Streitkräftebasis

Ulmer Pioniere und Spezialisten errichten Gefechtsstand

Ulmer Pioniere und Spezialisten errichten Gefechtsstand

  • Logistik
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Datum:
Ort:
Bergen
Lesedauer:
4 MIN

Die Soldaten des Multinationalen Kommando Operative Führung haben - in enger Zusammenarbeit mit den Kräften des Logistikregiment 1 aus Burg - innerhalb von 10 Tagen einen mobilen Teilgefechtsstand errichtet, den sie in den folgenden Wochen für die in Vorbereitung befindlichen Kräfte der NATO Response Force betreiben.

Mehrere Zelte und Container auf einer Wiese

Spezialisten und Pioniere des Ulmer Kommando haben innerhalb von 10 Tagen den Anteil eines Gefechtsstand aufgebaut und in Betrieb genommen.

Bundeswehr/Bastian Süpple

Es ist ein sonniger, leicht windiger Herbsttag in der Niedersachsen-Kaserne. 50 Soldatinnen und Soldaten sind an diesem Morgen auf einem Gelände angetreten, das mehrere Fußballfelder groß ist. Im Hintergrund stehen 33 grüne Fracht- und Funktionscontainer, die neben- und aufeinandergestapelt sind. Davor stehen mehrere geländetaugliche Containerstapler, Teleskoplader und Verladegeräte. Bevor es losgeht, geben Leutnant Sven Rohrbach und Stabsfeldwebel Alexander Gabele letzte Anweisungen an ihre Pioniere, Mechaniker, Elektriker und Klimatechniker in Uniform.
Der Auftrag der angetretenen Pioniere und Spezialisten lautet nämlich, das angelieferte Material auszuladen und innerhalb von zehn Tagen eine Gefechtsstandinfrastruktur aufzubauen sowie zu betreiben. Nutzen wird sie das Logistikregiment 1 als Unterstützungsverband NRFNATO Response Force um stabsinterne Prozesse und Strukturen einem letzten Stresstest zu unterziehen. Ab Mitte November steht die Zertifizierung am Logistikübungszentrum in Garlstedt an.

Ein Containerstapler hebt einen Container an

Sein großer Vorteil gegenüber einem Gabelstapler oder Mobilkran besteht in der Kombination von Reichweite und Hubleistung.

Bundeswehr/Bastian Süpple

Von den 50 angetretenen Soldatinnen und Soldaten gehören 32 zum Ulmer Kommando und 18 zum Logistikregiment 1, welches unterstützt, indem es am Ende der Aufbauphase 126 Arbeitsplätze mit der notwendigen ITInformationstechnik ausstattet. Zwei Tage werden die Kräfte brauchen bis die Hardware aufgebaut und angebunden ist. „Es geht nur gemeinsam“, betont Oberleutnant Daniel Rosenkranz, Kompanieeinsatzoffizier der Stabskompanie des Logistikregiments 1. Die Fähigkeit aus Ulm, einen einsatz- und verlegefähigen Gefechtsstand zu errichten und zu betreiben, ist so in der Bundeswehr qualitativ einzigartig und darüber hinaus unerlässlich für die Führungsfähigkeit multinationaler Kräfte. Die Ulmer Pioniere und Gefechtsstand-Spezialisten bereiten sich damit auf ihren künftigen Auftrag bei der NATO Response Force (NRFNATO Response Force) 2022 bis 2024 vor.

Viel Handwerk 

Ein Teleskoplader hebt eine Transportkiste an

Der Merlo Teleskoplader wird verwendet um Container ein- und auszuladen.

Bundeswehr/Bastian Süpple

Neben den handwerklichen Arbeiten – wie etwa dem Einmessen des Geländes, der Verlegung der Bodenplatten und Energieleitungen, dem Aufstellen und Verankern der Zelte, der Anbindung der Zelte und der Heiz- und Klimageräte an die Energieverteilercontainer, der Einrichtung des „Innenhimmels“ sowie der Innenbeleuchtung und der Dienstmöblierung – gilt es auch, die Sicherheits- und Umweltbestimmungen zu beachten, etwa beim Brandschutz oder der elektrotechnischen Sicherheit am Arbeitsplatz durch die Prüfung der Erdungswiderstände. Der Kommandeur des Unterstützungsverbandes des Multinationalen Kommando Operative Führung, Oberstleutnant Dennis Kalendruschat, bringt es auf den Punkt:

Ein Soldat schließt einen Computer an.

Ein Soldat des Logistikregiments 1 richtet PC-Arbeitsplätze ein.

Bundeswehr/Bastian Süpple

„Die besondere Herausforderung für meine Soldatinnen und Soldaten besteht darin, innerhalb kürzester Zeit eine Führungseinrichtung aus dem Boden zu stampfen und dabei wie beim Bau eines neuen Stadtteils alle notwendigen „Gewerke“ wie Tiefbau, Hochbau, Strom, Licht, Klima, ITInformationstechnik unter Einhaltung aller gesetzlichen Auflagen so zu koordinieren, dass eine schnellstmögliche „Schlüsselübergabe“ und der Einzug der Nutzer erreicht werden kann“, und fügt hinzu: „Neben dem Schutz unserer Kräfte hat also die Geschwindigkeit zum Erreichen der Führungsfähigkeit des Gefechtsstandes oberste Priorität.“

Aus Diesel wird Strom

Ein Soldat bedient mit einer Fernsteuerung einen Mitnahmestapler.

Ein Soldat des Multinationalen Kommando Operative Führung bedient den „Crayler“.

Bundeswehr/Bastian Süpple

Insgesamt 24 luftgestützte Zelte und drei sogenannte Einheitszelte bauen die Ulmer Soldatinnen und Soldaten in vier „Clustern“ auf dem Gelände auf. „Der besondere Vorteil der luftgestützten Zelte ist, dass sie schneller aufgebaut werden können, da sie nur aufgeblasen werden müssen und das eingebaute Gestänge nur zur zusätzlichen Sicherheit bei längeren Standzeiten dient,“ erklärt Stabsfeldwebel Gabele. Verbunden sind die Zelte mit Heiz- und Klimageräten, die im Winter heizen und im Sommer wie eine Klimaanlage kühlen. Herzstück des Gefechtsstandes in energietechnischer Hinsicht sind die Energieverteilercontainer. Es handelt sich um Stromerzeuger, die daher auch „power stations“ genannt werden. Jeder Einzelne hat eine Leistung von 200 Kilowatt, ist praktisch und schnell verlegbar. Im Innern hat er ein Dieselaggregat, das an den Stromgenerator angeschlossen wird. Die Ulmer Elektriker haben drei Energieverteiler zusammengeschlossen, die im Verbundbetrieb eingesetzt werden können. „Deckt ein Energieverteilercontainer nicht den Energiebedarf, werden durch die Steuerung automatisch ein bis zwei weitere in die Stromerzeugung mit eingebunden,“ erklärt der leitende Elektriker, Hauptfeldwebel Werner Schmitt. Der Dieseltreibstoff kommt aus einer Tankzisterne mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Litern, die vor dem Betrieb befüllt wurde.

„Gabelstapler im Einsatz“

Mehrere Soldaten verlegen Energieleitungen.

Soldaten des Ulmer Kommando verlegen Energieleitungen, die den Gefechtsstand an die Energieverteilercontainer anbindet.

Bundeswehr/Bastian Süpple

Um Material ein- und auszuladen, kommen Feldumschlaggeräte bzw. Stapler unterschiedlicher Nutzlast zum Einsatz. Der größte unter ihnen ist der Containerstapler „Reachstacker“ vom Hersteller „Konecranes“ für 20- bis 40 Fuß-Container mit einer Nutzlast von cirka 25 Tonnen. Sein großer Vorteil gegenüber einem Gabelstapler oder Mobilkran besteht in der Kombination von Reichweite und Hubleistung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mittels Ketten oder Gurten auch „nicht-containerisierte“ Güter zu bewegen.
Der Merlo Teleskoplader ist ein allradgelenktes Feldumschlaggerät zum Umschlag von Material mit einer Nutzlast von 4 Tonnen. Verwendet wird er vor allem für das Ein- und Ausladen von Containern. Der Crayler ist ein ferngesteuerter Mitnahmestapler mit einer Nutzlast von 1,4 Tonnen. Er kann am Heck eines Trägerfahrzeuges oder in einer schützenden Box zwischen den Achsen mitgenommen werden. Zum Einsatz kommt er vor allem für die letzten Meter vom Lagerplatz zum Aufbauplatz. Ein weiterer Vorteil ist, dass er geländegängig ist und kaum Flurschäden verursacht.

Hintergrund: NRFNATO Response Force

Die NATO Response Force (NRFNATO Response Force) ist die Schnelle Eingreiftruppe der NATO. Im Konfliktfall kann sie schnell verfügbar und hoch flexibel weltweit verlegen und leistet so einen wesentlichen Beitrag zur glaubwürdigen Abschreckung der NATO und wirksamen Landes- und Bündnisverteidigung. Deutschland ist verantwortliche Rahmennation und wesentlicher Truppensteller für die NATO Response Force 2022 bis 2024 und die VJTFVery High Readiness Joint Task Force (Very High Readiness Joint Task Force) 2023. In Ergänzung zur eigentlichen Kernaufgabe als militärstrategisches Hauptquartier der Europäischen Union ist das Multinationale Kommando Operative Führung beauftragt, Kräfte und Material für den Unterstützungsverband NRFNATO Response Force - im Schwerpunkt der Aufbau und Betrieb der Gefechtsstandinfrastruktur - für den Stab des deutschen Kontingentführers NRFNATO Response Force sowie die nationalen Unterstützungskräfte bereitzustellen.

von Dr. Davor Zebec  E-Mail schreiben

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