Einsatzbegleitung

Katholischer Militärseelsorger begleitet Einsatzkontingent im Irak

Katholischer Militärseelsorger begleitet Einsatzkontingent im Irak

Datum:
Ort:
Erbil
Lesedauer:
4 MIN

Militärseelsorge zwischen Tradition und Herausforderung

Jörg P. ist seit 2003 Priester der Erzdiözese Paderborn. Sein Weg in die Militärseelsorge begann im November 2012 als Militärseelsorger bei der Panzerbrigade 21 in Augustdorf. Seit 2019 ist er in der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall tätig. Sein Alltag unterscheidet sich deutlich von einer Tätigkeit als Gemeindepfarrer. 

Militärpfarrer Jörg P. am Altar

Der katholische Militärpfarrer Jörg P. feiert mit Soldatinnen und Soldaten einen Weihnachtsgottesdienst in Bagdad

Bundeswehr / Hülya Süzen

Militärseelsorge im Einsatz: Hautnah am Geschehen

Der 49-jährige Priester beschreibt, dass der Alltag als Militärseelsorger von der Begegnung mit Familien, über die Gestaltung von Ethikunterrichten für die Truppe bis hin zur Teilnahme an militärischen Übungsvorhaben reicht. Die Militärseelsorge betreut dabei alle Soldaten und Soldatinnen, unabhängig von Glaube oder Religionszugehörigkeit. Die Arbeit ist also, anders als bei herkömmlichen Gemeinden, immer konfessionsübergreifend. 

Jörg P. hebt diesen speziellen Aspekt hervor, und betont, dass in der Militärseelsorge jeder Soldat und jede Soldatin, unabhängig von ihrem Standort,  vom Dienstgrad oder ihrer religiösen Ausrichtung, willkommen ist. Im Gegensatz zu einer zivilen Gemeinde ermöglicht ihm die Nähe zum Leben der Soldatinnen und Soldaten einen einfacheren Kontakt und Austausch. Besonders im Einsatz lebt und erlebt der Geistliche fast alles gemeinsam mit den Soldatinnen und Soldaten. Er ist den gleichen Gefährdungen, Entbehrungen und Strapazen ausgesetzt wie die Truppe, die er begleitet. 

 

Militärpfarrer Plümper im Gespräch mit der Deutschen Botschafterin im Irak

Die Deutsche Botschafterin im Irak bedankt sich beim Militärseelsorger für seinen Gottesdienst in Bagdad

Bundeswehr / Hülya Süzen

„Die Begleitung bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr ist ein wichtiger Beitrag für die Militärseelsorge, um bei den Herausforderungen des Dienstes auch bei so mancher Belastung in der Einsatzsituation nah an den Kameraden und Kameradinnen zu sein“ sagt der Seelsorger. 
Jörg P. erklärt, dass der Militärseelsorger im Einsatz als „neutraler Ansprechpartner“ für die Soldatinnen und Soldaten fungiert, da er dieselben Erfahrungen und Erlebnisse teilt. Zwischen dem Seelsorger und den Soldatinnen und Soldaten besteht jedoch kein Vorgesetztenverhältnis, und der Seelsorger unterliegt der Schweigepflicht. Das schätzen die Soldatinnen und Soldaten, so der Pfarrer. 

Verantwortung für ganz Irak: Seelsorge trotz Herausforderungen

Im Einsatz erlebt der Militärseelsorger vor allem die konkrete Erfahrung des „Dazwischenseins“. Er ist ständig ansprechbar und bietet Beratung und Begleitung für die Kontingentführung und alle Kameraden. Zusätzlich organisiert er seelsorgliche Aktivitäten wie Bibelfrühstücke, Gottesdienste und auch soziale Veranstaltungen wie Quizabende. Gleichzeitig pflegt er Kontakte und tauscht sich mit religiösen Vertretern im Einsatzland sowie mit anderen internationalen Militärseelsorgern auf der Air Base in Erbil aus. Dies macht seine Arbeit abwechslungsreich und interessant, findet der Seelsorger. 

Ein Priester in Wüstentarn tritt bei einem Appell gemeinsam mit den Soldaten an

Der Militärseelsorger Jörg P. beim Appell in Erbil

Bundeswehr / Hülya Süzen

Aufgrund der Größe des Kontingents ist der Geistliche der Seelsorger für alle Deutschen Kräfte im Irak. Die Zuständigkeit für mehrere Standorte im Land erfordert von Jörg P. eine frühzeitige Planung, insbesondere wegen der Sicherheitslage und internationalen Zusammenarbeit im Einsatzland. Die persönliche Präsenz vor Ort ist für die Seelsorge von entscheidender Bedeutung. Der Pfarrer ist davon überzeugt, dass besonders in der Seelsorge das persönliche Miteinander unerlässlich ist, um ein vertrauensvolles und vernünftiges Verhältnis zueinander aufbauen zu können. Dies sei über Social Media nicht zu gewährleisten.

Weihnachten und andere Feiertage im Einsatz: Zwischen Tradition und Trennung

Feiertage, vor allem Weihnachten, seien eine besondere Zeit, in der die ganze Familie zusammenkommt, um gemeinsam Freude zu teilen und zu feiern. Das Kinderlachen, das gemütliche Beisammensein mit den Liebsten, das Teilen von Traditionen und Werten schafft eine warme, liebevolle Atmosphäre. Eine vergleichbare Atmosphäre im Einsatz zu schaffen ist nicht möglich. Daher ist Weihnachten im Einsatz für die Kontingentangehörigen aber auch für den Militärseelsorger somit immer etwas Besonderes. Viele Traditionen und Erinnerungen sind mit dem Fest verbunden, die nun aufgrund des Einsatzes getrennt von Zuhause gelebt und vielleicht neugestaltet werden wollen.

Ein Soldat mit Weihnachtsmütze zündet eine Adventskerze an

Mit einem Adventskalender hat Militärpfarrer Jörg P. für weihnachtliche Stimmung gesorgt.

Bundeswehr / Hülya Süzen

Für einige ist es oftmals die erste Erfahrung einer längeren Trennung und das muss zunächst einmal verarbeitet werden. Daher ist es mitten im Einsatzgebiet eine Herausforderung, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Obwohl ein Tannenbaum, Lichterketten und etwas Musik helfen können, bleibt es dennoch anders und einzigartig. Jörg P. ist der Ansicht, dass die Trennung von Familienangehörigen und Freunden ein Faktor ist, der nicht unterschätzt werden sollte. Manche Soldaten verdrängen diese Trennung, während andere ihre Familien stark vermissen. Daher sind die Momente und Situationen, in denen Weihnachten im Einsatz begangen und gefeiert wird, sehr sensibel.

„An Weihnachten kann uns noch mal bewusster werden, was uns das Zusammensein mit unseren Lieben zu Hause bedeutet, dankbar zu sein für die Menschen, die uns gerade fehlen und an die wir denken“ erklärt der Priester. Diese Dankbarkeit, aber auch die Botschaft des Weihnachtsfestes, gewinnt im Auslandseinsatz eine hervorgehobene Bedeutung, so der Seelsorger. „Weihnachten hat etwas mit der Friedensbotschaft der Engel zu tun, gerade im Einsatz bekommt diese Friedensnachricht einen ganz anderen Unterton, nicht idyllisches, sondern etwas konkretes, dass der Friede immer auch unsere Hilfe braucht, um anzukommen und erlebbar zu werden“.

Militärpfarrer P. spricht zu den Soldaten und Zivilisten

Der Weihnachtsgottesdienst in Erbil ist multinational besucht

Bundeswehr / Hülya Süzen

Jörg P. hat den Weihnachtsgottesdienst für das 17. Deutsche Einsatzkontingent CDCounter Daesh/ CB-I erst in Erbil und kurz nach Weihnachten auch in Bagdad zelebriert. Der Weihnachtsgottesdienst in Bagdad erwies sich als wichtiges Ereignis, das den Kameraden Trost und Stärke in ungewissen Zeiten gab. „Weihnachten bedeutet für mich als Christ, dass Gott ankommt, bei uns Menschen sein will, 'heute ist uns der Heiland geboren'. Auch hier in Erbil, in Bagdad oder irgendwo im Einsatz, egal wo wir Dienst tun. Gott lässt uns nicht allein – eine sehr tröstende und mutmachende Botschaft“, so der Militärseelsorger.

von Hülya Süzen