Das gute Wort Gottes

Offen für alle: Militärseelsorge in Litauen

Offen für alle: Militärseelsorge in Litauen

  • Anerkannte Missionen
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Der Militärpfarrerin Silke Röcher-Hoffmann merkt man die Leidenschaft für ihre Profession deutlich an. Ob als Botschafterin der evangelischen Kirche bei nationalen und multinationalen Gottesdiensten oder als Seelsorgerin im Gespräch mit einzelnen Soldatinnen und Soldaten: Sie hat stets ein offenes Ohr für die Belange der multinationalen Gemeinschaft in Litauen.

Eine Frau spielt Gitarre. Rechts neben ihr sitzt ein Mann, der in ein Gesangbuch schaut. Im Vordergrund sitzt eine Frau.

Gemeinsam beim Bibelfrühstück: die Militärpfarrerin mit ihrem Vorgesetzten, dem Militärdekan

Bundeswehr/Lennard Liedtke

Militärpfarrerin Röcher-Hoffmann ist gebürtige Siegerländerin, jedoch mittlerweile fest im Rheinland verwurzelt. Zur Militärseelsorge kam sie ganz zufällig durch folgendes Schlüsselerlebnis: Ein Schüler ihres Kurses in einer Berufsschule, damals Zeitsoldat in der Berufsausbildung, hatte sich ihr in einem Einzelgespräch anvertraut. Er erzählte ihr von seiner posttraumatischen Belastungsstörung und seinem Leben so eindrücklich, dass sie sich 2017 spontan dazu entschloss, sich auf eine Stelle als Militärseelsorgerin zu bewerben. Nach einem Vorstellungsgespräch war sie bereits vier Wochen später als Militärpfarrerin im Rheinland eingestellt. Ihre Vorgesetzte war damals schon überzeugt davon, dass es genau das Richtige für sie sei. Dabei ist die Militärpfarrerin die Tochter eines Kriegsdienstverweigerers – wodurch sie gewissermaßen eine „pazifistische Prägung“ erhielt. Aber, so verrät sie, ihr Leitmotiv sei es immer gewesen, sich „in die andere Seite“ hineinzuversetzen.

Immer für die Gemeinschaft der Battlegroup da

Ein Stadtführer vor einer Gruppe von Menschen auf einem Platz, im Vordergrund ein Denkmal

Stadtführung während der Rüstzeit in Vilnius

Bundeswehr/Lennard Liedtke

Bevor Sie hier in Litauen tätig wurde, hatte sie bereits 2020 Erfahrungen in Estland sammeln können. Von Beginn an hatte sie klare Vorstellungen davon, welche Angebote sie den Soldatinnen und Soldaten der multinationalen EFP-Battlegroup in Litauen machen möchte. Natürlich spielt der Gottesdienst und damit das Wort Gottes eine zentrale Rolle. Aber die Militärpfarrerin richtet sich dabei an alle – unabhängig von der jeweiligen nationalen Zugehörigkeit oder Konfession. Sie versteht Gemeinschaft in ihrer ursprünglichen Form, sodass alle eingeladen und willkommen sind.

Das gemeinsame Singen spielt im Gottesdienst stets eine wichtige Rolle. Dabei ist es für sie eine Selbstverständlichkeit, alle Lieder mit der Gitarre zu begleiten. Ihre Gottesdienste bietet sie auch auf dem Truppenübungsplatz in Pabradė an. Einen Höhepunkt stellten sicherlich die Gottesdienste zu Weihnachten dar. Diese fanden in einer ganz besonderen Atmosphäre statt.

Den Menschen zugewandt

Die Militärpfarrerin predigt unter freiem Himmel vor einem Altar, hinter ihr ein Zaun aus Stacheldraht, im Vordergrund Soldaten

Hier wird keine Nation und keine Konfession ausgeschlossen: die Militärseelsorgerin beim Feldgottesdienst in Rukla

Bundeswehr/Pascal Warner

Neben dieser klassischen Aufgabe, die man immer bei einer Militärpfarrerin vermutet, richtet sie weitere Angebote aus. Beispielsweise finden regelmäßig Bibelfrühstücke statt. Hierbei geht es darum, gemeinsam zu beten und miteinander ins Gespräch zu kommen. Und natürlich sind die Frühstücke durch den gemeinsamen Gesang umrahmt. Hier sitzen sie zusammen – die Mannschaften, die Unteroffiziere und auch die Offiziere – und diskutieren über Bibeltexte, persönliche und viele weitere Themen. Das gemeinsame Brunchen ist der Höhepunkt des Zusammenseins.
Auch gemeinsame Kinoabende werden regelmäßig angeboten und sind gut besucht. Ob tiefsinnig, hintergründig, nachdenklich oder einfach nur etwas zum Lachen: Alle, die hier teilnehmen wollen, kommen auf ihre Kosten.

Ein Einzelgespräch ist immer möglich

Ein Adventskaffee mit mehreren Menschen an einer eingedeckten Tafel, hinten an der Wand ein Kreuz

Viele Möglichkeiten, in Kontakt zu kommen: Die Militärseelsorgerin sucht das Gespräch auch während des Bibelfrühstücks

Bundeswehr/Lennard Liedtke

Bewährtes aus dem Einsatz anderswo setzt sich auch in Litauen bei der Battlegroup fort. So nimmt die Militärpfarrerin regelmäßig an Gesprächen des Psychosozialen Netzwerkes teil. Sie versteht ihre Aufgabe dabei von Beginn an auch darin, der „Sensor“ in der Battlegroup zu sein. Es ist ihr wichtig zu erfahren, wie die allgemeine Situation und die Stimmung in dieser Gemeinschaft sind. Im Austausch mit dem Arzt und Truppenpsychologen ist sie stets am „Puls der Zeit“.

Und wenn eine Soldatin oder ein Soldat das Bedürfnis hat, sich mit ihr zu treffen, um persönlich Erlebtes, Freude und Leid, Kummer oder Schmerz mit ihr zu teilen, ist ihre Tür immer offen. Natürlich äußert sie sich nie zu Inhalten vertraulicher Gespräche. Es gilt das eherne Prinzip des Seelsorge- und Beichtgeheimnisses. Aber so viel ist sicher: Sie ist dem Kommandeur mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Engagement eine wichtige Begleiterin und Ratgeberin an allen Tagen, an denen die Battlegroup im Einsatz ist.


von Stephan  Wessel

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