Den Verbrechern voraus - Persönlichkeitsbildung im Bundeskriminalamt

Den Verbrechern voraus - Persönlichkeitsbildung im Bundeskriminalamt

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Gefestigte Persönlichkeiten wachsen nicht auf Bäumen. Eine gute Personalentwicklung ist für das Bundeskriminalamt der Schlüssel, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zielgerichtet zu entwickeln und zu fördern. Was genau macht das BKABundeskriminalamt? Ein Interview mit der Leiterin Personal und Verwaltung, Helen Albrecht und dem Wertebeauftragten, Thomas Helf.

8 Fragen an Helen Albrecht und Thomas Helf

Helen Albrecht, Leiterin für Personal und Verwaltung im BKA, und Thomas Helf, Wertebeauftragter, im Portrait.
Bundeskriminalamt/Pressestelle
Wilke Rohde

Warum ist das Thema Persönlichkeitsentwicklung für das Bundeskriminalamt wichtig?

Albrecht: Uns im BKA kommt es darauf an mit den Straftätern Schritt halten zu können. Früher haben wir hier Spuren im Schnee ausgewertet, in Zukunft müssen wir digitale Spuren im Internet finden. Herausforderungen meistern, Zukunft gemeinsam gestalten und Veränderungsbereitschaft sind drei wesentliche Eckpunkte unserer Personalentwicklung. Unsere Mitarbeitenden sollen die Haltung entwickeln: ‚Egal was passiert und egal vor welcher Herausforderung ich stehe: Ich kann mich darauf einstellen.‘

Helen Albrecht, Leiterin für Personal und Verwaltung im BKA, und Thomas Helf, Wertebeauftragter, im Portrait.
Wilke Rohde

Wie gelingt das?

Albrecht: Unser Motto lautet: ‚Gemeinsam das Richtige machen.‘ Wir wollen nicht den Einzelkämpfer, sondern die Gruppe. Das ist der Selbstzweck in unserer Behörde. Alle Mitarbeitenden bekommen Gelegenheit, sich dort weiterzubilden, wo sie bei sich Defizite entdecken. Wir wollen einen Ort, an dem sich Bestandsführungskräfte, aber auch diejenigen, die neu sind im BKA, mit den Themen Führung, Kommunikation oder Netzwerkarbeit auseinandersetzen. Dazu haben wir das Thema Personalgewinnung- und -entwicklung in den letzten Jahren stark forciert. Seit dem 1. Juli dieses Jahres gibt es unter anderem ein neues Referat, dass sich mit dem Thema Führungskräfteentwicklung beschäftigt.

Helen Albrecht, Leiterin für Personal und Verwaltung im BKA, und Thomas Helf, Wertebeauftragter, im Portrait.
Wilke Rohde

Wie gelangen Sie an den und die Richtige?

Helf: Wir wollen im BKA ein Wertekonzept vorleben. Das zu entwickeln, gehört zu meinen Kernaufgaben als Wertebeauftragter hier am Haus. Welche Normen und Werte sind für die gemeinsame Arbeit wichtig? Gibt es einen Wertekanon? Worin besteht der? Das findet man nur heraus, wenn man so viele Mitarbeitende wie möglich einbindet. Das ist unser Weg, der dann hoffentlich für die Bewerberinnen und Bewerber auch attraktiv ist.

Albrecht: Was wir wollen, ist eine Grundhaltung BKA. Vor Jahren hat die Firma Danone mal einen Einstellungstest gemacht. ‚Bist Du Danone?‘ fragte das Unternehmen. Bei uns ist es dasselbe. „Bist Du BKA?“. Die Grundhaltung, die Grundwerte und auch die Grundkompetenzen sind entscheidend. Die müssen von der Verwaltungsbeamten bis zum IT‘ler gleich sein.

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Wilke Rohde

Warum sind Werte für die Persönlichkeitsbildung und -entwicklung wichtig?

Helf: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Vom Vollzugsbeamten bis zum Tarifbeschäftigten müssen alle auf dem Boden der FDGO stehen, das ist für uns wichtig. Das ist es, was wir verteidigen wollen. Dafür müssen wir stehen und an der Stelle auch Haltung zeigen. Das zu unterstützen, was Menschen dazu bringt, leistungsfähig zu sein, ist ein wichtiger Wert. Wir fördern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Teamarbeit und kooperative Führung wollen wir näher in den Fokus nehmen, damit Führung funktionieren kann. Daneben, glaube ich, kommt auch der Teamfähigkeit als einem der Werte eine Bedeutung zu. Das halte ich für sehr wichtig, um Persönlichkeiten zu entwickeln.

Helen Albrecht, Leiterin für Personal und Verwaltung im BKA, und Thomas Helf, Wertebeauftragter, im Portrait.
Wilke Rohde

Wie beziehen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein?

Albrecht: Wir wollen ein Führungsverständnis, das kein Top-Down- sondern ein Bottom-Up-Prozess ist. Es geht uns nicht darum, irgendwelche Powerpoint-Präsentationen zu erstellen, die man sich hinterher abmalen muss, sondern, dass wir wirklich in die Umsetzung gehen und Maßnahmen nachhalten. Alles andere ist heiße Luft.

Helen Albrecht, Leiterin für Personal und Verwaltung im BKA, und Thomas Helf, Wertebeauftragter, im Portrait.
Wilke Rohde

Gibt es individuelle Anreize um Persönlichkeitsbildung zu fördern?

Albrecht: Das BKA bietet Coaching-Angebote, auch ein Mentoring-Programm, insbesondere für weibliche Führungskräfte oder Frauen, die gerne Führungskraft werden wollen. Im nächsten Jahr führen wir ein neues Feedback-Instrument für Führungskräfte ein, wahrscheinlich ein 360Grad-Feedback. Die Leute wollen eine Resonanz zu ihrer Tätigkeit. Der alte Slogan - „nicht geschimpft, ist Lob genug“ - greift nicht mehr. Umgekehrt müssen wir auch eingreifen, wenn wir feststellen: Das ist nicht der oder die Richtige am richtigen Platz, und dann auch dienstrechtliche Konsequenzen ziehen. Schwarzen Schafe stecken wir nicht in eine Entwicklungsmaßnahme.

Helen Albrecht, Leiterin für Personal und Verwaltung im BKA, und Thomas Helf, Wertebeauftragter, im Portrait.
Wilke Rohde

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das Thema Vorbild für Sie?

Albrecht: Total wichtig. Wir kriegen erstmals in 70 Jahren BKA ein Führungsleitbild. Ein zentraler Begriff darin lautet ‚Führung als Vorbild‘. Es gibt nicht umsonst den Spruch: Der Fisch stinkt vom Kopf. Umso wichtiger ist es, dass die Führungskräfte, das Führungsverständnis und das Werteverständnis vorleben. Wie wollen sie sonst 8.000 Mitarbeitenden erklären, wie die das machen sollen, wenn keiner der Führungskräfte das vorlebt? Es gibt ja so das Bild ‘Mit der Fahne vorweg.‘ Das muss bei dem Thema Vorbild tatsächlich so sein. Wir müssen Orientierung geben.

Helen Albrecht, Leiterin für Personal und Verwaltung im BKA, und Thomas Helf, Wertebeauftragter, im Portrait.
Wilke Rohde

Was unternehmen Sie, damit kein falsches Gedankengut in die Köpfe der Menschen gelangt?

Helf: Das ist nicht leicht. Wir haben im Gewinnungsverfahren eine Sicherheitsüberprüfung, die im Vergleich zu vielen privaten Firmen – glaube ich - einen sehr guten Einblick ermöglicht, um die Gesinnung zu erkennen. Trotzdem gelingt es nicht in allen Fällen herauszufinden, dass möglicherweise rechtsextremes Gedankengut da ist. Das versuchen wir mit professionellen Fragebögen in den Einstellungstests herauszufinden. Zum Beispiel in dem wir die Autoritätshörigkeit von Bewerberinnen erfassen und so herausfinden, ob jemand da Neigungen hat. Trotzdem wird es uns im Gewinnungsverfahren nicht gelingen jeden Einzelfall zu erkennen. Das muss man der Ehrlichkeit halber sagen.

Ich kenne das schon seit über einem Jahrzehnt, habe auch Familie und es war immer eine Herausforderung, diese Dinge miteinander zu vereinbaren. Stell Dir vor, von einem Nachrichtendienst im Ausland kommt die Information, da ist einer, der hat die Drähte eines Zünders schon fast zusammengesetzt, um den müsst ihr euch jetzt kümmern. Das fordert enorm viel Flexibilität von den Leuten und eine hohe intrinsische Motivation. Ich habe bisher nicht erlebt, dass die Kolleginnen und Kollegen diese nicht aufgebracht hätten. Selbst wenn sie nicht müssten, haben sie versucht, immer irgendwie möglich zu machen, dass der Job läuft.

Helen Albrecht, Leiterin für Personal und Verwaltung im BKA, und Thomas Helf, Wertebeauftragter, im Portrait.


von Wilke Rohde
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