Streitkräftebasis

Christina Schwanitz: „Vier Packungen Milch, über anderthalb Buslängen gestoßen“

Christina Schwanitz: „Vier Packungen Milch, über anderthalb Buslängen gestoßen“

  • Spitzensport
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Datum:
Ort:
Sachsen
Lesedauer:
5 MIN

Welt- und Europameisterin im Kugelstoßen, Soldatin und Mutter, Stabsunteroffizier und Feldwebelanwärter Christina Schwanitz ist Sportlerin aus Leidenschaft. An einem verschneiten Tag im Januar ließ sie uns an ihrem Training im Olympiastützpunkt Chemnitz teilhaben und gab Einblicke in ihren Alltag.

Eine Kugelstoßerin schaut mit Kugel im Anschlag strahlend in die Kamera.

Eine der Topathletinnen der Bundeswehr-Sportförderung: Stabsunteroffizier Christina Schwanitz von der Sportfördergruppe Frankenberg/Sachsen.

Bundeswehr/Anne Weinrich

„Beim Kugelstoßen kannst du richtig „ballern“, richtig Aggression reinstecken in den Stoß, das mag ich.“ Stabsunteroffizier (FAFeldwebelanwärter) Christina Schwanitz steht in Trainingssachen in der Sporthalle des Olympiastützpunktes in Chemnitz und klopft sich das Magnesium von den Händen. Die 35-Jährige ist Top-Athletin bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Frankenberg und eine der erfolgreichsten deutschen Kugelstoßerinnen. Seit fast zwölf Jahren wird sie durch die Streitkräfte bei Training und Wettkampf unterstützt. Die geborene Dresdnerin trainiert fast täglich im Olympiastützpunkt Chemnitz. Zum Kugelstoßen kam Schwanitz erst spät, schwankte zwischen Diskuswerfen und dem Sport mit der schweren Eisenkugel.
Für die Spitzensportlerin der Bundeswehr gehört das Einmaleins aus Erwärmen und Dehnen dazu: „Laufen als Erwärmung ist zwar nicht so mein Ding, aber als dann die ersten Erfolge kamen, musste ich dennoch öfters im Training laufen. 400 Meter, das ist eine Runde auf der Tartanbahn, das reicht mir“, sagt die Welt- und Europameisterin im Kugelstoßen. Wer sich mit Christina Schwanitz auseinandersetzt und auch vergangene Fernsehauftritte ansieht, der wird schnell feststellen, dass die Soldatin aus der Sportfördergruppe Frankenberg immer gut drauf ist und einen kecken Spruch auf den Lippen hat. Sie sagt, was sie denkt, das kommt nicht nur bei der Truppe gut an.

Fokussiert bei allen Herausforderungen im Leben

Eine Kugelstoßerin sitzt mit gegrätschten Beinen auf einer Matte.

Stretching als Teil des Tages: Christina Schwanitz beim Training am Olympiastützpunkt Chemnitz.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Die Teilnahme und Platzierung bei den kommenden Olympischen Sommerspielen ist der Sportlerin natürlich besonders wichtig. Schwanitz ist Weltmeisterin und mehrfache Europameisterin im Kugelstoßen der Frauen. Ihre Bestweite liegt bei 20,77 Metern beim World Challenge Meeting 2015 in Peking. Weltmeisterin wurde sie nur drei Monate später im selben Stadion mit 20,37 Metern. Sie gewann gegen ihre damalige Konkurrentin aus der Volksrepublik China, Gong Lijiao, die auf eine Weite von 20,30 Meter kam. „Das sind vier Packungen Milch, die ich über anderthalb Buslängen gestoßen habe. An diesem Tag nach dem dritten Versuch wusste ich, dass ich Weltmeisterin werde. Ich war so fokussiert und stieß die Kugel ganze sieben Zentimeter weiter. Das war der schönste Moment in meiner bisherigen sportlichen Karriere.“ Im selben Jahr wurde Schwanitz in Deutschland zur „Sportlerin des Jahres 2015“ gewählt – ein perfektes Jahr. Bei der Dankesrede hatte sie die Lacher mit einem frechen Spruch auf ihrer Seite: „Ich bin die einzige Frau, die sich über sieben Zentimeter freut“, sagte sie mit einem Augenzwinkern. Ihr Motto: „Jeder Tag, an dem nicht gelacht wird, ist ein verlorener Tag.“ Ihr nächstes Ziel ist erneut Asien. In Tokio (Japan) konnten die geplanten Olympischen Spiele 2020 wegen der Pandemie bisher nicht ausgetragen werden und wurden auf den Sommer 2021 verschoben. Schwanitz ist Optimistin, aber lässt die Realität auch nicht aus den Augen. Sie weiß, dass ihre Zeit als Profisportlerin endlich ist, so wie bei allen Top-Athleten. Dennoch hat die Ausnahmesportlerin ein Ass im Ärmel: Sie hat die Fördermöglichkeiten der Bundeswehr genutzt und absolviert in ihrer Dienstzeit ein Studium der Sozialen Arbeit und Pädagogik. Vor dem Eintritt in die Bundeswehr absolvierte sie eine Ausbildung zur Verwaltungswirtin im nichttechnischen mittleren Dienst. „Ich möchte mich weiterhin in den Streitkräften einbringen und der Bundeswehr erhalten bleiben. Ich stehe 100 Prozent zur Bundeswehr und bin stolz darauf, Soldat zu sein! Berufssoldatin zu werden, ist mein Ziel. Da kann ich mir ganz verschiedene Positionen vorstellen“, sagt die Soldatin der Sportfördergruppe Frankenberg.
In der Frankenberger Bundeswehr-Einheit ist Schwanitz eine von mehr als 50 Top-Athleten, die hier betreut werden. Oberstabsfeldwebel Jan Fiedler, der Leiter der Sportfördergruppe, und sein Team organisieren alles von der Beförderung bis zur „Grünen Woche“, der militärischen Übungsphase für die Kameradinnen und Kameraden der Bundeswehr-Sportförderung.

Eine runde Sache – Metall in seiner schönsten Form

Eine Kugelstoßerin schreibt in ein Trainingstagebuch ein. Eine Langhantel im Hintergrund.

Zur Wettkampfvorbereitung gehört für Kugelstoßerin Christina Schwanitz die Trainingsplanung.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Christina Schwanitz hat, wie nahezu jeder Kugelstoßer, eine eigene Wettkampfkugel, die in einer individuellen Tragetasche transportiert wird. Eine neue Kugel wird mit rund 4.020 Gramm ausgeliefert. Durch Training und Wettkämpfe nutzt sich die Kugel beim Aufschlag auf den Boden ab. Jedoch darf die Wettkampfkugel für Frauen nicht leichter als 4.005 Gramm sein, leichtere Geräte werden nicht zugelassen. Die Kugeln bestehen aus Volleisen und kosten rund 150 Euro pro Stück. Christina Schwanitz hat Kugeln mit drei, vier, fünf und sechs Kilogramm für das Training. Die Kugeln der Männer liegen im Vergleich bei rund 7.250 Gramm. „Jeder Kugelstoßer erkennt seine persönliche Kugel unter Tausenden“, sagt die Sportsoldatin. „Bei Wettkämpfen werden die Kugeln vor Beginn des Wettkampfes gewogen und mit einem kleinen Aufkleber markiert, um die zum Wettkampf zugelassenen Kugeln zu kennzeichnen. Nach einem Jahr sind die Abnutzungserscheinungen so groß, dass Schwanitz eine neue Kugel benötigt.

Mit ausgewogener Ernährung zum Erfolg

Mehrere Eisenkugeln unterschiedlicher Größe lagern in einem Regal.

Die eisernen Kugeln gibt es fürs Training mit unterschiedlichem Gewicht. Sie nutzen sich durch das Training ab und werden immer wieder gewogen.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Besonders die Ernährung spielt im Sport eine große Rolle. „Ich achte darauf, dass ich mich ausgewogen ernähre. Dabei habe ich einen Verbrauch von 1.700 bis 2.300 Kilokalorien am Tag. Zusätzliche Eiweißprodukte oder Kreatin versuche ich zu vermeiden. Da gehe ich sonst auf“, so die Athletin. Ausgewogene Ernährung ist der Weltmeisterin auch im Privaten, bei ihrer Familie, wichtig. Im Krafttraining stemmt sie zu Bestzeiten fünf Sätze mit je fünfmal 165 Kilogramm beim Bankdrücken und drei Sätze mit je viermal 220 Kilogramm im Kreuzheben. Zum Vergleich: Leichte Motorräder beginnen in der Regel mit einem Gewicht von circa 150 Kilogramm.

Feste Strukturen sind die Grundlage

Eine Kugelstoßerin liegt auf einer Hantelbank, die Hände an der Hantelstange.

Krafttraining für eine Kugelstoßerin. Stabsunteroffizier Christina Schwanitz von der Sportfördergruppe Frankenberg bereitet sich am Olympiastützpunkt in Chemnitz auf Wettkämpfe vor.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Struktur ist Christina Schwanitz besonders wichtig, sowohl im privaten Leben als auch im Sport. „Kinder beispielsweise brauchen einen festen Tagesablauf und Regeln, um sich innerhalb dieser Regeln entfalten zu können“, sagt die zweifache Mutter. Besonders ihr Mann und das Team der Kindertagesstätte ihrer dreijährigen Zwillinge unterstützen sie, um flexibel für Trainings- und Wettkampfzeiten zu sein. „Mein Mann gibt mir Halt und hilft mir, wo immer er kann.“ Christina Schwanitz hat einen Abschluss als Verwaltungswirtin im mittleren nichttechnischen Dienst. Seit kurzem studiert sie neben dem Training Sozialpädagogik an der Hochschule Mittweida und hat ihr erstes Semester erfolgreich abgeschlossen. „Mit dem Kugelstoßen werde ich solange weitermachen, wie es mir Spaß macht. Das ist mein Dienst für die Bundeswehr und unser Land.“

von Sebastian Strempel  E-Mail schreiben

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