Red Storm Charlie: Gemeinsam wird Hamburg resilienter
Die Bundeswehr in Hamburg trainiert gesamtstaatliche Verteidigung gemeinsam mit Blaulichtorganisationen, Behörden und zivilen Unternehmen.
Um Deutschland krisenfest zu machen, müssen nicht nur Bundeswehr und Polizeibehörden eng zusammenarbeiten. Auch Verwaltungen, zivile Hilfswerke und Unternehmen sind gefordert, um die Republik im Sinne einer umfassenden Gesamtverteidigung zu stärken. Bei Übungen wie Red Storm Charlie in Hamburg wird die gemeinsame Abwehr hybrider Angriffe trainiert.
Es geht um nichts weniger als um die Sicherheit des Landes. „Wir müssen anerkennen in Deutschland, dass die sicherheitspolitische Lage sich massiv verändert hat“, so Generalleutnant André Bodemann, Kommandeur Territoriale Aufgaben im Operativen Führungskommando der Bundeswehr. „Wir müssen anerkennen, dass bei den hybriden Bedrohungen von kritischer Infrastruktur kein Land um uns herum eine derartige Quantität und Qualität zu verzeichnen hat, wie wir in Deutschland.“
Außerdem müsse verstanden werden, dass der Schutz des Landes alle angehe, sagt Bodemann. Genau deshalb sei eine zivil-militärische Übung wie Red Storm Charlie so wichtig. „Nur was geübt wird, klappt am Ende. Und nur was klappt, ist auch dann tatsächlich glaubhafte Abschreckung“, so der General im Gespräch mit Oberstleutnant David Zeidler, dem Moderator von „Nachgefragt“.
Bei Red Storm Charlie wurde zum mittlerweile dritten Mal die Abwehr eines komplexen, mit hybriden Mitteln vorgetragenen Angriffs auf Hamburg geübt. Rund 500 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr trainierten vom 24. bis zum 26. September 2026 zusammen mit 60 verschiedenen Organisationen die Zusammenarbeit für den Fall der Fälle. Unter anderem waren Landes- und Bundespolizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und diverse Rettungsorganisationen an der dreitägigen Übung beteiligt, die vom Landeskommando Hamburg der Bundeswehr organisiert wurde. Dieses wiederum untersteht dem Operativen Führungskommando. Alles in allem waren 1.500 Kräfte in der Hansestadt im Einsatz.
„Jedes Jahr üben wir neue Dinge“ sagt Kapitän zur See Kurt Leonhards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg. In diesem Jahr stand etwa der Betrieb eines Notfallkrankenhauses unter Tage auf dem Programm. Außerdem wurde ein Chemieunfall simuliert und insbesondere die Zusammenarbeit mit dem THW trainiert. Wie man bei einem Massenanfall von Verletzten zusammen mit der Wirtschaft vorgeht, war ebenfalls Thema bei Red Storm Charlie. Bundeswehr- und Polizeihubschrauber nutzten in diesem Szenario einen Flugplatz der Lufthansa Technik. „Jede Übung führt dazu, dass wir wieder Defizite feststellen, die wir danach ausgleichen können,“ so Leonhards.
Mit Red Storm Charlie wird auch ein gewisses Erwartungsmanagement gegenüber der Bundeswehr betrieben. Im Krisenfall werde von den Streitkräften erwartet, einen Großteil ihrer aktiven Kräfte an die NATO-Ostflanke zu verlegen, sagt Leonhards. Dies bedeute im Umkehrschluss, dass nur wenige militärische Kräfte zum Schutz des Landes und seiner zivilen kritischen Infrastrukturen beitragen könnten. Deutschland verteidigen könne das Militär „in keinen Fall alleine“, so Bodemann. Wo die Bundeswehr in Friedenszeiten sonst Amtshilfe leistet, etwa bei Bränden und Hochwasserkatastrophen, brauche das Militär im Konfliktfall selbst Unterstützung, um seinen Auftrag zu erfüllen.
Es gehe um Gesamtverteidigung, so Bodemann: Um nicht nur militärische, sondern auch zivile kritische Infrastrukturen zu schützen, müssten Militär und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. „Am Ende ist es nicht nur eine gesamtstaatliche, sondern vor allem auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, führt der Generalleutnant aus. Die Gesellschaft als Ganzes müsse sich für die Verteidigung des Landes engagieren, um glaubwürdig abzuschrecken. „Wir tun das alles, um Krieg zu verhindern“, betont Bodemann.
Zumindest in Hamburg scheint die zivil-militärische Zusammenarbeit im Sinne der Gesamtverteidigung zu funktionieren. „Das klappt jedes Jahr besser“, stellt Leonhards fest. 2027 üben Bundeswehr und Co. wieder in Hamburg ihre Zusammenarbeit, dann unter dem Namen Red Storm Delta.