Sanitätsdienst

Jubiläum: 60 Jahre Sanitätsstandort Leer

Jubiläum: 60 Jahre Sanitätsstandort Leer

Datum:
Ort:
Leer
Lesedauer:
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Seit 1961 ist der Sanitätsdienst in Leer beheimatet und dort auch für die Bevölkerung des Ortes nicht mehr wegzudenken. Das 60-jährige Jubiläum ist ein Grund für einen Blick in die ereignisreiche Vergangenheit des Standortes, sowie dessen Entwicklung.

Schwarz-Weiß-Bild von Soldaten, die in Formation eine Straße in einer Stadt entlang maschieren

Februar 1961: Mit Musikformation vorweg zogen die ersten Sanitätssoldaten der Bundeswehr in die Leeraner Kaserne ein

Bundeswehr

In den frühen Morgenstunden des 28. Februar 1961 ziehen die ersten Soldaten des Sanitätsbataillons 11 in die Leeraner Kaserne ein. Mit den Worten „Herr Bürgermeister, ich melde Ihnen das Sanitätsbataillon 11 zum ersten Male in dem neuen Standort angetreten“, stellte der damalige Kommandeur, Oberfeldarzt Dr. Hafner, seinen Verband vor. Zeitgleich entsteht das Sanitätsbataillon 110, das aber nach fünf Jahren Leer wieder verlässt und im Zuge des „Budel-Seedorf-Abkommens“ in das niederländische Budel verlegt.

Landesverteidigung und Katastrophenhilfe

Als Teil der Divisionstruppen der 11. Panzergrenadierdivision sind die ersten drei Jahrzehnte von Aufwuchs, Übungstätigkeiten und Realversorgung gekennzeichnet. So zum Beispiel im September 1976, als das Bataillon mit fünf Kompanien an der mit mehr als 60.000 Soldaten durchgeführten Großübung „Großer Bär“ teilnimmt. Auch sind Leeraner Sanitäter regelmäßig dabei, wenn ihre Division auf die Truppenübungsplätze um Munster verlegt.

Daneben ist immer wieder die Hilfe der Soldaten für die leeraner und ostfriesische Zivilbevölkerung bei Naturkatastrophen gefragt. Dies besonders während der großen Sturmflut von 1962 und den Schneekatastrophen von 1966, 1971 und 1979.

Vom Kalten Krieg zu Auslandseinsätzen

Zu Beginn der 90er Jahre gab es eine neue Herausforderung: Auslandseinsätze. Bereits im Mai 1993 nahmen die Angehörigen des Sanitätsbataillons 11 an der UNTACUnited Nations Transitional Authority in Cambodia-Mission in Kambodscha teil und im Juli 1993 wurden weitere Leeraner Soldaten nach Somalia verabschiedet (UNOSOMUnited Nations Operation in Somalia-II). 1995 folgte dann der Kroatien-Einsatz und der Betrieb des Feldlazaretts in Trogir, sowie dessen Verlegung in einen Vorort von Sarajewo. 1998 nehmen 114 Sanitäterinnen und Sanitäter am SFORStabilisation Force-Einsatz in Bosnien-Herzegowina teil und 1999 sind es wiederum Kräfte aus Leer, die zum Kern des ersten Kontingentes des KFORKosovo Force-Einsatzes im Kosovo gehören. Parallel betreiben sie 1999 im Rahmen des AFOR-Einsatzes in Albanien ein Rettungszentrum.

Strukturänderungen

Nicht nur die ersten Auslandseinsätze prägten die 90er Jahre. Auch gravierende Strukturänderungen innerhalb des Sanitätsdienstes der Bundeswehr hatten Auswirkungen auf den Standort Leer. 1993 wurde das Sanitätskommando des I. Korps in Münster aufgelöst. Gleichzeitig wurde die Sanitätsbrigade 1 aufgestellt und nach Leer verlegt. Ihr wurden das Sanitätsbataillon 11, die Luftlandesanitätskompanie 270 in Varel sowie die Sanitätsmaterialkompanie 100 in Dülmen unterstellt. Damit wurde Leer Standort eines sanitätsdienstlichen Großverbands. 1996 verabschiedeten sich Teile des Sanitätsbataillons 11 nach Fürstenau, um dort die Umgliederung des Bataillons zum gemischten Lazarettregiment 11 durchzuführen. Gleichzeitig vergrößerte sich die Sanitätsbrigade 1 aber deutlich, da sie mittlerweile die einzige Sanitätsbrigade des Heeres war und weitere Verbände und Einheiten im gesamten Bundesgebiet unterstellt bekam.

Aufstellung des Kommando SESSchnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst

Ein Konvoi von sechs gepanzerten Fahrzeugen auf einer Wüstenpiste in Afghanistan

Seit fast 30 Jahren stehen Leeraner Sanitätssoldatinnen und -soldaten ununterbrochen im Einsatz

Bundeswehr/Kazda

Der Beginn des neuen Jahrtausends stand im Zeichen einer erneuten Bundeswehrreform. Durch weitreichende Bündelung sanitätsdienstlicher Kräfte entstand der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr (ZSanDstBwZentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr) als eigenständiger militärischer Organisationsbereich. Daraus resultierte der Wechsel der Sanitätsbrigade 1 „Ostfriesland“ vom Heer zum ZSanDstBwZentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr. Parallel dazu galt es, einen Verband aufzustellen, der in der Lage ist, innerhalb kürzester Zeit an jedem Ort der Welt sanitätsdienstliche Unterstützungsleistungen zu erbringen. Dies war die Geburtsstunde des heutigen Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (KdoKommando SESSchnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst) „Ostfriesland“.

Herausforderungen der Gegenwart

Neben diesem kontinuierlichen Engagement in Auslandseinsätzen und dem eigentlichen Grundbetrieb kamen in jüngster Zeit weitere unerwartete Herausforderungen auf das KdoKommando SESSchnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst zu.

COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie

Bei der Bekämpfung der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie leisteten die Leeraner sowohl in den Bundeswehrkrankenhäusern und -apotheken als auch in zivilen Krankenhäusern, Altenpflegeheimen, Gesundheitsämtern oder Impfzentren umfangreiche Unterstützung. Im Februar 2021 erhielt das KdoKommando SESSchnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst insbesondere aufgrund seiner Eigenschaft, schnell weltweit verfügbar zu sein, den Auftrag, kurzfristig bei der Pandemiebekämpfung in Portugal zu unterstützen.

Flutkatastrophe an der Ahr

Die Flutkatastrophe im Ahrtal vom 14. Juli 2021 forderte die Bundeswehr und damit auch das KdoKommando SESSchnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst erneut. Sanitätskräfte aus Leer waren schnell vor Ort, um zu helfen.

Evakuierungsoperation Afghanistan

So auch im August 2021. Bei der Evakuierung von deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern und afghanischen Ortskräften in Kabul und Taschkent waren Teile des KdoKommando SESSchnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst vor Ort, um die sanitätsdienstliche Versorgung sicherzustellen – das letzte Kapitel des Afghanistaneinsatzes für die Leeraner Garnison.

Ausbildungs- und Simulationszentrum kommt nach Leer

Infrastrukturell erlebt der Standort derzeit wieder Veränderungen. Das Ausbildungs- und Simulationszentrum aus Delmenhorst verlegte im Sommer 2020 nach Leer – der noch im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg befindliche Teil wird bald folgen. Dies bedeutet eine erhebliche Zunahme der Ausbildungskapazitäten am Standort, die von Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet genutzt werden.

Die Bundeswehr gehört zu Leer

Soldaten, die in einem Ratssaal sitzen.

Einsatzrückkehrer des KdoKommando SESSchnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst werden im Rathaussaal der Stadt Leer empfangen. Ebenfalls anwesend war der damalige Bundesminister der Verteidigung, Dr. Peter Struck.

Bundeswehr/Rott

Ob Sturmflut oder Schneesturm – die Unterstützung der Bevölkerung in Krisenzeiten war und ist immer eine wichtige Aufgabe für die Leeraner Garnison. Sicherlich hat dieses Engagement zur hervorragenden Entwicklung des Verhältnisses von Stadt und Soldaten stark beigetragen. Die immer enger werdenden Bande zwischen Zivilbevölkerung und Bundeswehr drücken sich auch in gemeinsamen Veranstaltungen und Vereinsgründungen aus.

1975 wird mit dem Leeraner Soldatenmarsch, dem heutigen Püntenmarsch, erstmals eine jährlich wiederkehrende Wohltätigkeitsveranstaltung in Zusammenarbeit mit der Stadt Leer durchgeführt. Bis heute besteht mit der Stadt eine innig gelebte Patenschaft. Die Gründung des Vereins „Wir Bürger für die Soldaten in Leer e. V.eingetragener Verein“ 2011 ist ein ebenso wichtiges Zeugnis dafür, wie die Aktivitäten des Vereins „Gelbe Schleife“, der seit zehn Jahren Soldatinnen und Soldaten im Einsatz mit Geschenken bedenkt. Nicht zu vergessen ist das traditionelle Grünkohlessen, bei dem in jedem Jahr hunderte Gäste des öffentlichen Lebens in der Evenburg-Kaserne bewirtet werden.

Ausstellung zu 60 Jahren Geschichte

60 Jahre Sanitätsstandort Leer ist eine Erfolgsgeschichte, mit der es sich zu beschäftigen lohnt. Diese bewegte Geschichte und die Einsatzerfahrungen der Soldatinnen und Soldaten werden in Form einer Regionalen Ausstellung im Offizierheim an der Papenburger Straße eindrucksvoll präsentiert.

von Udo Lükenbroer und Andreas Biebricher

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