Sie sind hier: Startseite > Streitkräfte > Grundlagen > Innere Führung 

Die Innere Führung: Das „Markenzeichen“ der Bundeswehr

Soldat und Soldatin im Gespräch auf hoher See

Aus Überzeugung soll der Soldat in der Bundeswehr dienen. (Quelle Bundeswehr)

Berlin, 16.05.2017.
Die Innere Führung bildet die Wertegrundlage für verantwortliches Handeln in der Bundeswehr. Alle Angehörigen der Bundeswehr sind auch Staatsbürgerinnen und Staatsbürger – mit allen Rechten und Pflichten.

Als Staatsbürger in Uniform sind Soldatinnen und Soldaten den Werten und Normen des Grundgesetzes besonders verpflichtet. Umgekehrt müssen auch Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr die Werte und Rechte erleben können, für deren Schutz sie einstehen sollen.

Die Innere Führung vermittelt diese Werte und setzt sie um. Dazu zählen Menschenwürde, Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Demokratie. Sie müssen in der Aus- und Weiterbildung der Soldaten an Beispielen fassbar gemacht werden, denn im äußersten Fall setzen Soldaten für diese Werte ihr Leben aufs Spiel. Das heißt auch, dass ein gemeinsames Grundverständnis über die Werte der Inneren Führung besteht.

Die Innere Führung ist schließlich auch die Pflicht, selber zu denken und nicht blind zu folgen. Sie bildet für jeden Soldaten die Grundlage seines Handelns.

Soldaten auf Patrouille in Einsatzuniform

Die Bundeswehr ist eine Einsatzarmee. Über bewaffnete Einsätze entscheidet das Parlament. (Quelle: Bundeswehr/Kazda)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Das Gewissen entscheidet

Die Grundidee der Inneren Führung ist nur zu verstehen, wenn ihre Entstehungsgeschichte mitgedacht wird. Die deutsche Wehrmacht war in die Verbrechen des Nationalsozialismus verstrickt. Als die Bundeswehr 1955 gegründet wurde, stellte sie sich bewusst nicht in die Tradition der Wehrmacht. Im Traditionserlass von 1982 wurde eindeutig festgelegt, dass ein Unrechtsregime wie der Nationalsozialismus – und mit diesem die Wehrmacht – keine Tradition für die Bundeswehr begründen kann.

Mit dem sogenannten „Primat der Politik“ wurde die Bundeswehr als Armee in der Demokratie verankert und der Politik unterstellt. Bewaffnete Einsätze werden im Bundestag beschlossen und von ihm mandatiert. Die Streitkräfte werden also von den gewählten Bundestagsabgeordneten in den Einsatz geschickt.

Die Bundeswehr kennt keinen unbedingten Gehorsam. Die letzte Entscheidungsinstanz bleibt das Gewissen jedes Einzelnen. Dieses Gewissen zu schulen, ist die Aufgabe der historischen und politischen Bildung, des lebenskundlichen Unterrichts und des Führens durch Vorbild. Staatsbürgerliches Handeln setzt historische und politische Bildung voraus.

Soldaten sitzen in Seminarraum

Politische und historische Bildung geben den Soldaten Orientierung. (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

In der historischen Bildung wird vermittelt, wie sich die Werte unserer Rechtsordnung entwickelt haben und wo ihre geschichtlichen Ursprünge sind. Da sich die Bundeswehr auf Traditionen beruft, wird in der historischen Bildung geklärt, welche geschichtlichen Beispiele traditionswürdig sind und welche nicht.

In der politischen Bildung werden aktuelle politische und gesellschaftliche Herausforderungen diskutiert. Der Staatsbürger in Uniform kann nur dann gesellschaftspolitische Sachverhalte bewerten, wenn er über diese informiert ist und sie durchdacht hat. Das ist die Aufgabe von Unterrichten und Veranstaltungen zur politischen Bildung an allen Standorten und für alle Bundeswehrangehörigen sowie der Medien der Mitarbeiterkommunikation und der zentralen Truppeninformation.

Im lebenskundlichen Unterricht, der überwiegend von den Militärgeistlichen geleitet wird, werden ethische Fragen behandelt.

Für die Innere Führung spielen die Vorgesetzten eine Schlüsselrolle: Sie sind dafür verantwortlich, den einzelnen Teilbereichen der Inneren Führung die nötige Bedeutung beizumessen. Außerdem müssen sie die Grundsätze der Inneren Führung verinnerlicht haben, nur so können sie auch als Vorbild fungieren. In vielen Ausbildungsstätten der Bundeswehr gibt es zusätzlich Unterricht zur Inneren Führung selbst.

Soldaten lesen eine Landkarte

Innere Führung ist trotzdem Führung – auch auf der Basis von Befehl und Gehorsam. (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Mehr als ein Lehrfach

Das Prinzip der Innere Führung ist weltweit einzigartig. Viele Länder versuchen, von ihr zu lernen und übernehmen Teile der Inneren Führung für ihre eigenen Streitkräfte. Die Innere Führung ist jedoch kein reines Lehrfach. Sie hat mit der Persönlichkeit eines jeden einzelnen Soldaten zu tun. Nur wer sich selbst führen kann, das heißt, wer historisch, politisch und ethisch gut informiert ist und dadurch Entscheidungen treffen kann, sollte auch andere führen dürfen. Ein informiertes Gewissen und die Fähigkeit, selber zu denken, sind die Säulen der Inneren Führung.

Das Problem an den bekannt gewordenen Verstößen gegen die Grundsätze der Inneren Führung und im Fall von Franco A. liegt auch darin, dass die hier gezeigten Verhaltensweisen der daran beteiligten Soldaten und soldatischen Vorgesetzten die Grundfesten der Inneren Führung berühren. Es zeigt sich hier, dass diejenigen, die in der Kritik stehen, die Innere Führung nicht verinnerlicht haben – und dass Vorgesetzte das nicht erkannt haben.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 22.05.17 | Autor: Redaktion der Bundeswehr


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.streitkraefte.grundlagen.innere_fuehrung