Sanitätsdienst
EyeTrauma-Lehrgang

Millimeterarbeit am Auge

Millimeterarbeit am Auge

  • Medizin & Gesundheit
  • Sanitätsdienst
Datum:
Ort:
München
Lesedauer:
2 MIN

Augenlidchirurgie, Wundverschluss am Augapfel und sonstige Augenuntersuchungen: Beim „EyeTrauma-Lehrgang“, der jährlichen Fortbildungsveranstaltung für die angehenden Augenärztinnen und Augenärzte der Bundeswehr an der Sanitätsakademie in München, muss Fingerspitzengefühl und eine ruhige Hand bewiesen werden.

Soldatinnen und Soldaten arbeiten an Schweineaugen.

Am Tierpräparat üben die Teilnehmenden chirurgische Eingriffe am Augenlid

Bundeswehr/Simon Höpfl

Konzentriert sitzt Oberfeldarzt Dr. Karin Engelmann vor dem Operationsmikroskop. Ganz langsam führen ihre Finger zwei dünne Instrumente vor das vor ihr liegende, speziell präparierte Schweineauge. Eine Wunde im Augapfel, häufig durch einen Unfall oder andere Verletzungen verursacht, muss wasserdicht vernäht werden, um das Auge bis zur Weiterversorgung in der Klinik vor Infektionen zu schützen. Geschickt fädelt sie die dünnen Nadeln und Fäden durch das verletzliche Gewebe, verknotet die Enden und verschließt damit die Wunde.

Vom Lehrsaal in die Praxis

Für die Bundeswehr ist diese Fähigkeit der Ärztinnen und Ärzte besonders im Hinblick auf Auslandseinsätze relevant. „Circa zehn Prozent der einsatzbedingten Traumata sind mit einer Augenverletzung assoziiert. Davon haben ungefähr 45 bis 60 Prozent eine offene Augapfelverletzung“, erklärt Oberstarzt Dr. Frank Weinand, Leiter der Konsiliargruppe Augenheilkunde und fachlicher Leiter des Lehrgangs. Spätestens nach acht bis 24 Stunden in der Role 3 müsse der Verletzte auf einen Facharzt treffen, der die Primärversorgung, also den wasserdichten Verschluss übernimmt, um so die interne Rekonstruktion und Rehabilitation in der Role 4 im Heimatkrankenhaus durchführen zu können, so Dr. Weinand.

Um dies zu gewährleisten, wird in der Ausbildung unter anderem auch auf digitale Unterstützungsmittel zurückgegriffen. Am Operationssimulator können von einfachen Routineeingriffen bis hin zu komplexen Operationen alle Verletzungsmuster dargestellt und geübt werden. Sensoren messen und zeichnen dabei jeden Schritt und Schnitt auf, den die Mediziner vornehmen. Dies ermöglicht eine detaillierte Auswertung des Eingriffs. „Mikrochirurgische Fähigkeiten müssen regelmäßig und genau trainiert werden“, erklärt Weinand und fügt hinzu: „Aus diesem Grund muss der Lehrgang spätestens alle 48 Monate wiederholt werden.“

Simulator und Präparat

An einem anderen Gerät können mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille unterschiedliche Krankheitsbilder bei Netzhautuntersuchungen dargestellt werden. Einen Tisch weiter arbeiten die Soldatinnen und Soldaten an präparierten Schweinekopfhälften. Auch gesichtschirurgische Maßnahmen wie die Wiederherstellung der Integrität der Augenlider oder die Behandlung des orbitalen Kompartmentsyndroms, also der Einblutung in die Augenhöhle, werden im Lehrgang ausgebildet und vertieft. Eines wird beim Training jedenfalls klar: Hier ist Millimeterarbeit gefordert.

von Simon Höpfl 

Eindrücke vom Lehrgang