Sanitätsdienst

Taktische Medizin im Orts- und Häuserkampf

Taktische Medizin im Orts- und Häuserkampf

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Datum:
Ort:
Cham
Lesedauer:
2 MIN

Der Orts- und Häuserkampf ist die Königsdisziplin der Infanterie. Wo gekämpft wird, gibt es auch Verwundete. Um diese kümmern sich die Sanitätskräfte. Auf dem Lehrgang für das Sonderabzeichen „Taktische Verwundetenversorgung“ übten Sanitäts- und Infanteriekräfte das Zusammenspiel in urbanem Gelände.

Vier Soldaten leisten im Gebäude erste Hilfe

Infanteristen mit einer erweiterten medizinischen Ausbildung, sogenannte Ersthelfer Bravos, unterstützen den Sanitätstrupp bei lebensrettenden Sofortmaßnahmen

Bundeswehr/Minh Vu

Im Gefecht prasseln viele Eindrücke auf die Soldatinnen und Soldaten ein. Sei es der Nebel von der Rauchgranate, der die Sicht auf die Straßen trübt, oder das Donnern des Maschinengewehrfeuers, welches die Schmerzensschreie der Verwundeten im Nebenraum übertönt. Unter all diesen Bedingungen muss der Sanitäter beweisen, dass er einen kühlen Kopf bewahren kann.

Das Lehr- und Ausbildungszentrum Einsatz des Sanitätslehrregimentes und die militärische Ausbildungsunterstützung der Panzerbrigade 12 stellten gemeinsam ein Übungsszenario für den Lehrgang „Sondertraining Taktische Verwundetenversorgung“, kurz: S-TVV, auf die Beine. Und dieses hatte für die Lehrgangsteilnehmer auf dem Truppenübungsplatz in Cham durchaus einige Herausforderungen parat. Im Schwerpunkt wurde das Zusammenspiel zwischen Sanitätsdienst und Infanterie im Orts- und Häuserkampf geübt.

Städtische Umgebung nicht alltäglich

Drei Soldaten gehen in einem Gebäude hinauf, der letzte sucht mit seiner Waffe nach Zielen.

Das Gefechtsfeld im Häuserkampf ist eng und die Sichtlinien sind oft blockiert

Bundeswehr/Minh Vu

Auf dem Lehrgang S-TVV soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern neben den Schwerpunkten der Taktischen Medizin auch die sanitätsdienstliche Versorgung im urbanen Gelände näher gebracht werden. Anders als bei spezialisierten Kräften und Spezialkräften, die den Einsatz in städtischer Umgebung regelmäßig trainieren, ist das bei den normalen Infanterie- und Sanitätskräften nicht die Regel. Bei der Vorgehensweise der Spezialkräfte muss alles schnell gehen. Da gibt es ein Zeitfenster von 10 bis 15 Minuten und dann sind die auch schon wieder weg“, so der Ausbilder Oberstabsfeldwebel Daniel Horstmann. Das sei bei den normalen Kräften weder denkbar, noch machbar.

„Die besonderen Herausforderungen sind die vielfältigen Gegebenheiten im urbanen Umfeld“, so Hauptfeldwebel Robert Seifert, Notfallsanitäter und Teilnehmer an dem Lehrgang. Zwar hätten sie das Übungsverfahren im selben Gebäude geübt, „jedoch waren die verschiedenen Übungsabschnitte komplex und wir wurden vor immer neue Herausforderungen gestellt. Die Lage ist nie fest und kann sich jederzeit schlagartig ändern“, führt Seifert weiter aus. Die größte Schwierigkeit sei es, gerade bei mehreren Verletzten, durch die Raumaufteilung im Gebäude den Überblick zu behalten. „Das stellt jeden vor die Frage, wie er oder sie am besten mit Material und Personal zum Erfolg kommt“, so Seifert.

Vom Anderen lernen

In einem Gebäude liegen zwei Soldaten auf dem Boden, zwei weitere knien über ihnen und behandeln sie.

Die erste lebensrettende Blutstillung und der Wärmeerhalt haben oberste Priorität, um das Überleben der Verletzten zu gewährleisten

Bundeswehr/Minh Vu

Hauptmann Sebastian Brummer, Lehrgangsleiter des S-TVV, zeigt sich vom Durchgang zufrieden: „Die Infanteristen aus Cham haben viele positive Eindrücke gesammelt und konnten erleben wie es ist, mit Sanitätskräften zusammen zu arbeiten.“ Die Ersthelfer Bravos hätten ihre Fähigkeiten in der Taktischen Verwundetenversorgung ausbauen und sich bei den Sanitätstrupps einen Eindruck davon verschaffen können, wie eine höherwertige Verwundetenversorgung aussähe. „Und unsere Lehrgangsteilnehmenden konnten gemeinsam mit einem Infanteriezug üben. Meist ist die Sanität nur Unterstützer der Infanterie und sonstigen Kampftruppe, diesmal war es umgekehrt“, so Brummer. Die Hauptakteure hätten sich mit der Thematik sanitätsdienstliche Versorgung im urbanen Gelände auseinandersetzen müssen, in der es noch wenig Erfahrungswerte gäbe. „Ziel von uns war es, ein möglichst realistisches Szenar zu schaffen, indem sich der Sanitäter beüben kann“, resümiert der Lehrgangsleiter.


von Minh Vu

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