansatz: Verschwiegen, präsent und die Anregung von einem „thinking outside the box“ zu einem „expand your box“ zu kommen.“ Eine regelmäßig stattfindende Veranstaltung ist zum Beispiel auch das Bibelfrühstück mit geistlichen Impulsen. Dies schafft ein Stück Heimat im vertrauten Rahmen. Die Konfession der Soldatinnen und Soldaten spielt dabei keine Rolle. Jeder ist willkommen.

Ein Stück Heimat geben fernab von zu Hause

Neben der originären seelsorgerischen Arbeit, bietet Militärseelsorger Diewald unter anderem in Zusammenarbeit mit der örtlichen Truppenbetreuung, dem so genannten „Morale, Welfare and Recreation“-Bereich, auch Veranstaltungen zur Freizeitgestaltung an. Gerade in Zeiten, in denen sich außerhalb der Liegenschaft in Rukla ansonsten wenig Möglichkeit bietet nach dem Dienst oder am Wochenende das Land zu erkunden, sind Ausflüge eine willkommene Abwechslung.

Pastoralreferent Diewald und sein Unterstützungsfeldwebel stehen mit der Glocke vor der Kirche

Unterstützungsfeldwebel Christoph E. und Pastoralreferent Diewald mit der Glocke für die Little Church

Bundeswehr

Für jede dieser Veranstaltungen wird zusammen mit dem Leitenden Sanitätsoffizier ein Hygienekonzept zum Schutz der Soldatinnen und Soldaten erarbeitet. Außerdem erfreuen sich die wöchentlichen Filmabende in der „Little Church“ einer großen Beliebtheit. Hier hat sich mittlerweile ein Stammpublikum von Kinoenthusiasten gefunden, für die der gemeinsame Kinobesuch am Montag einfach dazugehört. Auch dies gibt den Soldatinnen und Soldaten im Einsatz Halt. Militärseelsorger Diewald sagt dazu: „Solche Veranstaltungen sollen ein Stück Heimat geben. Heimat geben heißt für mich, in der Fremde ein wenig das Gefühl von Normalität schenken zu können.“

Auch das Kontakthalten zu den Kirchen vor Ort und den anderen Militärgeistlichen der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner gehört zur Aufgabe eines Militärseelsorgers. Neben diesen Verbindungen ist der Militärpfarrer auch im Psychosozialen Netzwerk tätig und arbeitet zusammen mit anderen Anbietern wie dem Truppenpsychologen für die Gesundheit und Stabilität der Soldaten und Soldatinnen im Einsatz. Hier findet ein regelmäßiger Austausch statt. Durch die gesammelten Erfahrungen wird das Angebot zur seelsorgerischen Betreuung der Angehörigen der Bundeswehr kontinuierlich verbessert.

von Christian Kuhrt