Innovationszentrum der Bundeswehr
Das Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding gehört zum Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.
Zivile und militärische Innovationsträger zusammenbringen, um systematisch neue Technologien für die Streitkräfte zu erschließen: Das ist Aufgabe des neuen Innovationszentrums der Bundeswehr in Erding, das im Februar 2026 die Arbeit aufnahm. Geleitet wird das Zentrum von Flottillenadmiral Christian Bock. Er stellt es in „Nachgefragt“ vor.
„Die Bundeswehr ist sehr viel schneller, als man eigentlich meint“, sagt Bock zu Frau Hauptmann Janet Watson, der Moderatorin von „Nachgefragt“. Den Nachweis für seine These kann der Marineoffizier mit seiner neuen Dienststelle führen: Bock ist seit Februar 2026 Leiter des neu gegründeten Innovationszentrums der Bundeswehr in Erding.
Im Innovationszentrum arbeiten Soldatinnen und Soldaten, Wissenschaftler und Rüstungsproduzenten eng zusammen, um neue Technologien für die Bundeswehr nutzbar zu machen. „Wenn man weiß, wo man eigene Ideen anbringen kann, wo man experimentiert, austestet, um es dann wieder zurück in die Truppe zu bringen: Das ist der Vorteil an einem Innovationszentrum“, fasst Bock zusammen. Innovative Technik könne in Erding im direkten Austausch mit der Truppe erprobt und verbessert werden, so der Admiral. „Da geht es um Handhabungssicherheit, es geht um Ausbildung, es geht um Peripherie. Und gleichzeitig darum, die Fähigkeiten, die wir entwickeln, so gut zu machen, dass wir jeden Gegner schlagen können.“
Die Projekte des Innovationszentrums seien „unheimlich facettenreich“, so dessen Leiter. So werde in den Labors unter anderem mit 3D-Drucktechniken für den mobilen Einsatz sowie mit Überschalltechnik experimentiert. Auch werde daran gearbeitet, wie Kleinstsatelliten für die Aufklärung genutzt werden könnten. Bekanntestes Beispiel sei aber die Arbeit am sogenannten Aufklärungs- und Wirkverbund, so der Flottillenadmiral. „Das sind die Drohnen, von denen man gerade spricht. Die Abwehrfähigkeit dagegen wird hier mit aufgesetzt, gemeinschaftlich mit Industrie und Truppe weiterentwickelt und dann ausgerollt.“
Die Drohnentechnologie zeichne sich durch eine „irrsinnige Entwicklungsgeschwindigkeit“ aus, stellt der Admiral heraus. Die Ukraine etwa setze Robotik und autonome Systeme ein, um sich eines übermächtigen Gegners zu erwehren – der seinerseits versuche, innovative Antworten zu finden. „Wenn wir diese Dynamik nicht mit betrachten und unsere eigenen Systeme darauf ausrichten, dann haben wir einen Nachteil“, stellt Bock fest. „Abschreckung funktioniert nur, wenn man Fähigkeiten entwickelt, die dem Gegner so weit überlegen sind, dass er gar nicht erst angreift.“
Ideengeber könnten sich per Telefon oder per Email an das Innovationszentrum der Bundeswehr wenden. „Das Innovationszentrum ist dafür gegründet worden, um Technologie, die noch nicht ganz reif ist, reif zu machen“, so dessen Leiter. Dabei sei es völlig egal, ob mit einem frisch gegründeten Start-up zusammengearbeitet werde oder mit einem bekannten Rüstungsunternehmen: Kreativität, Geschwindigkeit und praktischer Nutzen der Vorschläge stünden im Vordergrund. „Wenn sie technologisch funktionieren, dann ist die nächste Stufe, dass sie live mit der Truppe ausgetestet werden müssen. Wenn sie nicht handhabbar sind und vom Anwender nicht gebraucht werden können, dann machen sie keinen Sinn.“
Dabei werde im Innovationszentrum nicht nur nach perfekten Lösungen gesucht, so der Admiral. „Es ist besser, Achtzig-Prozent-Lösungen zu haben, als gar nichts – um dann parallel dazu die Hundert-Prozent-Lösungen weiterzuentwickeln“, sagt er. Auch sei es unproblematisch, falls eine Idee nicht wie erwartet funktioniere: „Wie bei jedem Experiment ist auch ein gescheitertes Experiment ein Erfolg – weil man diesen Weg dann nicht weitergehen muss.“ Wichtig sei, dass im Innovationszentrum entstandenes Knowhow auch in andere Bereiche der Streitkräfte weitergegeben werde. „Wir müssen sicherstellen, dass das ganze System interagiert“, sagt Flottillenadmiral Bock. Denn schließlich gehe es auch im Innovationszentrum in Erding in erster Linie um eine Sache: „Sinn und Zweck ist, die Streitkräfte verteidigungsfähiger und kampffähiger zu machen.“