Nachgefragt

Chefstratege analysiert Ukraine-Krieg

Chefstratege analysiert Ukraine-Krieg

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Mit jeder Unterstützung der Ukraine bekommen wir ein Stück mehr Sicherheit.  Dessen ist sich Generalleutnant Gunter Schneider sicher. Der Abteilungsleiter Strategie und Einsatz im Verteidigungsministerium wirft in „Nachgefragt“ auch einen detaillierten Blick auf die militärischen Unterschiede zwischen beiden Seiten und ihren Taktiken.

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Mit jeder Unterstützung der Ukraine bekommen wir mehr Sicherheit, sagt Generalleutnant Gunter Schneider. Der Abteilungsleiter Strategie und Einsatz wirft einen detaillierten Blick auf beide Kriegsparteien und zieht erste Schlussfolgerungen.

Dass die Kräfte an der NATO-Ostflanke so schnell aufgestockt werden konnten, darüber könne man durchaus auch mit Stolz berichten, stellt Gunter Schneider zunächst mit Blick auf die Bundeswehr fest und nennt unter anderem die Verstärkung der NATO-Mission eFPenhanced Forward Presence (enhanced Forward Presence) im Baltikum und Polen oder die Verlegung von PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target-Flugabwehrsystemen in die Slowakei als Beispiele.  

Auch den viel zitierten „Ringtausch“ von Waffen und Großgerät erläutert Schneider: Eine NATO-Nation gebe dabei Material an die Ukraine ab, das deren Militärs ohne großen Ausbildungsaufwand bedienen könnten. Die Bundeswehr fülle die Lücken beim NATO-Partner aus ihren eigenen Beständen auf und erhalte dafür neues Material. Viel wichtiger aber sei: „Wir bekommen dadurch ad hoc ein Stück mehr Sicherheit. Mit jeder Unterstützung, die wir unmittelbar oder mittelbar an die Ukraine leisten, schafft es die Ukraine, der russischen Aggression besser zu widerstehen“, betont Schneider. „Unsere Sicherheit wird aktuell auch in der Ukraine verteidigt.“

Außerdem analysiert Schneider, welche Probleme die russische Armee auf dem Gebiet der Ukraine hat: „Die Annahme, man kann dort auf großer Breite mit der gesamten Feuerkraft eines Bataillons angreifen und die Artillerie schießt von hinten und ich stoße großräumig vor, ist falsch, weil dieses Gelände meine Bewegung kanalisiert.“ Zudem hätte die Ukraine die Vorbereitungszeit gut genutzt und gleich mehrere Verteidigungsringe angelegt. Deshalb versuchten die russischen Streitkräfte nun, die ukrainischen Verteidiger nach und nach abzunutzen.

Auch die Motivation der Kämpfenden spiele eine große Rolle. Die ukrainischen Truppen verteidigten ihr eigenes Land und kämpften aus Überzeugung. Die russischen Truppen dagegen seien anfangs wohl davon ausgegangen, ihnen stünde nur eine weitere Übung bevor. Nun sähen sie sich mit der Realität eines Krieges konfrontiert.  „Das macht natürlich mit einem etwas“, meint Schneider. Doch warum nimmt Russland im Ukrainekrieg vermehrt zivile Ziele und Infrastruktur ins Visier? Das mache man, wenn der Verteidigungswille auch auf ziviler Seite gebrochen werden soll. „Dann wird Krieg zum echten Schrecken und sorgt dafür, dass die Moral, der Wille zum Durchhalten gebrochen wird“, erklärt Schneider.

Ein weiterer Aspekt des Konfliktes sei die in Russland vorherrschende Befehlstaktik. Schneider erläutert den Unterschied zur Auftragstaktik der Bundeswehr so: „Ich bekomme von meinem übergeordneten militärischen Führer einen Auftrag, mit dem er mir seine Absicht erläutert hat. Das ermöglicht mir eine gewisse Beinfreiheit. Bei der Befehlstaktik ist es genau andersherum. Diese Beinfreiheit habe ich nicht, sondern mir ist klar vorgegeben, mit welchen Schritten ich zur Umsetzung dieser Absicht zu kommen habe. Das Dilemma entsteht dann, wenn ich eine unvorhergesehene Entwicklung habe, aber so fixiert bin auf diese kleinen Schritte, die mir vorgegeben sind.“

Für generelle Schlussfolgerungen aus dem Krieg in der Ukraine ist es Schneiders Ansicht nach noch zu früh. Grundsätzlich sei die Bundeswehr aber mit ihrem Ausbildungsziel, dass das militärische Handwerk beherrscht werden müsse, auf dem richtigen Weg. Trotz des Krieges in Europa warnt Schneider aber davor, jetzt „Scheuklappen aufzusetzen“ und die Auslandseinsätze der Bundeswehr generell in Frage zu stellen. Sie seien nach wie vor sicherheitspolitisch geboten.

Zur Person: Generalleutnant Gunter Schneider ist Abteilungsleiter Strategie und Einsatz im Verteidigungsministerium. Schneider, geboren am 8. August 1964 in Eisern (heute Siegen), begann seine Bundeswehr-Laufbahn 1984. Nach einem Pädagogik-Studium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg folgten Führungsverwendungen in der Panzergrenadiertruppe sowie die Generalstabsausbildung. Außerdem diente er als Brigadegeneral in Afghanistan und als Vizepräsident im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr in Köln. 

von Stefanie Brauner

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