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Fighting in Complex Terrain – Infanterieausbildung bei EUMAM UAEuropean Union Military Assistance Mission Ukraine

Fighting in Complex Terrain – Infanterieausbildung bei EUMAM UAEuropean Union Military Assistance Mission Ukraine

Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
4 MIN

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Die Verteidigung ihres Heimatlandes stellt das ukrainische Militär immer wieder vor neue Herausforderungen. Umso wichtiger ist es daher, auch die Ausbildungen bei EUMAM UAEuropean Union Military Assistance Mission Ukraine regelmäßig anzupassen und weiterzuentwickeln. Die infanteristische Ausbildung „Fighting in Complex Terrain“ ist ein Beispiel für diese Anpassungsfähigkeit.

Drei Soldaten laufen auf ein Gebäude zu. Dieses ist in Nebel gehüllt.

Bei der Ausbildung „Fighting in Complex Terrain“ lernen ukrainische Soldatinnen und Soldaten unter anderem taktische Grundlagen für den Ort- und Häuserkampf

Bundeswehr/Lea Bacherle

Hintergrund

Seit Februar 2022 verteidigt das ukrainische Militär ihr Land entschlossen gegen den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands. Während zu Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen die Verteidigung urbaner oder strategisch wichtiger Gebiete im Fokus stand, sehen sich die ukrainischen Streitkräfte durch ihre Gegenoffensive nun mit komplett neuen Operationsräumen konfrontiert. Die russische Verteidigungslinie stellt die Soldatinnen und Soldaten vor Herausforderungen, die zum Teil bereits vor etwa 80 Jahren den Zweiten Weltkrieg geprägten: ausgedehnte Stellungssysteme mit kilometerlangen Minenfeldern. Da sich der Einsatz von gepanzerten Kampffahrzeugen unter diesen Bedingungen aus ukrainischer Sicht als uneffektiv erwiesen hat, setzt das ukrainische Militär wieder vermehrt auf Infanterie, um die russischen Stellungssysteme freizukämpfen. Die Ausbildung „Fighting in Complex Terrain“ soll die ukrainischen Infanteristinnen und Infanteristen sowohl auf Operationen in urbanen Gebieten oder Stellungssystemen als auch auf den Waldkampf vorbereiten.

Annäherung 

Mehrere Soldaten ducken sich hinter einem Erdwall ab. Einer von ihnen hält eine Waffe in Anschlag und schaut über den Wall.

Eine Gruppe ukrainischer Militärangehöriger bereitet sich in ihrer Stellung auf den bevorstehenden Angriff vor

Bundeswehr/Lea Bacherle

Auf einem Truppenübungsplatz des Ausbildungszentrums Nord bereiten sich deutsche Fallschirmjäger und eine ukrainische Infanteriekompanie auf den bevorstehenden Ausbildungstag vor. Für die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten ist der Umgang mit Waffen und Munition nichts Neues. Die meisten von ihnen stammen aus Frontgebieten und waren bereits für die Verteidigung ihrer Heimat eingesetzt. Innerhalb von vier Wochen sollen sie in Deutschland taktische Grundsätze lernen, um als Gruppe, Zug oder Kompanie gemeinsam in unterschiedlichen Operationsräumen militärisch wirksam vorgehen zu können.

Noch vor dem ersten Tageslicht erreichen sie den heutigen Übungsraum. Hier erhält der Zugführer in einem dichten Waldgebiet unweit eines Übungsdorfes seinen ersten Auftrag. Der Zug soll das Bahnhofsgebäude, einen strategisch wichtigen Punkt, einnehmen. Der Bahnhof liegt hinter dem Übungsdorf, in dem sich feindliche Kräfte zur Verteidigung eingerichtet haben. Sofort wertet der Zugführer die Lage aus, um das weitere Vorgehen zu planen und seine Soldatinnen und Soldaten mittels einer kurzen Befehlsausgabe einzuweisen. Dann beginnt die erste Phase des Angriffs und der Zug nähert sich, aufgeteilt in drei Gruppen, langsam dem Waldrand. Die Soldaten sind wachsam und vorsichtig, denn auch außerhalb des Dorfes könnten sie jederzeit auf feindliche Kräfte stoßen. Am Waldrand angekommen beziehen die Soldatinnen und Soldaten Stellung - sie kennen ihre bevorstehende Aufgabe und treffen letzte Vorbereitungen.

Angriff 

Mehrere Militärangehörige gehen eine Treppe hinauf. Sie sichern ihr Vorgehen gegenseitig ab.

Von Raum zu Raum und von Stockwerk zu Stockwerk arbeiten sich die Soldatinnen und Soldaten - mit einem individuell eingeteilten Sicherungsbereich - in Gebäuden vor

Bundeswehr/Lea Bacherle

Zwei Nebelgranaten, auch Nebeltöpfe genannt, werden geworfen und landen zielsicher zwischen einem nahegelegenen Gebäude und der Stellung der ersten Gruppe. Der Nebel soll den Feindkräften den Blick auf das weitere Vorgehen der Soldatinnen und Soldaten verwehren, damit diese sich dem Gebäude möglichst unerkannt nähern können. „Sturm“, ruft der Gruppenführer schließlich und die Soldatinnen und Soldaten stürmen, geschützt durch das Deckungsfeuer der zweiten Gruppe, auf das Gebäude zu.

Close Quarters Combat“, der Kampf auf nahe und nächste Distanz mit allen Mitteln, erfordert Flexibilität und eine gute Koordination innerhalb der Gruppe. In unübersichtlichen Gebäuden oder auch in Grabensystemen müssen feindliche Kräfte innerhalb von Sekundenbruchteilen zielsicher bekämpft werden, ohne dabei „Friendly Fire“, also den Beschuss eigener Kräfte, zu verursachen. So arbeiten sich die Soldatinnen und Soldaten von Raum zu Raum, von Stockwerk zu Stockwerk, bis sie das gesamte Gebäude eingenommen und gesichert haben. Doch ihr Auftrag ist damit noch nicht erledigt. Dieses Gebäude ist nur ein notwendiges Zwischenziel, um die Einnahme des Bahnhofsgebäude überhaupt zu ermöglichen.

Plötzlich steht die Gruppe unter Beschuss. In dem gegenüberliegenden Gebäude befinden sich noch feindliche Kräfte, doch die Ausdehnung der Gruppe ist schon zu groß, um auf ein weiteres Gebäude zu wirken. Sofort fordert der Gruppenführer per Funk Verstärkung an. Jetzt gilt es, den Angriffsschwung aufrechtzuerhalten und schnellstmöglich auf das zweite Gebäude vorzurücken. Während die zweite Gruppe weiterhin Deckungsfeuer bereitstellt, können sich die beiden Sturmgruppen vereinen und gemeinsam auch das zweite Gebäude einnehmen. Ein letztes Mal koordiniert der Zugführer seine Kräfte mit einem kurzen Gefechtsbefehl, dann beginnt der Angriff auf das Bahnhofsgebäude.

Training für die Front

Zwei Soldaten gehen an einem Gebäude entlang. Sie sind in Nebel eingehüllt.

Um auch feindliche Fahrzeuge bekämpfen zu können, werden einige der ukrainischen Militärangehörigen zusätzlich mit einer Panzerfaust bewaffnet

Bundeswehr/Lea Bacherle

„Noch gibt es einiges zu verbessern“, erklärt einer der Ausbilder bei der anschließenden Auswertung. Vor allem die Koordination der Kräfte und der Schutz der eigenen Soldatinnen und Soldaten ist für alle Streitkräfte die größte Herausforderung in dieser besonderen Ausbildung. Doch die ukrainischen Militärangehörigen sind sehr motiviert und können im nächsten Szenario bereits einige Fehler abstellen. An sechs Tagen der Woche sind sie für bis zu 12 Stunden in den anspruchsvollen Ausbildungen gefordert. Nur so können sie innerhalb der kurzen Trainingsdauer alle notwendigen Fähigkeiten und Taktiken erlernen. Bereits in wenigen Tagen werden sie an die Front zurückkehren. Als Infanteristinnen und Infanteristen haben sie dort einen der gefährlichsten Aufträge und nicht alle werden diesen Einsatz überleben. Umso wichtiger ist es daher, die verfügbare Ausbildungszeit bestmöglich zu nutzen, um die Überlebenschancen der ukrainischen Soldatinnen und Soldaten auf dem Gefechtsfeld zu erhöhen.

 

von Lea  Bacherle

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