Sanitätsdienst
Ausbildung

Erstes NATO-Training für Sanitätsoffiziere

Erstes NATO-Training für Sanitätsoffiziere

  • Aktuelles
  • Sanitätsdienst
Datum:
Ort:
Estland
Lesedauer:
2 MIN

In Zusammenarbeit mit der estnischen Militärakademie (EMA) in Tartu hat das MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command den neuen „NATO Advanced Medical Staff Officer Course“ (NAMSOC) implementiert. Der Lehrgang bereitete die teilnehmenden Sanitätsoffiziere aus elf Nationen auf den Dienst in einer medizinischen Abteilung einer Brigade oder Division vor. 

Mehrere Soldaten schauen auf eine Landkarte

Die Kursteilnehmer bei einer der Übungen zu den Themen Landtaktik, Defensiv- und Offensivoperationen und medizinische Unterstützung für militärische Großoperationen

Valter Voomets

Ziel des neuen Lehrgangs ist das Verständnis für die Funktion, die Rolle und die Verantwortlichkeiten des Sanitätsstabes einer Brigade als Teil einer Kampfdivision. Zusätzlich sollen die Teilnehmenden die Kompetenz erlangen, ihr medizinisches Fachwissen gezielt in den Entscheidungsfindungsprozess der Brigadeführung einzubringen. Durch gute Planung und Koordination zur Aufrechterhaltung eines medizinischen Unterstützungssystems als Teil des Gesamtsystems, sollen Gesundheit und Kampfkraft erhalten und wiederhergestellt werden sowie die Truppen medizinisch unterstützt werden.

Schwerpunkt auf Großoperationen der NATO

Ein Soldat referiert vor anderen Soldatinnen und Soldaten

Generalarzt Dr. Stefan Kowitz nutzte die Gelegenheit neue internationale Zusammenhänge und die Einordnung der internationalen Aufgaben des MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command zu erläutern

Hans Lehepuu

Das Programm umfasste eine Vielzahl von Vorträgen zu den Themen Landtaktik, Defensiv- und Offensivoperationen und deren medizinische Unterstützung für militärische Großoperationen. Der Direktor des MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command, Generalarzt Dr. Stefan Kowitz, sowie der estnische Generalstabsarzt Oberstleutnant Dr. Lusti, nutzten ebenfalls die Gelegenheit, einen Kurzvortrag zu ihren spezifischen Themen zu halten. Um das gegenseitige Verständnis zu erweitern, stellte ein Teilnehmer jeder Nation das nationale militärische Sanitätssystem und das Zusammenwirken mit dem jeweiligen nationalen zivilen medizinischen Unterstützungssystem vor.

Trainingshöhepunkte: Wargaming und Kultur

Die erlernte Planerstellung für die medizinische Unterstützung von defensiven und offensiven Operationen im Brigaderahmen ist nur ein Teil der Vorbereitungen, um das neu erworbene Wissen in der Praxis anzuwenden. Den Höhepunkt des Trainings bildete das zweitägige Wargaming, bei dem die Sanitätsoffiziere bestimmte Rollen, wie beispielsweise die medizinisch-logistische Planung, die medizinische Beratung, die Koordination von Patienten-Evakuierungen oder auch die Leitung von medizinischen Einrichtungen übernehmen durften. Abgerundet wurde das Programm durch einen kulturellen Besuch in Narva, einer Stadt im Norden Estlands an der russischen Grenze. Die estnischen Gastgeber hatten einen Besuch der Grenzkontrollstelle zu Russland organisiert, welche die Außengrenze von EU und NATO bildet.

Schlüsselfähigkeit Patientensteuerung

Einen sehr aktuellen Themenbezug stellte eine Videoschalte mit der ukrainischen Befehlshaberin der Sanitätskräfte der Streitkräfte, Brigadegeneral Tetyna Ostaschenko dar. Sie gab einen Überblick über die aktuelle Arbeitsbelastung der Sanitätskräfte und machte deutlich, dass das Management der Behandlung verletzter Soldaten, einschließlich der Steuerung der Patientenströme, eine große Herausforderung darstellt.

Neuer Lehrgang schließt Wissenslücken

Zwei Soldatinnen und zwei Soldaten schauen auf eine Landkarte

Die Planerstellung für die medizinische Unterstützung von defensiven und offensiven Brigade-Operationen war Bestandteil des neuen NATO Trainings für Sanitätsoffiziere

Hans Lehepuu

Durch den Kurs hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihr internationales Netzwerk zu erweitern und ihr Wissen über militärisch-taktische Details zu vertiefen. „Die Teilnehmenden waren hier in der Lage, ihr Bewusstsein für die unterschiedlichen Anforderungen bei der Arbeit im Sanitätsbereich auf Brigade- und Divisionsebene zu teilen“, so der stellvertretende Direktor des MMCCMultinational Medical Coordination Centre/EMCEuropean Medical Command für NATO-Angelegenheiten, Oberst Jürgen Muntenaar, abschließend. Der NATO-Lehrgang für fortgeschrittene Sanitätsoffiziere soll künftig jährlich durchgeführt werden, um eine Lücke bei der Vermittlung kombinierter militärmedizinischer und taktischer Kenntnisse an Sanitätsoffiziere in der NATO und in Europa zu schließen.

von Rico Maderthoner

Weitere Informationen