Streitkräftebasis

Explosives Terrain

Explosives Terrain

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Ein Soldat entnimmt eine Probe unter Aufsicht eines Mannes mit einem weißen Kittel

Eine chemische Probe wird unter Aufsicht in einem gestellten HME-Labor genommen.

Bundeswehr/Michael Lukaszewski

Konzentriert nimmt ein Soldat eine kleine Menge der unbekannten Substanz und hält sie in eine offene Flamme, wo sie in einem kleinen Feuerball verpufft. Vorsicht ist geboten, denn die Kampfmittelabwehrkräfte befinden sich in einer illegalen Bombenbauwerkstatt. Chemikalien stehen offen herum, Düngemittelsäcke stapeln sich in einer Ecke, auf einer Werkbank finden sich diverse Elektrobauteile und daneben eine Anleitung für improvisierte Sprengzünder.

Zum Glück ist diese Lage nur gestellt, denn die Soldaten des Gebirgspionierbataillon 8 sind Teilnehmer des Informationsaustausches „Synthese und Eigenschaften von Homemade Explosives“. Die Kampfmittelabwehrkräfte gehen im Herbst 2019 im Rahmen der VNVereinte Nationen-Mission MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali nach Mali. Selbstlaborate, im englischen Homemade Explosives (HME) genannt, sind auch im dortigen Einsatzland ein zunehmender Bestandteil der Bedrohung durch Improvised Explosive Devices (IEDImprovised Explosive Device).

Sehr empfindliche Explosivstoffe handhaben

Ein Mann hält eine Spritze in der Hand.

Die Menge macht‘s: Das Lösungsmittel wird für die Löslichkeits- und Phlegmatisierungsversuche genau abgemessen.

Bundeswehr/Michael Lukaszewski

„Die Herausforderung mit HME ist, dass diese aufgrund ihrer Gefährlichkeit in der Regel nicht im Handel erhältlich sind. Dadurch fehlen Möglichkeiten, diese in der Vorbereitung für einen Einsatz in einem sicheren Kontext kennen zu lernen. Praktische Erfahrungen sollten nicht erst im Einsatzland gemacht werden, gerade wenn es um so explosive Themen geht.“ sagt Sebastian W. vom Dezernat Chemie der Schule ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben. Der 35-jährige Doktor der Chemie ist eine der wenigen Personen in der Bundeswehr, die Explosivstoffe selbst erstellen können und vor allem auch dürfen.

Während des Informationsaustausches werden empfindliche Explosivstoffe, wie zum Beispiel Triacetontriperoxid (TATP) nur in kleinen Mengen und unter Aufsicht gehandhabt. Gehörschutz kennt man beim Umgang mit Sprengmitteln. In einem Chemielabor aber dürfen dabei natürlich auch Handschuhe, Laborkittel und Schutzbrille nicht fehlen.

Direkte praktische Erfahrungen sammeln im Umgang mit Explosivstoffen

Eine feuerartige Verpuffung mit einer Flamme

Deflagration, eine schnelle Verbrennung, des Explosivstoff TATP kurz nach der Zündung.

Bundeswehr/Michael Lukaszewski

Mit einem Schraubenzieher wird eine Spatelspitze des Explosivstoffs TATP auf einer Stahlplatte erst vorsichtig angestupst, dann leicht verrieben, bis der Sprengstoff durch etwas mehr Kraft genug Energie erhält um zu detonieren. An einer anderen Station werden verschiedene Lösungsmittel wie Seifenwasser, Diesel oder Aceton auf kleine Mengen Explosivstoff geträufelt, um zu sehen wie diese reagieren. Perlt es ab? Wird es aufgesaugt? Und wie ändert sich die Empfindlichkeit bei der Handhabung? Denn gerade dieses Unempfindlichmachen, der Fachmann spricht von Phlegmatisieren, steht im besonderen Interesse der Kampfmittelabwehrkräfte.

„Das Gute ist, dass man auch mit kleinen Mengen viele Eigenschaften der Explosivstoffe kennen lernen kann, ohne dass man sich in Gefahr begibt.“ erläutert Sebastian W., während er die Ohrschützer ablegt. Die Versuche zu Schlag- und Reibempfindlichkeit sind abgeschlossen.

Der Wissenstransfer ist zielführend

Ein Mann mit einem weißen Kittel der einen Test in einem Labor durchführt.

Eine kleine Menge Explosivstoff wird vorbereitet um die Schlagempfindlichkeit zu testen.

Bundeswehr/Michael Lukaszewski

Die Teilnehmer des Gebirgspionierbataillon 8 sind zufrieden. Während der dreitägigen Veranstaltung konnten sie sowohl theoretische Kenntnisse zur Chemie der Explosivstoffe auffrischen als auch in vielen praktischen Anteilen speziell die chemisch-physikalischen Eigenschaften von Primär- und Sekundärsprengstoffen kennen lernen. Während diese bei herkömmlichen Sprengstoffen wie TNT, PETN und RDX durch den Umgang mit konventioneller Munition bereits zum Teil vorhanden waren, war insbesondere die Handhabung von im Handel auch für Spezialisten nicht erhältlichen Explosivstoffen wie TATP oder HMTD eine neue Erfahrung.

von Sebastian Wiegmann  E-Mail schreiben

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