Cyber- und Informationsraum

Aus Neugier wird IT-Karriere – das CITEC

Aus Neugier wird IT-Karriere – das CITEC

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Pöcking
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6 MIN

Hauptmann Meißner* sitzt an einem Computer, neben ihm zehn weitere Soldatinnen und Soldaten. Meißner ist vertieft in einen Pseudozahlencode. Er grübelt. Dann gibt er zwei Zahlen ein – Aufgabe gelöst. Sofort poppt die nächste Frage auf dem Bildschirm auf. Es ist eine Wissensfrage zum Betriebssystem Linux.

Mehrere Personen sitzen an Computern

Die Interessenten stellten sich der Testsituation im CITECCyber/IT Evaluation Center, um eine mögliche ITInformationstechnik-Karriere einzuschlagen.

Bundeswehr/Monika Monden

Hauptmann Meißner war einer von 18 Offizieren, die sich an der Schule für Informationstechnik der Bundeswehr am neu eingerichteten Cyber/ITInformationstechnik Evaluation Center, kurz CITECCyber/IT Evaluation Center, einem ITInformationstechnik-Test stellten. Sie alle wollten ihre Fähigkeiten einem Reality-Check unterziehen. Mögliches Ergebnis: Empfehlung für einen Wechsel in die Karriere eines Offiziers des Cyber/ITInformationstechnik-Dienstes, unter Umständen in den Bereich „Cyber-Operations“. Insgesamt vier Stunden und 80 Multiplechoice-Fragen dauert der Test und beinhaltet Wissensfragen zu Linux und Windows, Pseudocodeaufgaben und das Finden von Lücken in Programmierzeilen. Ziel des Tests war, neben dem reinen ITInformationstechnik-Wissen, auch den effektiven Umgang mit Problemen der ITInformationstechnik und damit die im Cyber/ITInformationstechnik-Dienst effiziente Denkweise abzuprüfen. Bei einem positiven Testergebnis wurde zusammen mit den eigentlichen Personalführern eine mögliche Karriere skizziert.

Für den zivilen Arbeitsmarkt bestens qualifiziert

Hauptmann Meißner ist bereits im elften Dienstjahr. Im Juni 2021 soll seine Dienstzeit enden. „Ich bin als Infanterieoffizier ausgebildet worden und habe dann erfolgreich Elektrotechnik studiert“, so Meißner. „Zu einer wirklich studiennahen Verwendung kam es allerdings während meiner gesamten Dienstzeit dann leider nie.“ Sorgen um seine Zukunft macht er sich nicht: „Mit meinem Studium finde ich sicher einen guten Job auch auf dem „zivilen Markt“, erklärt der Elektrotechniker. „Zudem haben ich mich über den Berufsförderungsdienst auch noch weitergebildet.“ Die ersten Stellenangebote und Nachfragen über die unterschiedlichen Jobportale hat er bereits in der Tasche. Sein Weg „ins Zivilleben“ liegt klar vor ihm. „Ein Wechsel in den Cyber/ITInformationstechnik-Dienst der Bundeswehr kam für mich eigentlich nicht in Betracht“, sagt Meißner. „Eine Weiterverpflichtung als Soldat – warum denn?“

Neugier auf den Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum

Auf die Frage warum ihm es dann die rund 600 Kilometer von seiner Heimat Bonn nach Feldafing am Starnberger See dennoch wert war, antwortet er: „Wenn ich ehrlich bin, war es ein Gefühl, das sich vielleicht am besten als Neugier beschreiben lässt. Neugier auf den neuen Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum.“ Vor allem sei es die Neugier auf die Möglichkeiten sich in der Bundeswehr fachlich auszuwirken gewesen, die dieser Bereich bietet. „Da habe ich vieles gehört, Konkretes wusste ich aber wenig.“

Unterschiedliche Motivation

Auch die anderen zehn Offiziere stehen alle ungefähr zwei Jahre vor ihrem Dienstzeitende, doch die Motivationen unterscheiden sich. Einige strebten einen konkreten Wechsel in den Cyber/ITInformationstechnik-Dienst an. Andere wollten ihren Wissensstand überprüfen und schlichtweg „ihren Marktwert“ testen. Die dritte Gruppe war neugierig auf die neu entstandenen Möglichkeiten – so wie Hauptmann Meißner. „Aber keiner wusste etwas Genaues“, sagt Meißner. „Wie sehen der Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum und der neu geschaffene Werdegang tatsächlich aus? Was für Verwendungsmöglichkeiten gibt es für mich persönlich? Und das Wichtigste: Was erwartet mich während des ITInformationstechnik-Tests konkret?“

Breite Palette an Möglichkeiten

Ein Soldat sitzt vor einem Computer

Die Aufgaben erforderten einiges an ITInformationstechnik-Fachwissen und reichten von Wissensfragen zu Linux und Windows bis zum Finden von Lücken in Programmierzeilen.

Bundeswehr/Monika Monden

„Doch diese Fragen wurden uns bestens beantwortet“, ergänzt Meißner mit einem Schmunzeln am Ende der Veranstaltung. Oberst i.G.im Generalstabsdienst Carsten Busch, verantwortlich für Personalfragen im Kommando CIRCyber- und Informationsraum, erklärte den Interessenten welche Herausforderungen in dem heutigen volatilen sicherheitspolitischen Umfeld bestehen und wie man diesen begegnen muss. „Durch den breiten Auftrag – die gesamte Dimension Cyber- und Informationsraum, bieten wir vielfältige Verwendungsmöglichkeiten im Cyber/ITInformationstechnik-Dienst“, so Busch. „Dabei gliedert sich der neue Werdegang in zwei Karrieremöglichkeiten: ITInformationstechnik-Experten und ITInformationstechnik-Management.“ ITInformationstechnik-Experten entfalten ihre spezialisierten Fähigkeiten vor allem im Rahmen der Cyberverteidigung. Fundierte und topaktuelle Cyber/ITInformationstechnik-Fähigkeiten zeichnen sie aus. Die Offiziere des Teilbereichs ITInformationstechnik-Management übernehmen Führungsaufgaben im Cyber/ITInformationstechnik-Dienst. Von diesen Offizieren wird ausgeprägtes Systemverständnis im Gesamtkontext Cyber/ITInformationstechnik erwartet. „Im Cyber/ITInformationstechnik-Dienst, sind somit bis dato einmalig in der Bundeswehr eine Fachkarriere und eine Führungskarriere etabliert worden. „Der klassische „Geek“ muss zukünftig nicht mehr die Kompanieführung übernehmen, sondern kann rein fachspezifisch eingesetzt werden“, so Busch. „Für Offiziere, die weiterhin Führungsaufgaben oder querschnittliche Tätigkeiten wahrnehmen möchten, bietet hingegen die Führungskarriere weitere interessante Möglichkeiten.“ Beide Karrierepfade haben somit eins gemeinsam: Die Vertiefungen und damit die fachlichen Ausrichtungen werden für eine steigende Professionalisierung im Cyber/ITInformationstechnik-Dienst sorgen und bieten attraktive Entwicklungsmöglichkeiten.

Tiefere Einblicke in die Tätigkeiten

„Neben diesen allgemeinen Informationen zum Werdegang Cyber/ITInformationstechnik waren vor allem auch die konkreten Einblicke in die Aufgaben sehr interessant“, sagt Meißner. ITInformationstechnik-Experten und ITInformationstechnik-Manager, die Teil des Prüfteams waren, stellten ihre jeweiligen Teilbereiche vor und erläuterten, welche Aufgaben Offiziere in den Bataillonen und Zentren des Organisationsbereichs CIRCyber- und Informationsraum übernehmen – vom Softwareentwickler bis hin zum Spezialisten in einem Computer Emergency Response Team. „Langsam wurde allen immer deutlicher, wie vielseitig der Cyber/ITInformationstechnik-Dienst wirklich ist und welche Möglichkeiten sich hier bieten.“ Verwendungen in den großen Ballungszentren Deutschlands mit einer Verwendungsdauer von mindestens fünf Jahren im Teilbereich der ITInformationstechnik-Experten bieten den Offizieren ausreichend Zeit, um sich einerseits fachlich weiterzubilden und sich andererseits inhaltlich in den jeweiligen Disziplinen auszuwirken.

Besuch von höchster Ebene

Ein Soldat spricht mit anderen Soldaten

Generalmajor Jürgen Setzer nahm sich Zeit, um mit den Interessenten zu sprechen und ihre Motivation an dem Test teilzunehmen zu erfahren.

Bundeswehr/Monika Monden

Welchen Stellenwert das CITECCyber/IT Evaluation Center und der damit verbundenen neue Werdegang Cyber/ITInformationstechnik hat, machte auch der Besuch des Stellvertreters des Inspekteur CIRCyber- und Informationsraum, Generalmajor Jürgen Setzer, deutlich. „In den letzten fünf Monaten wurde unter Einbindung der gesamten Expertise im Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum dieser Test entwickelt – von militärischen und zivilen Experten“, erklärte Setzer den Kandidaten. „Mit diesem Test sind zwei Ziele verknüpft. Erstens können wir es uns schlichtweg nicht mehr erlauben, hochqualifiziertes und zudem in der Bundeswehr sozialisiertes Personal einfach ziehen zu lassen, ohne über weitere Möglichkeiten gesprochen zu haben.“ Der Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum wolle mit einer aus dem Testergebnis abgeleiteten fachlichen Empfehlung den entscheidenden Baustein dazu liefern, bis dato ungenutzte Ressourcen für den Cyber/ITInformationstechnik-Dienst zu identifizieren. „ Zweitens stimmt es zwar, dass die Einstellungszahlen laut der Prognosen bis 2022 gut sind - doch gilt dies nicht uneingeschränkt für alle Bereiche. Gerade für ITInformationstechnik-Experten wird unverändert eine hohe Nachfrage seitens der Bundeswehr bestehen“, so Setzer weiter. „Der Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum stellt sich in diesem Kontext zukunftsfähig auf. Und das bedeutet eben auch, dass man über 2022 hinausdenken muss und sich auf keinen Trend, sei er auch noch so vielversprechend, verlassen darf, ohne einen „Plan B“ zu haben.“

Planungen gehen weiter

Auch deshalb hat der Organisationsbereich für das kommende Jahr bereits weitere Testdurchgänge geplant – mehr als 30 Kandidatinnen und Kandidaten stehen „in den Startlöchern“. Zudem wird der Test um weitere Module erweitert. Den Anfang macht eine simulationsgestützte Testung in einer „Cyberrange“, welche der Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr in München entwickeln werden. „Der heutige Tag war erst der Anfang, aber ich darf betonen, ein sehr vielversprechender“, so Setzer.

Empfehlung ja oder nein?

„Ganz zum Ende wurde es dann nochmal richtig ernst für uns Kandidaten“, so Meißner. „Einzeln eröffneten die Prüfer uns das Testergebnis – und für mich hatte es sich ausgezahlt – ich habe so gut abgeschnitten, dass ich mich aus ITInformationstechnik-fachlicher Sicht als einer der Wenigen für die hochspezialisierte Vertiefung der Cyber Operationen empfehlen konnte und am Zentrum Cyber Operationen einen weiterführenden spezialisierten Test durchlaufen darf.“ Auch das anschließende Personalentwicklungsgespräch mit den Personalführern verlief für Meißner vielversprechend. „Sie haben mir ein konkretes Angebot für eine Weiterverwendung und Dienstzeitverlängerung im Werdegang Cyber/ITInformationstechnik-Dienst gemacht“, sagt Meißner mit ein wenig Stolz. „So kann ich doch mein Fachwissen innerhalb der Bundeswehr anwenden und eine richtige ITInformationstechnik-Karriere starten.“

* Name von der Redaktion geändert

von KdoCIR   E-Mail schreiben

Im Interview: Der Inspekteur CIRCyber- und Informationsraum zum ITInformationstechnik-Personal

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