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Ohne Corona-Beschränkungen durch den Winter?

Ohne Corona-Beschränkungen durch den Winter?

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Bonn

Sollten die Corona-Beschränkungen verschärft, gelockert oder sogar aufgehoben werden? Eine von vielen Fragen, die Bürgerinnen und Bürger beschäftigt. In einem Interview spricht Oberfeldarzt Dr. Svenja Liebler über die aktuelle Lage und welche Maßnahmen die Referentin für Infektionsschutz im BMVgBundesministerium der Verteidigung in der kalten Jahreszeit empfiehlt.

6 Fragen an Oberfeldarzt Dr. Svenja Liebler

Dr. Svenja Liebler im Portrait
Bundeswehr/Patrick Grüterich

Frau Oberfeldarzt Dr. Liebler, ist die Corona-Pandemie vorbei?

Beim Blick in die Fußgängerzonen großer deutscher Städte entsteht bei mir der Eindruck, dass die Pandemie von der Bevölkerung bereits für beendet erklärt worden ist. Zudem lassen die Aussagen von manchen Politikern, Politikerinnen, sowie Vertreterinnen und Vertretern von Ärzteverbänden auf einen Tag der Freiheit hoffen, wie es in Großbritannien der Fall ist.

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Ist dies ein Wunsch oder die Wirklichkeit?

In den vergangenen Wochen ist ein signifikanter Anstieg der COVID-19-Infektionen verzeichnet worden. Dies war aufgrund fallender Temperaturen und der Verlagerung von Aktivitäten in die Innenräume zu erwarten. Infolgedessen kommen Forderungen nach dem Ende aller Beschränkungen zu einem falschen Zeitpunkt. Jeder dritte Deutsche ist derzeitig nicht geimpft. Gründe sind Vorbehalte gegen die Impfstoffe, purer Trotz oder weil noch kein Impfstoff für die Gruppe der unter Zwölfjährigen zugelassen ist. Bei den früh geimpften Gruppen scheint bereits die Immunität nachzulassen, so dass Boosterimpfungen durchgeführt werden sollten. Zudem hat die zu beinahe 100 Prozent dominierende Deltavariante des Coronavirus eine erhöhte Übertragungswahrscheinlichkeit. Demzufolge kommt es vermehrt zu Ausbrüchen zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen. Eine unbedachte Aufhebung der bisherigen Schutzmaßnahmen würde einen Anstieg nur weiter begünstigen.

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Welche Maßnahmen sollten im Herbst und Winter getroffen werden?

Aus infektionspräventiver Sicht ist es unverzichtbar, die bekannten AHA+L-Regeln in den kommenden Monaten beizubehalten. Das Tragen von Masken in geschlossenen Räumen sowie der geforderte Mindestabstand sollten aufrechterhalten werden. Regelmäßiges Lüften reduziert das Risiko einer Infektion. Hierfür gibt es kostenlose CO₂-Rechner-Apps, um die erforderlichen Lüftungsintervalle einzuhalten.

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Welche Möglichkeiten hat der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin?

Die aktuelle SARS-CoV-2- Arbeitsschutzverordnung ist auch im Geschäftsbereich BMVg gültig. Die Arbeitsschutzverordnung gibt die Möglichkeit, durch Maßnahmen des betrieblichen Infektionsschutzes, das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus zu mindern. In der praktischen Umsetzung muss aber immer das aktuelle Infektionsgeschehen berücksichtigt werden. Das beinhaltet zum Beispiel so banale Dinge wie die Bereitstellung von Masken aber auch so wichtige Aspekte wie das Arbeiten im Homeoffice, wo immer dies möglich ist oder der Verzicht auf Dienstreisen.

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Wann können die Beschränkungen aufgehoben werden?

Bei zunehmender Impfquote und einem Anstieg der Genesenen ist ein Ende der Beschränkungen im späten Frühjahr realistisch. Wahrscheinlich stehen noch in diesem Winter Impfstoffe für Kinder unter zwölf Jahren zur Verfügung. Eine zunehmende Durchimpfung der Kinder führt ebenfalls zu einer Abnahme des Infektionsdrucks. Nachdem wir bereits so weit gekommen sind und uns auf den letzten Metern eines Marathons befinden, sollten wir nicht leichtfertig unnötige Infektionen riskieren. Stattdessen sollten wenig belastende Basismaßnahmen, wie das Abstandhalten, das Tragen von Masken oder regelmäßiges Lüften, noch für einige wenige Monate beibehalten werden.

Dr. Svenja Liebler im Portrait

Wann können Soldatinnen und Soldaten eine Boosterimpfung erhalten und welchen Einfluss könnte diese auf das Infektionsgeschehen haben?

Mit den Auffrischungsimpfungen ("Booster") lässt sich der Schutz vor einem Impfdurchbruch wieder deutlich erhöhen. Gleichzeitig sinkt das Übertragungsrisiko wieder. Die Häufigkeit von Krankenhausaufnahmen, schweren Krankheitsverläufen oder COVID-Todesfällen kann also signifikant reduziert werden. Neuere Ergebnisse aus Israel zeigen, dass eine 4. Welle durch die Boosterimpfungen schnell gebrochen werden konnte. Für alle Soldatinnen und Soldaten besteht bereits jetzt und unabhängig vom Alter oder von Vorerkrankungen die Möglichkeit, sich bei der jeweils zuständigen regionalen Sanitätseinrichtung erneut gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen, wenn die Grundimmunisierung mindestens 6 Monate zurückliegt. Auch eine Kombination mit der Schutzimpfung gegen die saisonale Influenza ist möglich. Bei dem Impfstoff von Johnson&Johnson sollte eine Auffrischung bereits vier Wochen nach der Grundimmunisierung erfolgen.

Dr. Svenja Liebler im Portrait

von Mathias Erdmann

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