Streitkräftebasis

COVID-19: Von der Skaterbahn in den Krisenstab

COVID-19: Von der Skaterbahn in den Krisenstab

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Datum:
Ort:
Delitzsch
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5 MIN

Amtshilfe der Bundeswehr in Sachsen: Oberstleutnant der Reserve Torsten Pötzsch ist im Zivilberuf Sozialarbeiter in einem Mehrgenerationenhaus. Während der Corona-Krise berät er das Landratsamt in Delitzsch im sächsischen Landkreis Nordsachsen.

Ein Soldat in Uniform auf dem Gang des Landratsamtes in Delitzsch.

Oberstleutnant Torsten Pötzsch im Landratsamt Delitzsch. Der Leiter des Kreisverbindungskommandos im Landkreis Nordsachsen berät zu möglicher Amtshilfe der Bundeswehr.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Verwaist liegt die Skaterbahn in der Nähe des Eilenburger Mehrgenerationenhauses. Seit 16. März ist das Haus mit seinen sozialen Angeboten in der kleinen 16.000-Einwohner-Stadt in Nordsachsen wegen der Corona-Krise geschlossen. Hier arbeitet Oberstleutnant der Reserve Torsten Pötzsch in seinem zivilen Leben als Jugendberater. Als Reservist der Bundeswehr leitet er das Kreisverbindungskommando Nordsachsen, das im Krisenfall die zivilen Behörden zu möglicher Hilfe durch die Bundeswehr berät. Mit 117 nachgewiesenen Coronafällen (Stand: 16.04.2020) ist der 200.000-Einwohner-Landkreis an der Grenze zu Sachsen-Anhalt und Brandenburg der am wenigsten Betroffene im ganzen Freistaat. „Das sind sehr glückliche Umstände, wir haben bisher keine Hotspots in Pflegeheimen und die stärker betroffenen Regionen wie Leipzig oder der Flughafen Halle/Leipzig sind im Nachbarlandkreis. Da ist mein derzeitiger Dienst fast ein wenig wie Üben, während wir uns aber in einer richtigen Krise befinden“, sagt Pötzsch. Auch die Delitzscher Unteroffizierschule des Heeres ist dieser Tage in Wartestellung. 

Seit dem 18. März trifft sich der Verwaltungsstab in Delitzsch. In ihm werden die Pandemie-Maßnahmen der Behörden im Landkreis koordiniert. Bereits einen Tag später hatte der Landrat die Landes- und Bundespolizei und die Bundeswehr hinzugezogen. Seitdem wird Oberstleutnant Pötzsch immer dann gefragt, wenn die zivile Seite Unterstützung durch die Bundeswehr in Betracht zieht – oder einfach das Know-how eines gestandenen Oberstleutnant der Reserve gefragt ist.

Was kann die Bundeswehr leisten, wo kann sie unterstützen, das sei immer die Frage, erzählt Pötzsch. Besonders in Sachsen kennen die Bürger viele helfende Soldaten-Hände, zum Beispiel aus den Flutkatastrophen von 2002 und 2013, der Flüchtlingskrise 2015 und vom Borkenkäfereinsatz 2019. „Ich erkläre im Krisenstab immer wieder das Subsidiaritätsprinzip – dass die Bundeswehr erst hilft, wenn die Möglichkeiten der zivilen Seite ausgeschöpft sind“, sagt Pötzsch. Für die Errichtung einer Corona-Teststrecke sei beispielsweise die Hilfe der Bundeswehr erhofft worden. Doch schnell war klar, dass das Gesundheitsamt in Delitzsch das mit Unterstützung der Hilfsorganisationen vor Ort selbst hinbekommt.

Über die Jahre ist ein enger Kontakt zu den Kollegen in der Landkreisverwaltung gewachsen. Mit dem Landrat und seiner Mannschaft gemeinsam hat Pötzsch etliche Katastrophenschutz-Weiterbildungen besucht. Die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung haben Erfahrung mit dem Oberstleutnant und seinen Kameraden, die im Ernstfall kompetent, schnell und strukturiert zu möglicher Hilfe durch die Bundeswehr beraten, Hilfsanträge an das Landeskommando Sachsen in Dresden weitergeben und auch mal vor Ort in der Krise mit anpacken.

Zivilberuf: Jugendberater im Mehrgenerationenhaus

Ein Soldat in Zivil vor einer Grafitti-Wand.

Das Mehrgenerationenhaus, in dem Torsten Pötzsch arbeitet, ist geschlossen. Deshalb hat er jetzt mehr Zeit für die Bundeswehr.

Bundeswehr/ Anne Weinrich

Seit einigen Wochen ist das Mehrgenerationenhaus jetzt geschlossen, die mobile Jugendarbeit komplett zurückgefahren. Pötzsch ist für seine Jungs und Mädels im Moment nur telefonisch zu erreichen. „Das ist für meine Aufgabe als Reservist gut, denn dann habe ich auch Zeit dafür. Doch für viele der von mir betreuten Familien sind die Ausgangsbeschränkungen sehr schwierig, das fängt bei den warmen Mahlzeiten für die Kinder an.“

Spontan haben Pötzsch und seine Kolleginnen und Kollegen deshalb für die Eilenburger Tafel Hilfe organisiert. So kann sie trotz Personalmangels und gestiegener Hygieneanforderungen wieder öffnen, um Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen. „Abstand halten, Warnwesten verteilen, klare Anweisungen – mit entsprechenden Strukturen läuft das. Meine Bundeswehr-Erfahrung kommt mir im sozialen Bereich, wo es eher flache Hierarchien gibt, definitiv zugute“, so Pötzsch.
Seine Frau ist die Leiterin des Eilenburger Mehrgenerationenhauses. Jetzt in der Krise hilft sie mit, die Aufgaben ihres Mannes so zu organisieren, dass für seinen Auftrag als Oberstleutnant der Reserve, die Beratung der zivilen Verwaltung, genügend Zeit bleibt.

Krisenlage mit „angezogener Handbremse“

Ein Soldat arbeitet in einem großen Besprechungsraum an seinem Laptop.

Im Krisenstab hat Oberstleutnant Torsten Pötzsch seinen festen Platz.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Seit über einem Monat ist Torsten Pötzsch nun jeden Morgen im Krisenstab des Delitzscher Landratsamtes dabei, wenn er gebraucht wird. Dass alle Fachbereiche zusammenarbeiten, sei das Wichtigste. „Meine Aufgabe ist es, schon vorher durch eine konsequente Lagebeurteilung zu erkennen, wo sich ein Hilfsbedarf der zivilen Seite entwickelt und abzuschätzen, ob es sinnvoll ist, einen Hilfeleistungsantrag zu stellen. Um die Ecke und in Einsatzstrukturen zu denken und vorausschauend zu planen, darauf kommt es jetzt ganz besonders an. Und das habe ich vor allem bei der Bundeswehr gelernt.“

1994 ist der 45-Jährige als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eingetreten. Nach acht Jahren in der Unteroffizierlaufbahn hatte er die Streitkräfte als Oberfeldwebel verlassen. Nicht, ohne vorher an der Bundeswehr-Fachschule noch sein Abitur nachzuholen. 2008 schloss er in Leipzig das Studium der Sozialpädagogik ab, seit 2002 wohnt und arbeitet er in Eilenburg, wo er auch geboren ist.

Kritik an mangelnder Hilfsbereitschaft der Bundeswehr will Pötzsch nicht gelten lassen: „Im Gegenteil, nach meiner Erfahrung neigt die zivile Seite eher dazu, das Subsidiaritätsprinzip nicht so ernst zu nehmen, denn vieles würde mit der Bundeswehr schneller und strukturierter gehen. Doch keiner von uns will, dass die Bundeswehr beispielsweise Aufgaben der Polizei im öffentlichen Raum übernimmt, da sind wir uns einig“, sagt Pötzsch. „Auch, wenn das eine `Krisenlage mit angezogener Handbremse´ zu sein scheint – wir sind gut aufgestellt!“

Mit seinen Reservisten-Kameraden des Kreisverbindungskommandos Nordsachsen informiert Oberstleutnant Torsten Pötzsch in enger Abstimmung mit dem Landeskommando Sachsen in Dresden die zivilen Behörden in seinem Landkreis, inwieweit die Bundeswehr in besonderen Krisensituationen wie der Corona-Pandemie mit Personal oder Material helfen kann. Die Reservisten sind meist im zivilen Bereich angestellt und werden für ihren Dienst bei der Bundeswehr dann vom Arbeitgeber freigestellt.
Wenn die zivile Seite im Landkreis jetzt in der Corona-Krise die Bundeswehr um Hilfe bittet, geschieht das auch durch die Hilfe der Reservisten vor Ort. Vier bis sechsmal pro Jahr üben die Reservisten im Landratsamt, um das Zusammenspiel mit anderen Hilfskräften zu proben und auf einen Ernstfall wie diesen vorbereitet zu sein. Hinzu kommen Ausbildungswochenenden im Landeskommando Sachsen in Dresden, der vorgesetzten Dienststelle aller Verbindungskommandos im Freistaat. 
Das Lagezentrum des Landeskommandos Sachsen in der Graf-Stauffenberg-Kaserne in Dresden ist seit dem 19. März 2020 im Schichtbetrieb rund um die Uhr besetzt. Hier werden die Lagebilder aller Landkreise zusammengestellt, Hilfeleistungsanträge der zivilen Seite bearbeitet und die Reservisten vor Ort mit den nötigen Informationen versorgt.

von Cornelia Riedel  E-Mail schreiben

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