Wallfahrt trotz Corona: Veitshöchheimer pilgern nach Retzbach

Wallfahrt trotz Corona: Veitshöchheimer pilgern nach Retzbach

Datum:
Ort:
Veitshöchheim
Lesedauer:
4 MIN

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Drei Wallfahrer mit Fahnen der Militärseelsorge in einem gelben Rapsfeld

Die Wallfahrer mit Kreuz und den Fahnen der katholischen Militärseelsorge beim Marsch zwischen den Rapsfeldern bei Gadheim. Das Kreuz trägt Pfarrhelfer Elmar Fries – zum letzten Mal vor seinem Ruhestand.

Bundeswehr / Karsten Dyba

Soldatenwallfahrt: Retzbach statt Lourdes

Endlich wieder pilgern: Zur 23. Fußwallfahrt nach Retzbach brechen 50 Veitshöchheimer Pilger auf, die sich ihren Marsch zur Wallfahrtskirche Maria im grünen Tal nicht nehmen lassen wollen. Unter strengen Hygiene-Auflagen ist‘s dieses Jahr wieder möglich.

„Wir sind ja keine Schönwetter-Wallfahrer“, scherzt Militärpfarrer Dr. Andreas Rudiger. Bei der Andacht in der Veitshöchheimer Balthasar-Neumann-Kaserne ziehen schon die Wolken auf. Noch ist es trocken. Aber den Wallfahrern mit und ohne Uniform kann das nichts anhaben. Unter dem Schutz der Feldjäger marschiert die bunte Gruppe aus aktiven Soldaten, Reservisten, Ehemaligen, Angehörigen und Menschen mit irgendeinem Bezug zur Bundeswehr aus der Kaserne, das Kreuz voran, flankiert von den gelb-weißen Fahnen der katholischen Militärseelsorge. Auf diese Wanderung zur Wallfahrtskirche „Maria im grünen Tal“, haben sich die Teilnehmer diesmal mehr denn je gefreut. Im Jahr zuvor war die Wallfahrt ausgefallen. „Ich freue mich, dass es dieses Jahr endlich wieder klappt“, sagt Pfarrer Rudiger. Für ihn ist es die erste Wallfahrt nach Retzbach, für seinen Pfarrhelfer Elmar Fries die letzte, bevor er im Dezember in den Ruhestand geht.

Ehemalige Heeresmusiker musizieren

Ein Tuba-Bläser musiziert auf einer Wiese in der Kaserne, im Hintergrund Wallfahrer bei der Andacht

Lobet den Herrn: Ehemalige Heeresmusiker begleiten die Wallfahrt als Posaunenchor

Bundeswehr / Karsten Dyba

„Lobet den Herrn“, spielt der Posaunenchor, der die Wallfahrt begleitet. Es sind Ehemalige des Heeresmusikkorps Veitshöchheim, die sich spontan zur Wallfahrt zusammenfinden und dafür noch nicht einmal proben müssen. Obergefreiter (FAFeldwebelanwärter) Aaron Gottschall kommt von etwas weiter her: Eigentlich hätte der Heeresflieger mit einer Gruppe Soldaten vom Transporthubschrauberregiment 30 kommen wollen. Wegen des schlechten Wetters ist er jetzt alleine aus dem baden-württembergischen Niederstetten gekommen: „Mein Vater ist auch Soldat und kennt Pfarrhelfer Fries gut.“ So kam er zur Wallfahrt, die dem NHNATO-Helicopter 90-Bordmechaniker „eine schöne Abwechslung“ bietet.

Offizier bringt seinen Nachbarn mit

„Wie schön, dass wir trotz Corona wallfahren dürfen“, freut sich Pfarrer Rudiger, zumal die große, internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes zum zweiten Mal abgesagt wurde. Durch den Gadheimer Wald, wo schon die Blätter der Buchen austreiben und den Frühling anzeigen, macht sich die Pilgergruppe auf den 14 Kilometer langen Weg, vorbei an leuchtend gelben Rapsfeldern bei Güntersleben, durch die Weingärten an den Steilhängen des Mainufers bei Thüngersheim. Er habe seinen früheren Nachbarn aus seiner Heimat in der Rhön mitgebracht, erzählt Oberstleutnant i.G. Florian Schleiffer vom Stab der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim. Mit Armin Merkert pilgert er sonst regelmäßig zum Kreuzberg bei Wildflecken. „Es wird nicht nur viel gesungen und gebetet, sondern auch sehr viel diskutiert über Gott und die Welt“, sagt Schleiffer. Wegen der Gemeinschaft pilgern beide gern, und „weil man sich dabei eine Auszeit nimmt“.

Pfarrer und Pfarrhelfer tragen Flecktarn

Zwei Männer in Uniform, einer mit Stola, vor einem Wegekreuz.

Pfarrhelfer Elmar Fries und der katholische Militärpfarrer Dr. Andreas Rudiger gestalten die Andacht unterm Bildstock bei Güntersleben. Die Corona-Vorschriften sind streng – nur das Zelebrieren ist ohne Mundschutz möglich.

Bundeswehr / Karsten Dyba

„Wo zwei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, erinnert Pfarrer Rudiger bei der Andacht zur ersten Rast unter einem alten Bildstock bei Güntersleben an die Verheißung Jesu aus dem Matthäus-Evangelium. Zum 23. Mal organisiert das Veitshöchheimer Militärpfarramt diese Fußwallfahrt. Entstanden war sie aus einer Idee zum 30-jährigen Bestehen der 1967 eingerichteten Dienststelle. Die Wallfahrt war stets offen für Gäste außerhalb der Bundeswehr – so wuchs die Zahl der Pilger. „In besten Zeiten kommen bis zu 120 Gläubige mit“, weiß Pfarrhelfer Fries. Für beide – Pfarrer und Pfarrhelfer – ist diese Wallfahrt traditionell einer der wenigen Anlässe, um ihre Flecktarn-Uniform aus dem Kleiderschrank zu holen, um so ihre Verbundenheit zu den Soldaten zu zeigen.

Rüstzeug für Lourdes im Rucksack

Für die Pilger hatten sie noch etwas mehr Ausrüstung: Einen Rucksack mit Rüstzeug, der eigentlich für die Pilgerfahrt nach Lourdes gedacht war. Darin eine Prayer-Box mit Rosenkranz und Weihwasser, ein Soldaten-Gesangbuch, ein Halstuch, eine Anstecknadel und den unter Soldaten so beliebten Patch. „Von Anfang an gerufen – Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“, lautet das Motto der Wallfahrt. Pfarrer Rudiger hat das Lourdes-Thema übernommen, denn die Katholische Militärseelsorge, das Gebetsanliegen der abgesagten Pilgerreise bei regionalen Wallfahrten zu deren Zielorten zu tragen. So wird aus einer großen Wallfahrt viele kleine. 1724 Kilometer – etwa die Strecke von Hamburg nach Lourdes – sollen so zusammenkommen.

Stärkung für die Wallfahrer

„Den Wallfahrern zur Stärkung“ steht auf dem großen Holzkreuz. Auf der Höhe bei Thüngersheim mit ihrem wunderbaren Ausblick auf das Maintal wartet Stabsfeldwebel Michael Niedermeier mit Käselaugenstangen und Speckseelen. Die leibliche und geistige Stärkung tut gut – der zunehmende Nieselregen macht den Marsch etwas ungemütlich. Dafür geht es jetzt nur noch abwärts: Durch die Weingärten der Benediktushöhe, vorbei an der Winzerhütte zur Kolpingkappelle ins Retztal. Auf den letzten Metern zur Wallfahrtskirche beten die Wallfahrer den Rosenkranz: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.“

Luftbild: Wallfahrergruppe auf dem Platz vor einer Kapelle

Die Wallfahrergruppe von oben bei der letzten Rast an der Kolpingkapelle bei Retzbach

Bundeswehr / Oliver Schmidt

„Es war ein super Tag“

Mit der feierlichen Musik des Posaunenchors ziehen die Pilger in die Wallfahrtskirche ein, Pfarrer Rudiger trägt das Kreuz voran. Auch sein Amtsbruder aus Hammelburg, Militärpfarrer Sebastian Herbert stößt dazu, um mit den Pilgern aus Veitshöchheim die heilige Messe zu feiern. In der Kapelle im grünen Tal beten katholische Wallfahrer seit dem 14. Jahrhundert für die Einheit der Christen. Pfarrer Rudiger ist zufrieden: „Es war ein super Tag.“ Der Nieselregen hat die Pilger kaum entmutigt, die Fleischkäsbrötchen der Retzbacher Kolpingsfamilie belohnen sie für die Mühe. Oberstleutnant Schleiffer sagt: „Du läufst vier Stunden, und merkst es gar nicht.“

von Karsten Dyba

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