Inhalt
Nachgefragt

„Bewusst werden medizinische Einrichtungen angegriffen“

Landes- und Bündnisverteidigung

Im Krieg sterben Menschen, und viele mehr werden verwundet. Aufgabe von Sanitätern und Ärztinnen ist, so viele Leben zu retten wie möglich. Wie das militärische Sanitätswesen funktioniert und warum Russland offenbar auch Krankenhäuser angreift, erklärt der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in „Nachgefragt“.

Generaloberstabsarzt Dr. Ulrich Baumgärtner ist Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Im Gespräch mit „Nachgefragt“-Moderatorin Kapitänleutnant Nana Ehlers spricht er über die medizinische Versorgung an den Fronten des Ukrainekriegs.

Kriege wie der in der Ukraine brächten auch kriegstypische Verletzungen mit sich, sagt Generaloberstabsarzt Dr. Ulrich Baumgärtner. „Das bedeutet, dass wir mit einem ziemlich hohen Prozentsatz mit Schädel-Hirn-Gesichtsverletzungen, mit Kopfverletzungen zu rechnen haben. Eine weitere Kategorie sind Arme und Beine.“ Häufig handele es sich um komplexe Verletzungen, die eine langwierige Behandlung erforderten, so der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr zu „Nachgefragt“-Moderatorin Kapitänleutnant Nana Ehlers. 

An der Front zählt jede Minute

An einer Schautafel demonstriert der oberste deutsche Militärarzt, wie die Rettung Verletzter und Verwundeter in der Bundeswehr funktioniert. Bei einer Verwundung an der Front müssten zunächst die Kameraden vor Ort erste Hilfe leisten: „Ganz schnell nach der Verwundung, in den ersten zehn Minuten.“ 

Anschließend werde der Patient von Sanitätern zur nächsten Rettungsstation gebracht, wo er stabilisiert werde. Danach gehe es weiter in ein Rettungszentrum. „Dort werden die ersten wirklich dringenden chirurgischen Maßnahmen durchgeführt, so dass zum Beispiel innere Blutungen gestoppt werden.“ Für weitere Behandlungen und Operationen komme der Patient ins Einsatzlazarett, so Baumgärtner.  Nach der Rückkehr in die Heimat werde dann in Krankenhäusern der Bundeswehr, aber auch zivilen Einrichtungen weiterversorgt. 

Angriffe auf Lazarette als Angriffe auf die Moral

Mit Sorge beobachte er, dass es seitens der russischen Streitkräfte offenbar zu gezielten Attacken auf medizinische Einrichtungen komme. Das Rote Kreuz – weltweit Schutzzeichen für sanitätsdienstliche Einrichtungen – werde ignoriert. „Im Gegenteil, man hat den Eindruck, dass ganz bewusst militärische wie auch zivile sanitätsdienstliche medizinische Einrichtungen und Kapazitäten angegriffen und ausgeschaltet werden.“ Ziel sei mutmaßlich, die Moral der ukrainischen Truppen zu untergraben.

Die ukrainischen Sanitäterinnen und Sanitäter seien ihrer schwierigen Aufgabe an der Front aber dennoch gewachsen, ist sich der Generaloberstabsarzt sicher. „Der Sanitätsdienst dort ist ja nicht erst seit Februar im Krieg, sondern schon seit 2014. Das beobachten wir ja auch, dass sie eben diese besonderen Herausforderungen einer Behandlung von Kriegsverletzungen schon seit vielen, vielen Jahren täglich haben und täglich meistern.“ 

Kapazitätsaufwuchs für den Bündnisfall notwendig

Der Sanitätsdienst sei wie andere Teilstreitkräfte der Bundeswehr auch in den letzten Jahrzehnten auf kleinere Einsätze im internationalen Krisenmanagement ausgerichtet worden, so Baumgärtner. Aber: „Wir haben im Sanitätsdienst der Bundeswehr als einer der wenigen Sanitätsdienste in Europa und in der NATONorth Atlantic Treaty Organization tatsächlich eine gesamte Bandbreite an Fähigkeiten erhalten, die wir brauchen, um eine Rettungskette in allen Facetten darstellen zu können.“

Allerdings würden diese Kapazitäten im Bündnis- oder Verteidigungsfall mengenmäßig nicht reichen, sagt Baumgärtner. Um zum Beispiel die medizinische Versorgung einer Division sicherstellen zu können, müsse nachgebessert werden. „Wir brauchen im Prinzip in fast der gesamten Bandbreite des Sanitätsdienstes einen deutlichen Aufwuchs der Kapazitäten, um das überhaupt bewältigen zu können.“

von Timo Kather

Weitere Folgen

Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Auf dieser Website nutzen wir Cookies und vergleichbare Funktionen zur Verarbeitung von Endgeräteinformationen und (anonymisierten) personenbezogenen Daten. Die Verarbeitung dient der Einbindung von Inhalten, externen Diensten und Elementen Dritter, der eigenverantwortlichen statistischen Analyse/Messung, der Einbindung sozialer Medien sowie der IT-Sicherheit. Je nach Funktion werden dabei Daten an Dritte weitergegeben und von diesen verarbeitet (Details siehe Datenschutzerklärung Punkt 4.c). Bei der Einbindung von sozialen Medien und interaktiver Elemente werden Daten auch durch die Anbieter (z.B. google) außerhalb des Rechtsraums der Europäischen Union gespeichert, dadurch kann trotz sorgfältiger Auswahl kein dem europäischen Datenschutzniveau gleichwertiges Schutzniveau sichergestellt werden. Sämtliche Einwilligungen sind freiwillig, für die Nutzung unserer Website nicht erforderlich und können jederzeit über den Link „Datenschutzeinstellungen anpassen“ in der Fußzeile unten widerrufen oder individuell eingestellt werden.

  • Logo der Bundeswehr

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter Datenschutzerklärung