Streitkräftebasis
Expertin für die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr

„Ich bin Soldatin mit Zusatzqualifikationen“

„Ich bin Soldatin mit Zusatzqualifikationen“

  • ABC-Abwehr
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Sonthofen
Lesedauer:
5 MIN

Was bewegt eine promovierte Biologin, die als Gymnasiallehrerin arbeitete, dazu, als Seiteneinsteigerin zur ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr zu gehen? Frau Major Dr. Liza D. hat genau das getan und den Platz an der Schultafel gegen die Uniform getauscht.

Eine blonde Frau sitzt an einem Labortisch und greift eine Pipette.

Major Dr. Liza D. an einem ihrer Arbeitsplätze – dem Labor

Bundeswehr/Victoria Förster

Abwechslungsreich nennt Major Dr. Liza D. ihr Aufgabenfeld bei den ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräften der Bundeswehr. Auf ihrem Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. Sofort ist klar, dass die 39-Jährige ihre Arbeit gerne macht. Im Dezernat Biologie an der Schule ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben in Sonthofen ist sie Spezialistin für die Analytik von Antigenen. Dabei steht Major D. mit Schutzkittel und Handschuhen selbst im Labor oder als Dozentin vor einem Hörsaal angehender Offizierinnen und Offiziere. Sie konzipiert aber auch am Computer Szenarien für eine fachspezifische Ausbildungsunterstützung.

„Man muss verstehen, wie ein Erreger funktioniert, damit man gegen ihn arbeiten kann“, erklärt die Biologin die Relevanz ihrer Arbeit für die Bundeswehr. Mit ihren Kolleginnen und Kollegen stellt Major D. die Antigen-Analytik im Rahmen der B-Gefahrstoffanalytik und der Weiterbildung der B-Abwehr sicher. Das heißt, dass hier auf wissenschaftlicher Ebene unterschiedliche Methoden zum Nachweis biologischer Kampfstoffe (B) entwickelt werden. Es geht präventiv um die Abwehr möglicher Gefahren, wie sie immer wieder betont. Die etablierten Methoden werden unter anderem durch sie im Labor erprobt und dann auch an mobile Labore weitergegeben. Diese können im Felde Proben eigenständig analysieren und bei Bedarf Schutzstufen ausrufen. „Es gibt einfach Handlungssicherheit, wenn ich weiß, was da vor mir liegt“, betont sie die Bedeutung der gesicherten Analysemethoden.

Wissen vermitteln

Eine Hand mit Gummihandschuh hält eine Petrischale fest.

Sorgfältig arbeitet die promovierte Biologin im Labor mit Kulturen auf einer Petrischale

Bundeswehr/Victoria Förster

An oberster Stelle steht bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit die schnelle und fachkundige Beratung des militärischen Führers bzw. der militärischen Führerin, sowohl in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung als auch im internationalen Krisenmanagement. Trotz ihrer hohen Spezialisierung ist sie mit ihrer Fachkompetenz für die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr der Bundeswehr, im Hinblick auf andere naturwissenschaftliche Fachgebiete der Biologie, eine Generalistin. „Vereinfacht gesagt kann man das so erklären: Obwohl Hautärzte, Zahnärzte und Augenärzte alle auf einen bestimmen Bereich des menschlichen Körpers spezialisiert sind, sind es dennoch alles Ärztinnen mit umfassendem Grundwissen über den menschlichen Körper im Allgemeinen. Dieses Prinzip lässt sich eben auch auf den Bereich der Biologie übertragen.“

Selbstsicher sitzt Major D. in einem Besprechungsraum der „ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr-Schule“ und erzählt von ihren Aufgaben. Ihre Hände liegen entspannt auf dem Tisch, unter einem der Ärmel ihrer Feldbluse schaut ein Tattoo hervor. Die blonden Haare hat sie zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden. Obwohl ihr die Arbeit im Labor sichtlich Freude bereitet, ist ihr „Laborarbeit allein zu langweilig, daher bin ich froh, dass auch Aufträge außerhalb des Labors auf mich zukommen.“ Mit der Ausbildung von Soldatinnen und Soldaten aller Dienstgradgruppen schafft sie Verständnis für die Aufgaben der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr innerhalb der Truppe. Dabei bricht Major D. wissenschaftliche Themen so herunter, dass sie gut zu verstehen sind und später von den Ausbildungsteilnehmenden auch praktisch umgesetzt werden können. Eine Parallele zu ihrem vorangegangenen Job als Gymnasiallehrerin. Auch dort ging es darum, Wissen adressatengerecht zu vermitteln.

Externe Fähigkeiten sind wichtig für die Bundeswehr

Zwei Soldatinnen, beide tragen blaue Schutzwesten und einen blauen UN-Helmüberzug, im Gespräch mit zwei Soldaten.

Soldatische Tugenden haben für Major Dr. Liza D. oberste Priorität. Hier ist sie beim United Nations Military Observer Course in Hammelburg.

Bundeswehr

Die Fachexpertise von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern ist für die Bundeswehr von hoher Relevanz, gerade in der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr. Die Bundeswehr bildet Spezialistinnen und Spezialisten wie Major D. nicht selbst aus, Studiengänge in bestimmten naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie werben an den Universitäten der Bundeswehr nicht angeboten. Die Truppe ist in solchen Bereichen demnach auf externe Erfahrungen und Kenntnisse wie die von Major D. angewiesen. „Ich bin mit Herzblut Soldatin und habe den vollen militärischen Ausbildungsanteil durchlaufen.

Ich bin auch truppendienstlich ausgebildet und durfte bereits Erfahrungen als stellvertretende Zugführerin in einem Spezialzug sammeln“, erzählt sie stolz. „Dafür bin ich sehr dankbar. Die meisten Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger werden oft nur für ihre Fachexpertise genutzt.“ Sie selbst versteht sich als Soldatin mit Zusatzqualifikationen. Die Truppenerfahrung spielt für sie eine große Rolle. „Aus meiner Sicht ist die Erfüllung soldatischer Tugenden oberstes Gebot.“ Der Dienstherr wiederum profitiert dabei auch vom persönlichen Erfahrungsschatz, den sie als Seiteneinsteigerin mitbringt.

„Ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein“

Trotz Höhen und Tiefen hat Major Dr. D. auch im achten Dienstjahr als Soldatin immer noch Freude an ihrem Beruf. Lachend erzählt sie: „Ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein.“ Mit 32 Jahren kündigte die promovierte Biologin ihren Job als Gymnasiallehrerin und wurde Offizierin bei den ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräften. „Der Berufswechsel hatte mehrere Gründe“, sagt sie. Einer davon waren die geplanten Veränderungen im Bildungssystem hin zu Gesamtschulen. Die Reaktion im ehemaligen Kollegenkreis auf den gewagten Karriereschritt sind unterschiedlich ausgefallen. „Die meisten hatten bis zu diesem Zeitpunkt kaum Berührungspunkte mit der Bundeswehr. Vielen musste ich erst einmal erklären, dass die Bundeswehr erforscht, wie Kampstoffe funktionieren und nicht, wie man Kampfstoffe herstellt. Es hat dann schon eine Weile gedauert bis klar wurde, dass wir abwehren und nicht angreifen wollen. Das ‚Abwehr‘ steht ja nicht umsonst im Namen meiner Truppengattung!“

Der rote Faden in ihrer Karriere ist für sie, dass sie sowohl als Lehrerin als auch als Soldatin eine Staatsdienerin war und ist, sich aber dadurch weiterentwickeln konnte. „Nur eben nicht mehr an der Tafel, sondern in der Truppe“, sagt sie schmunzelnd.

Generalistin im Einsatz

Eine Frau im Laborkittel erklärt einer Soldatin etwas am Labortisch.

Auch die Vermittlung von Wissen gehört zu den Aufgaben von Major Dr. D. in ihrer aktuellen Verwendung. Hier profitiert sie von ihren Erfahrungen aus dem Schuldienst.

Bundeswehr/Victoria Förster

Frau Major Dr. D. ist eine Allrounderin im Aufgabenfeld der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräfte. Ihre Aufgaben reichen von der Ausbildung von Kameradinnen und Kameraden über Truppendienst bis hin zu der Arbeit im Labor. Nicht nur aufgrund ihrer fachlichen Expertise, sondern auch wegen ihrer zwischenmenschlichen Erfahrungen ist sie ein Gewinn für die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräfte, und damit für die ganze Bundeswehr. Gegen Ende des Jahres ist für sie ein weiterer Auslandseinsatz im Irak geplant. „Diesmal aber nicht als ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Spezialistin, sondern in einer querschnittlichen Verwendung.“ Ein weiteres Mal wird ihre Fähigkeit als Generalistin gefordert – wie bereits so häufig in ihrer Zeit als Soldatin der Streitkräftebasis.

von Anna-May Alich  E-Mail schreiben

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