Sanitätsdienst

Neue Ideen für einsatzbereites Personal gesucht

Neue Ideen für einsatzbereites Personal gesucht

Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
4 MIN

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Am 29. und 30. Oktober haben international renommierte Wissenschaftler, Militärexperten, Führungskräfte aus der Gesundheitsbranche, Bundespolizei, Berufsfeuerwehr und Bundeswehr über Möglichkeiten für eine bessere individuelle Einsatzfähigkeit diskutiert. Ausrichter des Koblenzer Symposiums war das Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr.

„Das Kerngeschäft der Bundeswehr ist der Einsatz“, betonte Generalstabsarzt Dr. Stephan Schoeps zum Auftakt der Veranstaltung. Für den Stellvertreter des Inspekteurs des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und Kommandeur Gesundheitseinrichtungen ist die hohe körperliche und mentale Leistungsfähigkeit eine elementare Grundvoraussetzung in den Streitkräften.

Ein Mann steht am Rednerpult, dahinter eine Leinwand

Generalstabsarzt Dr. Stephan Schoeps: „Das Kerngeschäft der Bundeswehr ist der Einsatz“

Bundeswehr/Michael Laymann

Die Gesundheits- und Fitnessveränderungen mit ihren negativen Folgen tragen dazu bei, dass junge Erwachsene immer häufiger den Anforderungen der militärischen Grundausbildung nicht gewachsen sind. Aus unterschiedlichsten Bereichen trugen die Experten ihre Trainings- und Ausbildungskonzepte aber auch Anreizsysteme für einen gesünderen Lebensstil vor.

Zeitungsschlagzeilen wie „Zu dick für die Bundeswehr“ sind nicht neu. Seit Jahren kämpft die Bundeswehr für fittere und einsatzbereite Soldatinnen und Soldaten. Dabei ist der derzeitige eher bewegungsarme Lifestyle nicht nur ein Problem der Bundeswehr. Auch zivile Krankenkassen führen mit viel Aufwand Gesundheitskampagnen durch.

Prävention zahlt sich aus

Kai Swoboda von der IKK classic (Innungskrankenkasse) verwies dabei auch auf die steigenden Kosten im Gesundheitssystem. Dabei wird die Situation aufgrund der demografischen Entwicklung weiter an Brisanz gewinnen. Bereits 2017 erreichten die Gesundheitskosten eine Dimension von 375 Milliarden Euro.

Frauen und Männer sitzen auf Stühlen in einem großen Saal

Über 160 Teilnehmende besuchten das Symposium „Verbesserung der Einsatzbereitschaft“ des Instituts für Präventivmedizin der Bundeswehr

Bundeswehr/Michael Laymann

Mit verschiedenen Maßnahmen, wie Gesundheitsmobile, Betrieblichem Gesundheitsmanagement und Bonussystemen versucht die Krankenkasse diesen Trend zu stoppen. Mit Erfolg: Laut Swoboda konnten die krankheitsbedingten Abwesenheitstage um 25 Prozent reduziert werden.

Ähnliche Erfahrungen machen auch BMW und Audi. An dem Vorsorgeangebot „Audi Checkup“ nahmen rund 90 Prozent der Beschäftigten der Automobilfertigung teil. Mit der „Initiative Gesundheit“ arbeitet Dr. Dr. Klaus-Peter Knoll als Leiter des Betrieblichen Gesundheitsmanagements bei BMW für eine verbesserte Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei konnten beide Automobilkonzerne die krankheitsbedingten Abwesenheitstage signifikant reduzieren.

Wettbewerb um Nachwuchs

Während Krankenkassen und Konzerne ein überwiegend monetäres Interesse an einer gesunden und wettbewerbsfähigen Belegschaft haben, verfolgen Bundespolizei, Feuerwehr und Bundeswehr ein anderes Ziel: ausbildungs- und einsatzfähiges Personal.

Dabei kämpfen alle drei Institutionen um die gleiche Zielgruppe und das bei zunehmend engerem Bewerbermarkt. Sowohl Feuerwehr, Bundespolizei und Bundeswehr berichten über nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit der Bewerberinnen und Bewerber.

Während die Berufsfeuerwehr Koblenz beispielsweise noch ihren Nachwuchs aus dem abschmelzenden Reservoir der freiwilligen Feuerwehren decken kann, mussten Bundespolizei und Bundeswehr ihre Einstellungskriterien in den vergangenen Jahren senken, um ausreichend Nachwuchs rekrutieren zu können.

Zahl der „Unfitten“ steigt

Ein Mann am Rednerpult

Generalmajor Michael Adolf Hochwart

Bundeswehr/Michael Laymann

„Wir müssen heute auch die Trainierbaren nehmen“, betonte Generalmajor Michael Adolf Hochwart. Der für die Ausbildung zuständige Abteilungsleiter im Kommando Heer berichtete über die positiven Erfahrungen hinsichtlich der Neustrukturierung der Grundausbildung im Heer. Seit Mai 2019 bilden alle Grundausbildungseinheiten nach dem neuen Ausbildungskonzept aus. Dabei steigt der Anteil der Sportausbildung von 70 auf 110 Stunden.

Auf verschiedenen Wegen versucht die Bundeswehr die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit zu verbessern. Durchaus kritisch merkt Oberst Michael Maul, Kommandeur der Sportschule der Bundeswehr, an: „Uns mangelt es nicht an Erkenntnissen. Uns mangelt es an der Umsetzung.“ Bereits heute bietet die Bundeswehr seinen Soldatinnen und Soldaten die Möglichkeit, bis zu 180 Minuten in der Woche Sport zu treiben. Hinzu kommen zahlreiche Angebote des Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Professionalisierung der Sportausbildung

Soldaten marschieren mit Gepäck

Der Wettbewerb um körperlich leistungsfähigen Nachwuchs für die Bundeswehr wird schwieriger

Bundeswehr/Martin Stollberg

Maul berichtet von einer weiteren Professionalisierung der Sportausbildung in der Bundeswehr. So soll hauptamtliches Personal zukünftig die Übungsleiter in den Verbänden entlasten. Insgesamt sollen 36 Stützpunkte in der Fläche entstehen. Im Schwerpunkt stehen dabei die Grundausbildungseinheiten und die Verbände mit Einsatzaufgaben.

Neue Anreize schaffen

Trotz aller Fortschritte sieht Oberstarzt Prof. Dr. Dr. Dieter Leyk in den gegenwärtigen Tools keine Lösung des Problems. „Menschen sind von Natur aus bequem. Wir müssen die Köpfe der Leute erreichen.“ In dem sogenannten Round Table machte der Leiter des Institutes für Präventivmedizin unkonventionelle Vorstöße und setzt dabei auch auf Anreizsysteme. Einsatzbereite Soldatinnen und Soldaten sollen stärker belohnt werden.

Leyk stellte Vorteile wie Sonderurlaub, finanzielle Zulagen und Laufbahnvorteile zur Diskussion. Auch eine Anrechnung der Einsatztage auf das Pensionierungsalter kam zur Sprache. Kontrovers wurde insbesondere Leyks Vorschlag für ein Einsatzfähigkeits-Abzeichen diskutiert. Leyk machte aber auch deutlich, dass „Nichtstun keine Option ist“.

Raum für Diskussionen

Zwei Generäle am Rednertisch

Generalmajor Reinhardt Zudrop (re.) und Brigadegeneral Georg Klein (li.) beim Symposium „Verbesserung der Einsatzbereitschaft“ des Instituts für Präventivmedizin der Bundeswehr

Bundeswehr/Michael Laymann

Generalmajor Reinhardt Zudrop, Kommandeur Zentrum Innere Führung, stellte die Frage in den Raum, ob wir in der Bundeswehr vielleicht auch ein Haltungsproblem haben. „Wir existieren nicht, weil wir ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen.“

Auch für Generalmajor Gunter Schneider dreht sich die ganze Diskussion nicht nur um die körperliche Leistungsfähigkeit. Für den Vizepräsidenten des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr hat die Diskussion immer zwei Seiten: „Soldaten die kämpfen können und Soldaten die kämpfen wollen“. Auch für ihn muss sich der Einsatz wieder mehr lohnen. „Ansonsten wird sich die Situation zukünftig weiter verschärfen.“

Die wissenschaftlichen Beiträge des Symposiums wurden in den Wehrmedizinischen Monatsschriften Heft 8/64. Jahrgang – August 2020 und Heft 3/65. Jahrgang – März 2021 veröffentlicht.


von Uwe Henning

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