Sanitätsdienst

Erfolgsmodell Online-Diabetes-Beratung

Erfolgsmodell Online-Diabetes-Beratung

  • Medizin & Gesundheit
  • Sanitätsdienst
Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
3 MIN

Menschen, die an Diabetes mellitus, im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt, erkranken, benötigen eine regelmäßige fachärztliche Beratung. Angesichts der Corona-Pandemie mit seinen Einschränkungen nutzte das BundeswehrZentralkrankenhaus Koblenz die Chance und bietet seinen Patientinnen und Patienten nun eine Online-Diabetikerberatung an.

Eine Soldatin sitzt an einem Schreibtisch und lächelt in die Kamera

Oberfeldarzt Dr. Liv Inga Hamann berät ihre Patientinnen und Patienten seit Sommer 2020 auch online. Die Corona-Pandemie gab den Ausschlag dafür, eine Online-Sprechstunde zu ermöglichen und damit persönliche Kontakte zu reduzieren.

Bundeswehr/Andreas Weidner

Oberfeldarzt Dr. Liv Inga Hamann ist in der Klinik I Innere Medizin am BundeswehrZentralkrankenhaus (BwZKrhsBundeswehrzentralkrankenhaus) in Koblenz eingesetzt. Dort arbeitet sie seit zwei Jahren in der Ambulanz und berät die Patientinnen und Patienten in der kardiologischen und diabetologischen Sprechstunde. Im Sommer 2020 hatte Dr. Hamann aufgrund des sich ausbreitenden Infektionsgeschehens die Idee einer Online-Sprechstunde für an Diabetes mellitus erkrankte Patientinnen und Patienten.

Neue Diabetes-Fälle im Fokus

So waren während des ersten Lockdowns die Tätigkeiten der Ambulanz der Inneren Medizin weitgehend heruntergefahren. Doch Oberfeldarzt Dr. Hamann wollte die Hochrisikogruppe der Diabetiker weiterhin adäquat beraten. Sie richtete eine Online-Sprechstunde und auch eine Online-Schulungsmöglichkeit ein. „Gerade für die Patientinnen und Patienten, die eine Neu-Diagnose hatten oder in einer schwer einstellbaren Situation waren, sollte die diabetologische Anbindung aufrechterhalten werden“, erklärt Dr. Hamann.

Reine Soldatinnen- und Soldaten-Sprechstunde

Zurzeit betreut Dr. Hamann zwischen 50 und 60 Soldatinnen und Soldaten online. Die meisten der Patientinnen und Patienten hat Oberfeldarzt Hamann auch schon vor Ort im BwZKrhsBundeswehrzentralkrankenhaus betreut. Über eine spezielle Software, die den an Diabetes Erkrankten zur Verfügung gestellt wird, kann Dr. Hamann den Kontakt herstellen. Vergleichbar mit den gängigen Videokonferenzsystemen berät sie per Bild und Ton. So ist nicht nur die Beratung im Rahmen einer Sprechstunde möglich, sondern auch Schulungen mit mehreren Teilnehmenden. Gerade für Menschen mit einer neuen Diagnose haben diese eine extrem wichtige Funktion. Mit dem datenschutzrechtlichen Einverständnis der Patientinnen und Patienten können über das Konferenzprogramm beispielsweise auch Zucker- und Blutdruckmesswerte mit der Ärztin geteilt werden.

Eine wirkliche Erleichterung

Oberstleutnant P. ist seit Juni 2020 als Diabetiker Typ 1 eingestuft. Oberfeldarzt Dr. Hamann hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass sie neben der Präsenzsprechstunde auch Online-Sprechstunden durchführt. Er spürt die Erleichterung durch die Online-Betreuung deutlich: „Sonst musste man sich ein Auto organisieren, nach Koblenz fahren, musste vielleicht noch sitzen und warten.

Da ist es schon einfacher, wenn man sich am Rechner über die Kamera sieht. Das ersetzt zwar das persönliche Gespräch nicht wirklich, es ist aber wirklich eine Erleichterung“, erklärt er. Gerade die Möglichkeit, die Werte des Blutzuckermessgerätes oder auch die Zeiten körperlicher Aktivität mit der Fachärztin teilen zu können, biete einen guten Hinweis, wie die letzten Wochen gelaufen seien, so der Oberstleutnant.

Gesamter Lebenswandel wird betrachtet

Ein Computerbildschirm, darauf eine Präsentation mit dem Titel Apps zum Abnehmen, Diabetes App

Gerade für Patientinnen und Patienten mit einer neuen Diabetes-Diagnose sind die Online-Schulungen zum Umgang mit der Krankheit besonders wichtig

Bundeswehr/Andreas Weidner

„Bei der Diabetologie ist es extrem wichtig, in den Patientenkontakt zu gehen“, erklärt Dr. Hamann. So müsse man sich auch anschauen, wieviel Sport ein Patient macht und wie er sich ernährt. Dazu seien umfassende Schulungen notwendig, weil Dinge wie Bewegung und Ernährung enormen Einfluss auf den Zuckerverlauf hätten, so die Diabetologin. Jeder und jede Erkrankte müsse für sich selbst entscheiden, inwieweit der individuelle Lebenswandel geändert werden soll, um eine Medikamenteneinnahme oder Insulingabe einsparen zu können. „Gerade Soldatinnen und Soldaten sind darauf geschult, Verantwortung für ihr gesundheitliches Wohlergehen zu übernehmen und arbeiten daher unglaublich gut mit“, lobt Dr. Hamann.

Erfolgsmodell wird weitergeführt

„Es ist wichtig, in bestimmten Zeitabständen auch eine Präsenzvorstellung zu haben, aber man kann sicherlich zwischenzeitlich die Termine sehr gut durch Videosprechstunden ersetzen und dadurch die persönlichen Kontakte reduzieren“, meint Dr. Hamann. Soldatinnen und Soldaten mit Diabetes, die auch an einer Online-Sprechstunde interessiert sind, können sich vertrauensvoll an die Diätberatung oder die Ambulanz der Inneren Medizin am BundeswehrZentralkrankenhaus Koblenz wenden.


von Michael Tomelzik

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