Cyber- und Informationsraum
Auswärtige Sitzung

Verteidigungsausschuss zu Gast beim Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum

Verteidigungsausschuss zu Gast beim Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum

Datum:
Ort:
Rheinbach
Lesedauer:
4 MIN

Die Tomburg-Kaserne in Rheinbach: Bei bedeckten, aber trockenem Wetter fährt der Bus mit 22 Abgeordneten des Deutschen Bundestags durch das Kasernentor. Begleitet werden sie durch den Inspekteur des Organisationsbereichs CIRCyber- und Informationsraum, Vizeadmiral Dr. Thomas Daum, der mit den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses am frühen Morgen in Berlin gestartet war.

Eine Gruppe Menschen steht vor einem Soldaten, der wiederum vor einem Gerät mit vielen Antennen steht.

Der Verteidigungsausschuss in der Übung Gelber Merkur: Die Mitglieder des Verteidigungsausschusses lassen sich das Material und die Aufgaben eines mobilen Service Delivery Points im laufenden Betrieb erklären.

Bundeswehr/Stefan Uj

Zunächst gibt es für die Abgeordneten eine Gesamtübersicht zum Cyber- und Informationsraum: Ursprünglich gegründet, um die Fähigkeiten der Bundeswehr in den Bereichen Cyber, Informationsraum, Digitalisierung der Bundeswehr und Weltraum zu bündeln, stehen die Soldatinnen und Soldaten aufgrund der umfangreichen und vielfältigen hybriden Bedrohungen bereits jetzt rund um die Uhr an vorderster Front. Um den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses die Fähigkeiten erlebbar zu machen, geht es dann zu einer Ausstellung und dynamischen Waffenschau nach draußen.

Raus ans Gerät

Dort werden sie mit einer Mischung aus Vorfreude und Neugierde erwartet, schließlich bekommt man den Verteidigungsausschuss nicht jeden Tag zu sehen, erklärt Oberleutnant Lukas K., Verantwortlicher beim Service Delivery Point: „Ich finde es gut, dass sich die Mitglieder des Verteidigungsausschusses die Zeit nehmen, sich vor Ort, bei den Fachleuten, zu informieren.“

Und dann geht es auch schon an die erste Station mit dem sogenannten Abstrahlprüftrupp des Zentrums für Cybersicherheit. Der Kernauftrag der Soldatinnen und Soldaten ist es, durch die Bundeswehr genutzte Räume wie Kasernen, Feldlager oder Ähnliches mit Spezialgerät auf verräterische Abstrahlung zu prüfen. Damit wird sichergestellt, dass Gegner nicht in der Lage sind, wichtige und geschützte Informationen abzuhören.

Es folgt die Station des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr, der ebenfalls zum Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum gehört. Hier werden die verschiedenen Serviceleistungen für die Truppe praktisch vorgeführt. An erster Stelle steht ein Prototyp zur Vermessung von Geländeabschnitten mit Schwerpunkt Straßen und Brücken. Diese werden mit Lasern digital erfasst und dann zu 3D-Bildern und Filmen verdichtet. Auf diese Weise lassen sich digitale 3D-Karten erstellen. Diese können dann zur Einweisung und Ausbildung von Kraftfahrern nicht nur bei der Bundeswehr, sondern auch von der NATO genutzt werden. 

Überleben auf dem Gefechtsfeld

Die nächste Station steht ganz im Zeichen des Elektronischen Kampfs. Beginnend mit dem Mobilen Geschützten Fernmeldeaufklärungsfahrzeug lassen sich beispielsweise Funksignale anmessen und örtlich zuordnen, wie zum Beispiel feindliche Gefechtsstände. Diese können dann schnell durch den Einsatz von Artillerie oder durch die Luftwaffe bekämpft werden. 

Bei den beiden Transportpanzern Fuchs nebenan dreht sich wiederum alles um das Thema Stören von Signalen. Die Abgeordneten können selbst ausprobieren, wie sich funkbasierte Zünder stören lassen, kleine Explosionen als Gegencheck inbegriffen. In Afghanistan und Mali hat sich diese Technik, mitgeführt in Patrouillen und Konvois, bewährt. Höhepunkt an dieser Station ist eine Drohnenvorführung, bei der eine eigene handelsübliche Drohne bei ihrem Anflug durch die EloKaElektronische Kampfführung-Kräfte gestört wird.

Eine Gruppe Menschen steht vor einem Soldaten, der wiederum vor einem Gerät mit vielen Antennen steht.

Soldaten des Zentrums für Cybersicherheit erklären Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann und ihren Kollegen, mit welchen Techniken und Gerät sie Abstrahlung und Abhörvorrichtungen aufspüren können. Nicht erst jetzt ein wichtiges Thema.

Bundeswehr/Stefan Uj
Eine Gruppe Menschen schaut auf eine Reihe an kleinen Gegenständen, die auf einem Tresen präsentiert liegen.

An den Stationen der ELOKA lernen und erleben die Angehörigen des Verteidigungsausschusses das Stören von ferngezündeten Sprengladungen, wie es sich seit Jahren im Einsatz bewährt hat

Bundeswehr/Stefan Uj

Durch CIRCyber- und Informationsraum weltweit führungsfähig

Die dritte Station widmet sich dem Thema Kommunikation. Fünf Soldatinnen und Soldaten mit großen Rucksäcken stellen das Kleinstnetzwerk dar. Schon nach fünf Minuten Arbeit steht das Netz, mit dem weltweit Sprech- und Datenverkehr durchgeführt werden kann. Bis zu 100 Mobiltelefone lassen sich in das militärische Netz einbinden, programmierbare SIM-Karten inklusive. Damit wird die ITInformationstechnik-Truppe sozusagen zum Mobilfunkprovider, nur ohne Handyvertrag. Die Abgeordneten erfahren dabei auch, dass das System die Evakuierungsoperation im Sudan unterstützt hat, also einsatzerprobt ist.

Es folgt der größte Besichtigungspunkt: zwei große 25-Meter-Antennen, eine große Parabolschüssel auf einem Lkw-Anhänger für die Satellitenkommunikation sowie mehrere militärische Anhänger und Zelte unter Tarnnetzen. Im sogenannten Service Delivery Point (SDPService Delivery Point) herrscht Hochbetrieb. Er ist Teil der Übung Gelber Merkur, die seit einigen Tagen läuft und an der alle militärischen Organisationsbereiche beteiligt sind. Aufgabe des SDPService Delivery Point ist es, die Kommunikation zwischen Gefechtsständen auf mehreren Übertragungswegen sicherzustellen. Die Mitglieder des Verteidigungsausschusses bekommen an dieser Station unmittelbare Eindrücke vom Übungsgeschehen.

Operative Kommunikation im Einsatz

An der letzten Station wird es dann einsatzlastig. Geschützte Fahrzeuge in grünem oder sandfarbenem Flecktarnmuster umrahmen die Soldatinnen und Soldaten vom Zentrum für Operative Kommunikation. Mit Kameras, Laptops und den notwendigen Übertragungsgeräten stellen sich die Soldatinnen und Soldaten des Einsatzkamerateams den Abgeordneten vor. Ihr Auftrag ist es, Bilder und Videos zur Lagedarstellung für die militärische und politische Führung zu erstellen und nach Deutschland zu schicken. 

Ihnen gegenüber stehen die Kameradinnen und Kameraden des Lautsprechertrupps nebst ihrem Truppfahrzeug Dingo. Interessiert lauschen die Abgeordneten den Ausführungen der Soldatinnen und Soldaten und nutzen die Gelegenheit, die Simulation von Fahrzeug- und Kettengeräuschen einmal selbst auszuprobieren. Mit ihr können feindliche Kräfte getäuscht werden.

Für den Verteidigungsausschuss und die Soldaten ein Gewinn

Das mehr als vierstündige Programm endet mit einem Erinnerungsfoto von Abgeordneten und beteiligten Soldatinnen und Soldaten. In diesem Rahmen bedankte sich die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, ausdrücklich bei den Soldatinnen und Soldaten für die vielen Informationen und Vorführungen sowie für die Leistungen, die sie tagtäglich für die Sicherheit der Bundesrepublik erbringen.

Für die Soldatinnen und Soldaten bringt es Oberstabsfeldwebel Christof S. auf den Punkt: „Ich bin mit dem Tag zufrieden. Von den Abgeordneten kamen viele Fragen zu meinem System und seinen Einsatzmöglichkeiten, da hätte ich mir ein paar Minuten mehr Zeit gewünscht.“

Auch die Bürgerinnen und Bürger werden beim Tag der Bundeswehr am 8. Juni 2024 beispielsweise in Mayen die Chance haben, sich die genannten Fähigkeiten einmal selbst anzuschauen.

von Torsten Stephan  E-Mail schreiben

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