Ukraine-Experte: „Jetzt muss Putin an den Verhandlungstisch“
Lage in der Ukraine- Datum:
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- Berlin
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Sprit-Krise auf der Krim, Versorgungsengpässe bei der Armee, Treibstoffmangel in Russland: Das sind die Folgen der ukrainischen Attacken auf die Infrastruktur des russischen Aggressors. Zwingt die ukrainische Drohnenstrategie Russlands Präsident Putin an den Verhandlungstisch? Brigadegeneral Joachim Kaschke analysiert die Lage.
„Wir müssen genau das Richtige tun, um die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland zu unterstützen“, sagt Brigadegeneral Joachim Kaschke. Er ist Chef des Steuerungstabs Leitung im deutschen Verteidigungsministerium und war erst kürzlich vor Ort in der Ukraine, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Kaschke betont: „Die Ukraine kämpft Tag und Nacht gegen den Gegner, auf den auch wir uns vorbereiten zu kämpfen. Wir müssen uns auf einen Krieg vorbereiten, damit wir ihn hoffentlich nie führen müssen.“
Nach Einschätzung von Kaschke steht Russlands Präsident Wladimir Putin wegen der effektiven ukrainischen Strategie und der internationalen Unterstützung des angegriffenen Landes zurzeit enorm unter Druck. Der Krieg habe ein entscheidendes Momentum erreicht, die ukrainische Strategie gehe auf. Das Land müsse primär durch eine Verbesserung seiner Flugabwehrfähigkeiten gestärkt und der Fortschritt der russischen Angreifer an der Front gestoppt werden, erläutert Kaschke. „Dafür müssen Schläge im Hinterland die russische Kriegsmaschinerie so treffen, dass Putin endlich zu Verhandlungen gezwungen wird.“
Dabei beobachtet Kaschke, dass Putin zunehmend in die Enge getrieben wird. „Er versucht, seine eigene Bevölkerung von der Wahrheit abzulenken, die an der Frontlinie existiert – nämlich 30.000 bis 35.000 Verluste pro Monat.“ Zudem führe die Ukraine Angriffe weit hinter den Frontlinien bis in die Tiefe Russlands durch. Dadurch werde die russische Logistik abgeschnitten und die Truppen könnten nicht versorgt werden. „Genau so wird die russische Aggression zum Halten gebracht“, ist sich der Brigadegeneral sicher.
Wenngleich Putin ständig versuche, die Grenzen der ukrainischen Flugabwehr auszutesten, dürfe man nicht vergessen, dass diese über 90 Prozent der massiven russischen Drohnenschwärme erfolgreich abwehre. „Hier sieht man die Fortschritte in der Luftverteidigung durch innovative Methoden wie Drohnen gegen Drohnen“, betont Kaschke.
Zudem habe sich der Vormarsch der russischen Seite erheblich verlangsamt. Der Ukraine sei es mit dem Einsatz ihrer neuen Technologien gelungen, den Gegner in Schach zu halten: „Die ukrainischen Streitkräfte agieren flexibler und innovativer als die russische Seite, obwohl sie in der Unterzahl sind.“ Dies zeige Putin sehr deutlich, dass er so den Donbass nicht erobern und seine Ziele nicht erreichen könne. „Jetzt muss er an den Verhandlungstisch“, sagt der Brigadegeneral.
In diesem Krieg geht es nicht ausschließlich um die Freiheit der Ukraine: „Die Sicherheit Europas hängt von der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine ab“, betont Kaschke. Gerade erst beim NATO-Gipfel von Ankara habe die internationale Staatengemeinschaft dies erneut manifestiert. Dort sicherten die Bündnispartner der Ukraine 70 Milliarden Euro finanzielle Hilfen für 2026 und mindestens die gleiche Summe für das darauffolgende Jahr zu. „Wir geben ein klares Signal, dass es sich für Putin nicht lohnt, diese Aggression fortzusetzen“, sagt Kaschke und ergänzt: „Wir sind der größte Unterstützer der Ukraine in Europa.“ Deutschland werde die Luftverteidigung der Ukraine mit weiteren Flugabwehrraketen stärken, um den maximalen Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Gleichzeitig müsse die Frontlinie stabil gehalten werden.
Letztendlich dürfe man nicht vergessen, dass Putins Ambitionen weit über die Ukraine hinausreichten, warnt Kaschke. Deshalb unterstreicht der Brigadegeneral: „Europa ist bereit, nach vorne zu treten und für die eigene Sicherheit auch Verantwortung zu übernehmen.“ Dieses Signal sei auch deutlich von dem NATO-Gipfel in Ankara ausgegangen.
von Kristina Stache