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Erste Zivilkraftfahrerin auf dem Schützenpanzer Puma

Erste Zivilkraftfahrerin auf dem Schützenpanzer Puma

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Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
4 MIN

Der Schützenpanzer Puma fährt durch das Gelände und hält am Waldrand. Die Heckklappe öffnet sich, eine Gruppe junger Soldaten sitzt ab. Kurz darauf öffnet sich die Fahrerluke. Lächelnd nimmt eine Frau ihre Sprechhaube ab und klettert aus der Luke. Es ist Jana Sadewasser, die erste zivile Panzerfahrerin der Fahrbereitschaft der Panzertruppenschule Munster.

Eine Frau mit Panzerhaube und Kopfhörern schaut aus der Luke eines Panzers.

Freut sich über ihren neuen Job: Jana Sadewasser ist die erste zivile Panzerfahrerin in Munster.

Bundeswehr/Michel Baldus

Dies ist der Start in den Tag für angehende Panzergrenadieroffiziere, die derzeit als Richtschützen in Munster ausgebildet werden. Die Soldaten haben sich bereits hinter dem Fahrzeug versammelt, um sich für die Befehlsausgabe Instruktionen und Aufgaben für ihren Ausbildungstag durch Hörsaalleiter Major Nico Günther abzuholen. Mit dabei ist Panzerfahrerin Jana Sadewasser, die zuvor ihren Schützenpanzer durch das Gelände manövriert hatte.

Jana Sadewasser arbeitet seit dem 1. April als Zivilkraftfahrerin in einer der sogenannten Kettenkomponenten der Fahrbereitschaften der Panzertruppenschule Munster. Mit der in Greifswald geborenen Sadewasser ist erstmals eine Frau in der Männerdomäne der Zivilkraftfahrer „Kette“ an der Panzertruppenschule in Munster aufgetaucht. Immer wieder schreibt die Bundeswehr für Zivilisten Stellen als Panzerfahrer aus. Sie müssen nicht gedient haben, aber natürlich über die entsprechende Eignung und Fahrerlaubnis verfügen. Ihre Vorgesetzte, Oberleutnant Pia Collaris, ist voll des Lobes über die engagierte Sadewasser, die sich im Auswahlverfahren gegen ihre männlichen Mitbewerber durchsetzen konnte. „Wir hatten bis dato immer wieder mal Frauen, die sich für diesen Job interessiert und auch beworben haben. Leider sind sie jedoch im letzten Augenblick immer wieder abgesprungen“, bedauert Collaris, die unterstreicht, dass der Führerschein für den Puma Bedingung für die Einstellung war. Doch diese Hürde hatte Sadewasser nach einer vierwöchigen Ausbildungszeit am Kraftfahrausbildungszentrum Munster mit Bravour genommen und das „Patent“ in der Tasche.

Top vorbereitet

Fünf Soldaten und eine Zivilistin hocken im Wald im Kreis hinter einem Panzer und besprechen sich.

Hundertprozentige Einbindung: Major Nico Günther (M.) bei der Befehlsausgabe mit Zivilkraftfahrerin Jana Sadewasser (2.v.l.) an seiner Seite

Bundeswehr/Michel Baldus

„Ich wollte schon immer Panzer fahren“, sagt die Mutter einer erwachsenen Tochter und erzählt, dass die Idee, sich für die ausgeschriebene Stelle beim Bundeswehrdienstleistungszentrum (BwDLZBundeswehr-Dienstleistungszentrum) Munster zu bewerben, eigentlich von ihrem Ehemann stammt. Zunächst als Schnapsidee wieder verworfen, war der Funke trotzdem gelegt und bereits kurz darauf hatte sich Sadewasser für ein 14-tägiges Praktikum, eine sogenannte Erprobungsbeschäftigung, beworben. Danach ging alles ziemlich schnell und ihre Bewerbung landete beim BwDLZBundeswehr-Dienstleistungszentrum Munster und bei Collaris auf dem Tisch. „Für das Vorstellungsgespräch war ich sehr gut vorbereitet, denn ich hatte so ziemlich alle technischen Details über die Panzer Puma, Marder und Leopard gelernt, um vor dem Gremium zu bestehen“, so die 42-Jährige, die sich aufgrund der Coronaeinschränkungen jedoch noch weitere 15 Monate gedulden musste, bis die erforderlichen administrativen Prozesse und ärztlichen Untersuchungen abgeschlossen waren.

Viel Technik und Theorie

„Ich habe mich riesig auf meinen ersten Tag bei der Bundeswehr gefreut, der zugleich auch der Beginn der Fahrschulausbildung war“, so Sadewasser, die sich neben den fahrerischen Tätigkeiten auch mit viel Technik und noch mehr Theorie befassen musste. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung ging es gleich in das Team zu Oberleutnant Collaris, wo sich die sportbegeisterte und hundeliebende Sadewasser nun als Kraftfahrerin beweisen muss und die Ausbildung der Panzergrenadiere unterstützen wird. Und auch ihr Vorarbeiter Dirk Mohwinkel war sichtlich begeistert von der neuen Kollegin. „Jana hatte bereits in ihrem Praktikum großen Enthusiasmus und Interesse gezeigt. Sie scheut sich nicht, bei technischen und anderweitigen schweren Arbeiten, wie dem Polstern der Kette, mit anzupacken. Im Kollegenkreis ist sie absolut integriert und wird als Kollegin geschätzt“, unterstreicht Mohwinkel.

Erste Erfahrungen im Gelände

Eine Frau und ein Mann sitzen auf einem Panzer und führen eine technische Kontrolle am Panzer durch.

Jana Sadewasser und Dirk Mohwinkel bei der technischen Durchsicht des Schützenpanzers Puma. Sie messen mit einem Peilstab einen Flüssigkeitsstand.

Bundeswehr/Michel Baldus

Nach der Eingewöhnungsphase im neuen Kollegenkreis und Arbeitsumfeld ging es für Jana Sadewasser dann auch bald das erste Mal mit dem Schützenpanzer Puma ins Gelände. Mit Major Nico Günther und seinem Hörsaal 92, einem einjährigen Lehrgang für angehende Panzergrenadieroffiziere, musste die frisch gebackene Panzerfahrerin in schwierigem Gelände erstmals ihr fahrerisches Können unter Beweis stellen. Seit Januar werden in Munster die von der Universität kommenden Offiziere in diesem speziellen Ausbildungsabschnitt mit den Tätigkeiten des Richtschützen vertraut gemacht. Sadewasser muss dafür das Kettenfahrzeug fehlerfrei durch unwegsame Abschnitte im Truppenübungsgebiet manövrieren.

„Natürlich ist Frau Sadewasser noch unerfahren und der Puma als System überaus komplex. Daher kostet es viel Zeit, sich mit den Fahreigenschaften, insbesondere im Gelände, auseinanderzusetzen, um alles zu beherrschen. Aber Jana Sadewasser ist sehr lernbereit und bindet sich zu einhundert Prozent mit ein. Auch nimmt sie an unseren taktischen Ausbildungsbesprechungen teil und scheut sich nicht, Fragen zu stellen“, unterstreicht der erfahrene Hörsaalleiter. Dann röhrt es kurz auf und die Fahrerin verschwindet mit ihrer motorisierten Wildkatze und den Soldaten in den Tiefen des Munsteraner Übungsplatzes.

von Paul Hicks

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