Sanitätsdienst

Digitalisierung: Die elektronische Gesundheitsakte kommt

Digitalisierung: Die elektronische Gesundheitsakte kommt

  • Digitalisierung
  • Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung
Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
3 MIN

Unter strengen Corona-Auflagen startete am 14. Oktober 2020 im Sanitätsunterstützungszentrum Köln-Wahn die Kick-Off Veranstaltung zur Einführung der digitalen Gesundheits-Akte. Das SAP-gestützte Programm für die digitale Akte soll ab dem 23. November im Sanitätsversorgungszentrum Köln-Wahn erprobt werden.

Ein Soldat hält ein Tablet

Digitalisierung der Gesundheitsakten der Soldatinnen und Soldaten

Bundeswehr/Markus Dittrich

Im Verlauf des kommenden Jahres wird das Programm auf weitere Sanitätseinrichtungen im Verantwortungsbereich des Sanitätsunterstützungszentrums Köln-Wahn ausgedehnt werden. Das Programm wurde und wird weiterhin in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, der BWI und dem Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung entwickelt.

Elektronische Rezepte und Überweisungen

Neben der Behandlungsdokumentation und Terminplanung wird es auch der Erstellung von Rezepten und Überweisungen sowie der verbesserten Abwicklung von Heilfürsorgeangelegenheiten dienen. Die Erprobung im realen Behandlungsalltag dient als Praxistest und soll mögliche „Kinderkrankheiten“ erkennen und beseitigen, bevor es im Mai 2021 zum flächendeckenden Roll-Out kommt.

Ab 2023 in jedem Sanitätsversorgungszentrum

Bis Ende 2022 wird das Programm in sämtlichen Sanitätsunterstützungszentren und Sanitätsversorgungszentren verfügbar sein. Die Zahnarztgruppe und das Facharztzentrum Köln-Wahn nehmen ebenfalls an der Erprobung teil. Das Programm ist jedoch noch nicht auf die spezifischen Bedürfnisse verschiedener Fachrichtungen zugeschnitten, sondern unterstützt zunächst vorrangig den truppenärztlichen Bereich.

Digitale Patientenführung

Eine Akte liegt auf einem Tisch

Ist die digitale Gesundheitsakte erst eingeführt, werden die Papierakten nach und nach verschwinden.

Bundeswehr/Markus Dittrich

In das zivile Gesundheitssystem hat die digitale Patientenführung längst Einzug gefunden. Seit Jahren werden dort die Patientenakten in den meisten Hausarzt- und Zahnarztpraxen computergestützt geführt. Auch Bundeswehrkrankenhäuser verfügen über ein auf sie zugeschnittenes elektronisches Datenverarbeitungssystem. Bereits 2006 wurden erste Ansätze zur digitalen Patientenakte im Sanitätsdienst verfolgt. Der Streitkräfte umfassende und grundlegende Gedanke der papierlosen Bundeswehr stammt schließlich aus dem letzten Jahrhundert. Was die große Herausforderung bei der Entwicklung der digitalen Gesundheitsakte war, wird in Zukunft gleichzeitig ihre große Stärke sein: Die gesteuerte, deutschlandweite Verfügbarkeit, egal wo sich die Soldatinnen und Soldaten als Patienten vorstellen.

Datenschutz-Grundverordnung als Herausforderung

Es gibt einen gesättigten Markt für zivile Praxisunterstützungssoftware, die Installation in eine Hausarztpraxis ist keine große Schwierigkeit. Eine Praxisunterstützungssoftware deutschlandweit in mehr als 180 Sanitätseinrichtungen zu installieren und die Zugriffsrechte für circa 4.700 Anwenderinnen und Anwender zu regeln, ist hingegen eine enorme Herausforderung, allein schon, um der Datenschutz-Grundverordnung gerecht zu werden. So werden nur die zuständigen Truppenärzte und das Sanitätspersonal am Dienstort Zugriff auf alle Patientendaten haben. Stellt sich eine Soldatin als Patientin standortfremd in einer für sie nahegelegenen Sanitätseinrichtung vor, muss sie dort erst die Zugriffsrechte erteilen, damit die Daten eingesehen werden können.

Im Homeoffice zum nächstgelegenen Truppenarzt

Gerade zur Zeit der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie, viele Soldaten befinden sich im Homeoffice, geht das Gros der Erkrankten eher zum nächstgelegenen Truppenarzt, als die Reise zum Dienstort anzutreten. In den, sonst nicht derart frequentierten Sanitätseinrichtungen führt dies zu erhöhtem Klärungsbedarf, weil keine Patientendaten vorliegen, auf die zurückgegriffen werden kann. Zusätzlich entstehen wiederum Daten, die dem eigentlich zuständigen Truppenarzt übersandt werden müssen. Ein Mehraufwand, der bei begrenzten zeitlichen und personellen Ressourcen letztlich nicht nur mehr Wartezeit für einzelne Patienten bedeutet. Dies wird in Zukunft vermieden werden.

Vorreiter für das zivile Gesundheitssystem?

Ein Soldat steht an einem Pult und hält eine Rede

Der Kommandeur des Kommandos Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung, Generalstabsarzt Dr. Armin Kalinowski befürwortet die Einführung der digitalen Gesundheitsakte

Bundeswehr/Sieberz

Der Kommandeur des Kommandos Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung, Generalstabsarzt Dr. Armin Kalinowski, fühlt sich an einen frühen Abschnitt seiner Karriere erinnert. In seiner damaligen Funktion als Arztschreiber pflegte er noch selbst die Papierakten und sehnte sich nach einer besseren Lösung:

Männliches glattrasiertes Gesicht mit lichten, von links nach rechts gekämmten grauen Haaren
Generalstabsarzt Dr. Armin Kalinowski, Kommandeur des Kommandos Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung in Diez
"Die digitale Akte kommt 20 Jahre später, aber nicht zu spät."

„Wenn wir noch weitere 10 Jahre warten, könnten wir allerdings vom Gesetzgeber eingeholt werden. So schaffen wir heute ein bundesweites System, welches vielleicht Vorreiter für das zivile Gesundheitssystem werden könnte“, so Dr. Kalinowski.

von Ben Fuchs

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