Herausforderung für Logistik

Brilliant Jump: NATO stellt schnelle Verlegefähigkeit unter Beweis

Brilliant Jump: NATO stellt schnelle Verlegefähigkeit unter Beweis

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Norwegen
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4 MIN

Nahe des südnorwegischen Rena endete die NATO-Verlegeübung Brilliant Jump. Binnen kurzer Zeit haben die Verbündeten unter Führung der Rahmennation Frankreich tausende Soldatinnen und Soldaten per Schiff und Flugzeug nach Norwegen verlegt. Der deutsche NATO-General Jörg Vollmer entließ die Truppe in die anlaufende norwegische Übung Cold Response. 

Ein Panzer fährt aus einem Schiff.

Per Transportschiff nach Norwegen: „Brilliant Jump“ ist eine NATO-Verlegeübung, bei der Truppen aus Spanien, Polen, Italien, Frankreich und Deutschland mitsamt ihrem Material per Flugzeug und per Schiff über die Nordsee in das Übungsland verlegen.

NATO

Am Rande einer großen Lichtung auf einem Truppenübungsplatz rund 170 Kilometer nördlich von Oslo drängen sich dutzende Journalisten aus aller Welt. Sie warten auf einen Dynamic Display der NATO Response Force (NRFNATO Response Force): Angriff, Verzögerung und Gegenangriff, im Grunde der Klassiker. Den Gegner stellen französische Gebirgsjäger vom 13. Bataillon der Chasseurs alpins dar.

Aber als sie dann mit ihren Hägglunds aus dem Wald vorrücken, kommen sie nicht weit. Erst bleiben sie im Feuer eines Bataillons der Deutsch-Französischen Brigade liegen. Dann werden sie von vier spanischen Leopard 2 beschossen. Und was übrigbleibt, erledigen polnische Infanteristen, die dabei im Schutz ihrer modernen Achtradfahrzeuge vorgehen. Zwischendurch donnern zwei hochmoderne Kampfflugzeuge F-35 der norwegischen Luftwaffe über die Szenerie.

Multinationales Feldlager in den norwegischen Bergen

Unweit des norwegischen Städtchens Rena ist in den vergangenen Wochen ein Feldlager emporgewachsen. Inmitten eines ausgedehnten Übungsgebietes der norwegischen Streitkräfte gelegen und eingerahmt von einer zerklüfteten Bergkulisse mit tief verschneiten Nadelwäldern.

Nachts wird es hier auch im März bitterkalt – zumindest für Mitteleuropäer. Norwegische Soldaten versichern, dass sich die Temperaturen, verglichen mit dem Norden ihres Landes, geradezu frühlingshaft ausnehmen. Große beheizbare Zelte reihen sich aneinander, etwas abseits wurden Abstellplätze für Fahrzeuge und Gerät planiert. Es gibt Unterkünfte, Küchenzelt und Waschräume. Die norwegischen Gastgeber haben sich richtig ins Zeug gelegt.

Deutsch-Französische Brigade fungiert als Leitverband

Quasi über Nacht hatte sich dieses Feldlager mit Leben gefüllt. Anlass dafür war die NATO-Übung Brilliant Jump. Spanier und Polen, Deutsche und Italiener, aber vor allem Franzosen sind gekommen. Denn Frankreich stellt 2022 die Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ). Leitverband ist die Deutsch-Französische Brigade, die hier mit mehreren hundert Soldatinnen und Soldaten vor Ort ist. Die Einheiten in Rena sind Teil der NRFNATO Response Force, die in diesem Jahr turnusmäßig vom Joint Force Command Brunssum (JFCBS) geführt wird. Kommandeur dieses operativen NATO-Hauptquartiers ist der deutsche Viersterne-General Jörg Vollmer.

General Vollmer unterhält sich mit einem polnischen Soldaten. Im Hintergrund stehen Pressevertreter.

Alles im Blick: General Jörg Vollmer ist der Kommandeur des Joint Force Command in Brunssum. Die Einheiten der NRFNATO Response Force werden in diesem Jahr turnusmäßig durch dieses NATO-Hauptquartier geführt.

Bundeswehr/Markus Tiedke

Brilliant Jump ist eine langfristig geplante Verlegeübung der NATO. Mit solchen Übungen prüft die Allianz, wie schnell und effektiv ihre Truppen die zugewiesenen Verfügungsräume erreichen. Dabei nehmen die Planer ganz bewusst verschiedene Transportwege für die Eingreiftruppen in den Blick.

In diesem Jahr haben die beteiligten Einheiten mitsamt ihrem Material Norwegen auf dem Luftweg oder per Transportschiff erreicht. Im Lande selbst ging es dann auf der Straße oder Schiene weiter. Die geografischen Gegebenheiten in Norwegen machten die Verlegung großer Truppenkörper nicht eben einfacher, erklärte vor Beginn des Dynamic Displays Oberst Philipp Leyde, der stellvertretende Kommandeur der Deutsch-Französischen Brigade.

Anspruchsvolle Aufträge – multinational gelöst

Doch genau auf diese Herausforderung komme es an. „Unter taktischen Gesichtspunkten sind die Bedingungen ideal. Wir können die Verlegung von Teilen der NRFNATO Response Force bei Kälte und in anspruchsvollem Gelände üben“, sagt Leyde. Mit dem Ablauf sei er zufrieden. „Alle Einheiten sind binnen weniger Tage angekommen, das Material ist ebenfalls hier und einsatzbereit. Die Gefechtsstände funktionieren und die Verbindungen mit unserer Host Nation sind hervorragend.“ Leyde hebt besonders die multinationale Komponente hervor. Das Bündnis lebe letztlich durch die von den Mitgliedstaaten bereitgestellten Verbände. „Und gerade diese multinationale Zusammenarbeit hat auf verschiedenen Ebenen sehr gut funktioniert.“

Ein französischer Soldat spricht in ein Funkgerät

Im Hafen von Fredrikstad landen französische Truppen an. Gemeinsam und multinational wird die anspruchsvolle Auftragslage in der Allianz gelöst, denn im Ernstfall geht es darum, das NATO-Territorium zu verteidigen.

NATO/Justine Fischer

Auftrag ist die Verteidigung des NATO-Territoriums

General Vollmer teilt diesen Eindruck und betont die grundsätzliche Bedeutung der Verlegeübung Brilliant Jump. „Viele Menschen haben lange Zeit daraufhin gearbeitet, dass die Truppen zur rechten Zeit am richtigen Ort ankommen“, sagte er im Anschluss an das Dynamic Display. „Ich bin stolz auf alle Soldatinnen und Soldaten, die dazu beigetragen haben.“ Diese Form des Trainings sei sehr wichtig. Denn sie befähige letztlich die Allianz dazu, jederzeit an jedem Ort ihren Auftrag zu erfüllen. Und dieser Auftrag sei ohne jeden Zweifel die Verteidigung des Territoriums der NATO.

Entschlossenheit an der Ostflanke der Allianz

In den zurückliegenden Wochen seit dem russischen Überfall auf die Ukraine habe er die Truppe gerade bei seinen Besuchen an der Ostflanke des Bündnisses im Baltikum hochmotiviert erlebt. Dazu habe auch die Entschlossenheit und Flexibilität der NATO-Staaten beigetragen, die binnen kurzer Zeit Verstärkungen ins Baltikum geschickt hatten. „Die Männer und Frauen unserer Streitkräfte nutzen die Zeit, um besser zu werden und sie erfüllen ihren Auftrag.“ Mit der erfolgreichen Verlegung nach Norwegen sei die Übung Brilliant Jump 2022 beendet. „Nun werden Sie ihre Aufträge im Rahmen von Cold Response erfüllen“, so Vollmer.

von Markus Tiedke

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