Sanitätsdienst
Zivil-Militärische Zusammenarbeit

Krisenkommunikation in der Pandemie

Krisenkommunikation in der Pandemie

Datum:
Ort:
Koblenz

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Oberfeldarzt Dr. Svenja Liebler ist in der Arbeitsgruppe „Risiko- und Krisenkommunikation“ des Beirates zur Beratung zukunftsfähiger Strukturen im Öffentlichen Gesundheitsdienst (Beirat Pakt ÖGD) tätig. Im Interview spricht die Medizinerin über ihre Arbeit und die Ergebnisse des durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMGBundesministerium für Gesundheit) bestellten Gremiums.

Das Bild der Erde aus dem Weltraum mit Kommunikationssymbolen darum.

In einer Pandemie ist die Kommunikation mit den Betroffenen essentiell, um Verständnis für die notwendigen Eindämmungsmaßnahmen zu erzeugen

pixabay/pete linforth

5 Fragen an Oberfeldarzt Dr. Svenja Liebler

Eine Soldatin mit einer FFP-2 Maske
Bundeswehr/Patrick Grüterich

Frau Oberfeldarzt Dr. Liebler, wie sah die praktische Arbeit in der Arbeitsgruppe aus und welche Punkte konnten Sie einbringen?

Eine Soldatin mit einer FFP-2 Maske

Nicht nur pandemiebedingt, sondern auch durch die zeitlich begrenzten Kapazitäten der Beteiligten fand und findet die Arbeit zumeist online in Form von Videokonferenzen statt. Dabei werden zuvor erarbeitete Papiere inhaltlich abgestimmt. Dies ähnelt der Arbeit in einer Kommandobehörde, wo Vorlagen erstellt und dann in Form von Mitzeichnungsgängen oder Abstimmungskonferenzen finalisiert werden. Das Ergebnis der Arbeitsgruppe findet sich im vorliegenden Bericht, welcher der fachlichen Beratung des BMGBundesministerium für Gesundheit beziehungsweise des Bundes und der Bundesländer dient. Ein erstes Treffen vor Ort fand im Herbst im Gesundheitsministerium in Bonn statt. Eine hervorragende Möglichkeit mit den Entscheidungsträgern aus dem zivilen Bereich sowie dem BMGBundesministerium für Gesundheit persönlich in Kontakt zu kommen. Es war aber auch eine Chance auf die Belange der Bundeswehr als eine Art 17. Bundesland hinzuweisen, die teilweise den zivilen Behörden nicht bekannt sind.

Wie ist die Analyse zur Krisen- und Risikokommunikation über die Ebenen der EUEuropäische Union, des Bundes und der Länder verlaufen? Was sind die Ratschläge?

Eine Soldatin mit einer FFP-2 Maske

Eine gelungene Risiko- und Krisenkommunikation ist zielgruppenspezifisch und adressatengerecht und damit sehr personalintensiv. Personal hierfür muss schon im Vorfeld einer Krise adäquat ausgebildet sein und in der Krise dann von anderen Aufgaben flexibel freigestellt werden. Die Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen war in den letzten zwei Jahren der Corona-Pandemie nicht reibungslos. Die Verordnungen des Bundes wurden häufig im Vorfeld bekannt, noch bevor die Länder ihre Landes-Verordnungen erstellen konnten. Die Kommune erhielt dann wiederum Bürgeranfragen, ob und ab wann welche Regelungen gelten. Verschärft wurde diese Situation durch wöchentlich neue Verordnungen.

Dieses Dilemma schlug und schlägt sich auch im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung nieder, da die Dienststellen bundesweit verteilt sind. Die unterschiedlichen Vorgaben, jetzt beispielsweise hinsichtlich der Aufhebung der Isolierung in 5 von 16 Bundesländern, verunsichern die Dienststellen und die oft auch noch zwischen den Bundesländern pendelnden Soldatinnen und Soldaten und zivilen Mitarbeitenden. Auch in der Bundeswehr sind Mitzeichnungs- und Beteiligungswege zu berücksichtigen, was auch hier immer wieder zu einer Zeitverzögerung führte.

Zusammenfassend ist aus meiner Sicht das größte Problem, dass neben der „Experteneinbindung“ bei der Entschlussfassung auch die Vertraulichkeit der Beschlüsse oder Entwürfe und eine zeitlich und inhaltlich abgestimmte Kommunikation der Behörden fehlte. Entscheidungen auf politischer Ebene wurden zum Teil von Einzelpersonen getroffen und per Twitter verbreitet. Und gerade die Verbreitung ungeprüfter Informationen über soziale Medien hat zu einer Vielzahl von Fake News geführt, die nur schwer wieder aus der Welt zu schaffen waren.

Die Ergebnisse liegen nun vor. Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Punkt?

Eine Soldatin mit einer FFP-2 Maske

Ganz entscheidend aus meiner Sicht ist die Forderung an die Politik, dass Amtsträgerinnen und Amtsträger verstehen müssen, welchen Schaden spontane und nicht abgestimmte Äußerungen gegenüber der Presse anrichten können. Der Bevölkerung muss vermittelt werden, wieso die Behörden gerade in einer dynamischen Lage Zeit benötigen, etwa um belastbare Antworten zu geben, die mit Dritten abgestimmt sind. Verlässliche Kommunikationskanäle müssen schon im Vorfeld der Krise etabliert sein. Empfohlen werden hier vom Beirat eine stärkere Zentralisierung und Standardisierung der Kommunikation.

Können wir daraus etwas für unsere eigene Kommunikation ableiten?

Eine Soldatin mit einer FFP-2 Maske

Die Ergebnisse der Analyse gelten natürlich auch für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung. Daher benötigen auch wir in der Bundeswehr ausreichend Personal, um die Krisenkommunikation angemessen sicherstellen zu können. Dies kann nicht ausschließlich durch Personal der einzelnen Presse- und Informationszentren der Bundeswehr geleistet werden. Hier sollte auch Personal aus dem Bereich „Public Health“ in Krisenkommunikation geschult werden, um angemessen und flexibel unterstützen zu können. Informationen müssen auch hier über verschiedene Kanäle ausgespielt werden. Diese Kanäle sollten allgemein bekannt und zugänglich sein. Auch sollte untersucht werden, welche Kanäle genutzt und welche eher nicht genutzt wurden, um dies als Grundlage für eine künftige Krise nutzen zu können.

Frau Oberfeldarzt Dr. Liebler, vielen Dank für das Gespräch.

Eine Soldatin mit einer FFP-2 Maske

von PIZ Sanitätsdienst 

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